Kein Vorankommen – aber längst kein Stillstand bei Jonas Deichmann

Es geht derzeit nicht voran auf seinem Triathlon rund um die Welt, und dennoch herrscht bei Jonas Deichmann kein Stillstand. Während der Abenteurer in der Türkei in der Warteschleife hängt und auf seine Einreisegenehmigung nach Russland wartet, konzentriert sich der 33-Jährige auf ein anderes Kerngeschäft des Abenteurer-Daseins. Jonas Deichmann kurbelt die Vermarktung durch Interviews für verschiedene Medien an und hält Online-Vorträge.

Visum ja – aber für welchen Zeitraum?

„Aus Russland herrschte seit letzter Woche erstmal Funkstille, am Freitagabend habe ich dann vom Olympischen Komitee ein Update erhalten. Das von mir beantragte Visum für 180 Tage ist nicht so einfach zu bekommen. Die wollten mir erst ein 30-Tage-Visum geben, das aber natürlich nicht reicht. Jetzt ist mein Antrag vom Sportministerium nochmal ans Ministerium für auswärtige Angelegenheiten gegangen, um dort noch einmal nachzufragen, ob 180 Tage nicht doch möglich sind“, berichtet Deichmann. „Es dauert jetzt noch ein bisschen, weil mehr Personen involviert sind. Ein Visum und eine Einreisegenehmigung sieht gut aus, ob es aber lang genug ist, das weiß ich noch nicht. Wenn es nur kürzer ist, muss ich mir genau überlegen, was ich dann mache. Mit einem 90-Tage-Visum schaffe ich es zwar nach Wladiwostok. Aber ohne Puffer nach hinten heraus ist das Risiko, dass ich dort strande, mein Visum ausläuft und ich ohne Schiff, das mich über den Pazifik bringt, ausreisen muss, sehr hoch. Wladiwostok ist nicht gerade der Segel-Hotspot.“

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Der Abenteurer will die endgültige Entscheidung abwarten, bevor er andere Entscheidungen trifft. „Die Route durch Russland wäre nämlich die mit Abstand beste Lösung“, erklärt Deichmann, dass seine weitere Planung vom Stop oder Go aus Moskau abhängt. Sollte er nicht mit dem Rad in das größte Land der Welt einreisen dürfen, würde er wohl notgedrungen eine 180-Grad-Wende vollführen, zurück nach Europa fahren und von Portugal aus zunächst über den Atlantik segeln, um durch die USA zu laufen, ehe er nach einer Pazifiküberquerung mit dem Rad durch Asien fahren würde.

privat Jonas Deichmann (li.) lässt den Tag mit Gesellschaft am Strand ausklingen.

Radtouren und Wanderausflüge

Um in der Zwangspause nicht einzurosten, hat er sich mit kleineren Radtouren und Wanderausflügen in die nähere Umgebung fitgehalten. Dokumentarfilmer Markus Weinberg war ebenfalls für ein paar Tage zu Besuch, um die aktuelle Phase des Abenteuers bildlich festzuhalten und zu zeigen, wie solch ein Projekt hinter den Kulissen gesteuert wird. „Wir geben einen Einblick behind the scenes“, so Deichmann. Da kann in der aktuellen Situation ein außergewöhnlicher Trainingstag auch mal mit Chips und Bier am Strand enden. Aber auch abseits der Straße muss Deichmann jede Menge Energie aufwenden. „Wir zeigen, dass ich nicht nur Sport treibe, sondern auch Vorträge halte und Fernsehauftritte habe, alles was eben dazu gehört, um das beruflich zu machen.“

Doku liefert Einblicke ins Abenteurerleben

Einen ähnlichen Einblick in sein Abenteurerleben gewährt Jonas Deichmann seit vergangenen Donnerstag, als der Dokumentarfilm über sein Rekordprojekt Cape to Cape veröffentlicht wurde. Die rund 18.000 Kilometer vom Nordkap bis nach Kapstadt absolvierte er in 75 Tagen.

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Der Dokumentarfilm „Cape to Cape“ liefert spannende und tiefe Einblicke in die Rekordfahrt von Jonas Deichmann.

Aufgrund der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie laufen Interviews und Vorträge meist virtuell ab. Neben Radioauftritten und Podcasts hält Jonas Deichmann derzeit Online-Vorträge, zuletzt einen Motivationsbeitrag zum Thema „Adventure and mindset“ bei einem Anbieter für digitale Events und virtuelle Konferenzen auf dessen Jahres-Kickoff-Konferenz.

Warten auf Nachricht aus Russland

So sehr ihm dieser Bereich Abwechslung vom Alltag beschert: Jonas Deichmann würde sich gern wieder auf das absolute Kerngeschäft konzentrieren: sein aktuelles Rekordprojekt. Bis er Nachricht aus Russland erhält, heißt es für ihn vorerst allerdings: warten.

privat Bei der Verpflegung setzt Jonas Deichmann auf frische Ware vom Marktstand.

Jonas Deichmann berichtet auf tri-mag.de regelmäßig in Tagebuchform von seinem Triathlon rund um die Welt. Weitere Informationen zu seinen bisherigen Abenteuern sowie ein Livetracker zu seinem Triathlon rund um die Welt finden sich auf seiner Website jonasdeichmann.com.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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