Samstag, 20. Juli 2024

Jonas Deichmann startet nach Zwangspause durch

Die Tage werden kürzer. Das heißt für Jonas Deichmann: Gas geben. „Man merkt mittlerweile, dass es früh dunkel wird. Wenn es bewölkt ist, bereits um 17 Uhr“, sagt der 33-Jährige, der auf seinem Triathlon rund um die Welt beim Schwimmen mittlerweile mehr als die Hälfte geschafft hat. An die frühe Dämmerung allerdings muss er sich erst noch gewöhnen. Anfang der Woche hatte er Split in Kroatien bereits vor Augen und war angesichts des Etappenziels etwas zu euphorisch. „Da habe ich mich ein bisschen verschätzt und war froh, dass ich die letzte Querung gerade noch so geschafft habe, vor der Dunkelheit. Das hätte – mit den Booten, die dort fahren – gefährlich werden können.“ Deichmann hatte gedacht, er käme schneller durch die Passage. „Nach dem Training der vergangenen Wochen habe ich gemerkt, dass mein Tempo höher geworden ist. Ich schwimme mittlerweile mehr als zwei Kilometer pro Stunde, anfangs waren es eher 1,7. Ich bin gerade richtig schnell.“ Für die Querung nach Split hat es eben gerade noch gereicht.

privat Gute Bedingungen: Im Schutz der vorgelagerten Inseln kommt Jonas Deichmann schnell voran.

Zuvor hatte der Abenteurer von Trogir aus zunächst mit wechselhaften Bedingungen zu kämpfen gehabt. Am Sonnabend schaffte er aufgrund zu heftiger Winde und zu hoher Wellen nur vier Kilometer. „Dann musste ich einfach raus aus dem Wasser. Aber ich habe einen wunderschönen Unterschlupf gefunden: ein geschlossenes Restaurant mit Terrasse und Meerblick.“ Den Tag darauf legte Deichmann ordentlich Strecke zurück und wurde zwei Kilometer vor Split durch die Dunkelheit gestoppt.

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Was folgte, war eine Zwangspause. Der Gegenwind war so heftig, dass er nach einer Stunde erst einen Kilometer weit gekommen war. Da er die letzten 200 Meter davon praktisch auf der Stelle geschwommen war, als er ins offene Meer kam, entschied er sich dazu, in Split aus dem Wasser zu steigen. „Es hat einfach keinen Sinn gemacht“, so Deichmann, der sich in der zweitgrößten Stadt Kroatiens eine kleine Auszeit nahm. „Ich habe den Rest des Tages und den gesamten folgenden Tag dort verbracht. Eine traumhaft schöne Stadt, ich konnte ein bisschen Sightseeing machen, durch die schöne Altstadt. Es gibt derzeit praktisch keine Touristen.“ Als positive Begleiterscheinung der durch Witterungsbedingungen aufgezwungenen Pause: „Es hat meinem Körper richtig gut getan, meine Wunden sind besser geworden. Mein Körper hat diese Zwangspause dankend angenommen.“

Sorgenfalten beim Blick auf die Prognosen

Der zweitweise Stillstand trieb dem Abenteurer aber auch ein paar Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir haben Ende Oktober, und im November werden die Bedingungen sicherlich nicht besser. Irgendwann wird das Wasser kälter. Ich muss wirklich Gas geben, um am Ende nicht größere Probleme zu bekommen“, betont Deichmann.

Am Mittwoch setzte er seine Forderung selbst in die Tat um. Kurzerhand änderte er seine Route. „Ich wollte ursprünglich über die Inseln schwimmen, habe aber mittlerweile gelernt, dass ich Infrastruktur brauche. Ich schwimme jetzt also die Küste entlang, da bin ich geschützt durch die größeren Inseln, die davor liegen. Seit Split habe ich dadurch praktisch ruhiges Wasser, kaum Wind, tolles Wetter – und ich glaube, das bleibt für die nächsten Tage erstmal so.“

privat Traumhafter Blick: Sonnenuntergang am Strand.

Der Wiedereinstieg ins Schwimmen nach der Zwangspause sei zwar zunächst ungewohnt gewesen. „Aber ich habe 14 Kilometer geschafft, am Donnerstag dann fast 13. Ich lege die Strecken gerade wirklich mit Highspeed zurück“, so Deichmann. Da kann er auch Schreckmomente locker wegstecken. Als er am Freitag an Omis vorbeischwimmen wollte, musste er ordentlich kämpfen. „Das Wasser, das von der Cetina ins Meer fließt, ist eiskaltes Gebirgswasser, noch dazu gab es eine richtig starke Strömung und ich musste einen Hafen queren. Eine unangenehme Situation.“

Zwei große Querungen stehen noch an

Am Freitag folgten zwölf Kilometer. „Es ist gerade insgesamt ziemlich einfach für mich. Alle sieben bis acht Kilometer kommt eine Ortschaft mit Supermarkt und einer gewissen Infrastruktur, mit guten und überdachten Schlafplätzen, windgeschützt. Dazu scheint die Sonne, es ist warm und die See ist ruhig.“ Am Samstag plant Deichmann seine Ankunft in Makarska. „Das ist die letzte einigermaßen große Stadt vor Dubrovnik. Ich habe noch circa 190 Kilometer vor mir, das sind in etwa 18 volle Schwimmtage, allerdings werde ich sicherlich nochmal pausieren müssen.“ Die Vorhersage für die nächsten Tage ist gut. 50 Kilometer will Deichmann die Küste entlang noch schaffen, bis das Wetter wieder schlechter werden soll. „Dabei sind zwei größere Querungen, eine auf die Insel Hvar, dann geht es sieben Kilometer durch das offene Meer auf eine Halbinsel rüber.“ Der Abenteurer weiß: „Das wird nicht ohne.“

Impressionen im Video: Jonas Deichmann schwimmt mit seinem Floß im Schlepptau die Adriaküste entlang.

Jonas Deichmann berichtet auf tri-mag.de regelmäßig in Tagebuchform von seinem Triathlon rund um die Welt. Weitere Informationen zu seinen bisherigen Abenteuern sowie ein Livetracker zu seinem Triathlon rund um die Welt finden sich auf seiner Website jonasdeichmann.com.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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