Hayden Wilde plant WTCS Abu Dhabi und T100 Dubai innerhalb von rund 18 Stunden. Doch die 24-Stunden-Regel von World Triathlon könnte zum Problem werden
Hayden Wilde könnte in knapp zwei Wochen eines der ungewöhnlichsten Doppelrennen seiner Karriere bestreiten. Der Neuseeländer steht aktuell sowohl auf der Startliste der WTCS in Abu Dhabi als auch beim T100 in Dubai. Zwei Rennen, deren Startzeiten nur rund 18 Stunden auseinanderliegen.
Am Freitag, 13. November, startet das Männer-Rennen der World Triathlon Championship Series in Abu Dhabi um 16 Uhr Ortszeit. Bereits am folgenden Tag ist Wilde auch für das T100 Dubai gemeldet. World Triathlon führt ihn aktuell offiziell bei beiden Veranstaltungen als Starter. Damit entsteht allerdings ein Problem mit dem Regelwerk.
World Triathlon schreibt 24 Stunden Pause vor
Die Competition Rules von World Triathlon sind an dieser Stelle eindeutig formuliert: Athleten dürfen innerhalb von 24 Stunden nicht an mehr als einem Triathlon- oder Multisportwettbewerb teilnehmen, wenn mindestens eines der Rennen über die sogenannte Standarddistanz (gemeint ist die Olympische Distanz) oder länger führt. Entscheidend ist dabei die Zeit vom Start des ersten Rennens bis zum Start des zweiten.
Wer gegen diese Regel verstößt, riskiert laut Regelwerk die Disqualifikation aus den betreffenden Rennen sowie den Verlust von Preisgeldern und Punkten.
Das T100 fällt mit 2 Kilometern Schwimmen, 80 Kilometern Radfahren und 18 Kilometern Laufen klar in den Bereich oberhalb der Standarddistanz. Wildes geplantes Doppel würde damit auf dem Papier gegen die 24-Stunden-Regel verstoßen.
Eine Ausnahme wäre nötig
Deshalb hängt der Doppelstart offenbar an einer Ausnahmegenehmigung von World Triathlon. Dass Wilde auf beiden Startlisten steht, bedeutet noch nicht automatisch, dass er tatsächlich beide Rennen bestreiten darf. Eine finale Ausnahmebestätigung ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Die Konstellation könnte auch weitere Athleten betreffen. Dem Vernehmen nach prüfen noch andere Starter, ob sie sowohl beim WTCS-Rennen in Abu Dhabi als auch beim T100 in Dubai antreten können.
Das dürfte World Triathlon vor eine schwierige Entscheidung stellen. Einerseits ist die 24-Stunden-Regel klar formuliert. Andererseits gehören sowohl die WTCS als auch die T100-Serie inzwischen zum World-Triathlon-Kosmos.
Warum es überhaupt zur Überschneidung kommt
Ursprünglich war das Männer-Rennen der T100 nicht für Dubai geplant. Der vorletzte Männer-Stopp sollte Ende November in Saudi-Arabien stattfinden. Dieses Rennen wurde jedoch verschoben. Daraufhin wurde zusätzlich zum ohnehin geplanten Frauenrennen am 14. November auch ein Männer-T100 in Dubai angesetzt.
Dadurch entstand die Terminkollision mit der bereits angesetzten WTCS in Abu Dhabi. Die Männer starten dort am Freitag um 16 Uhr. Für das T100 Dubai ist Samstag, 14. November, vorgesehen.
Wilde kennt Doppelstarts – aber noch nie so eng
Für Hayden Wilde wäre ein solches Wochenende nicht völlig neu. Der Neuseeländer hat bereits mehrfach versucht, Kurz- und Mitteldistanzrennen innerhalb kurzer Zeit miteinander zu kombinieren.
2025 absolvierte er an der French Riviera ein T100- und ein WTCS-Rennen mit einem Abstand von knapp 32 Stunden. In Wollongong lagen T100 und WTCS sogar nur etwa 25 Stunden auseinander. Beide Kombinationen blieben damit noch knapp außerhalb der 24-Stunden-Grenze.
Diesmal wären es nach derzeitigem Zeitplan nur rund 18 Stunden. Hinzu kommt die Reise zwischen Abu Dhabi und Dubai: Rund 140 Kilometer liegen zwischen den beiden Städten. Wilde müsste nach dem WTCS-Rennen regenerieren, auschecken, reisen, Material transportieren, essen, schlafen und wenige Stunden später wieder einchecken und sich auf ein 100-Kilometer-Rennen vorbereiten.
Rein sportlich wäre das damit eine ganz andere Herausforderung als seine bisherigen Doppelstarts.
Sportlich ergibt der Start für Wilde Sinn
Warum der Ironman-70.3-Weltmeister das überhaupt versuchen möchte, lässt sich mit Blick auf die T100-Wertung schnell erklären.
Wilde führt die T100-Gesamtwertung derzeit an und kann in Dubai wichtige Punkte für die Race-to-Qatar-Wertung sammeln. Deshalb ist der Start trotz der engen Belastung sportlich nachvollziehbar.
Wilde hat in dieser Saison bereits mehrfach gezeigt, dass er mit hoher Rennfrequenz umgehen kann. Im September absolvierte er innerhalb von 21 Tagen Supertri Jersey, die Ironman-70.3-WM in Nizza, das T100 French Riviera und anschließend das WTCS-Finale in Pontevedra. In Nizza holte er sogar den Ironman-Weltmeistertitel über die Mitteldistanz.
Regel gegen Spektakel
Hier steckt die eigentliche Geschichte dieses möglichen Doppelstarts. Sportlich wäre er spektakulär: ein WTCS-Rennen am Freitagnachmittag, anschließend der Transfer nach Dubai und am Samstag ein T100 über 100 Kilometer. Zwei völlig unterschiedliche Belastungsprofile innerhalb eines Tages.
Ob World Triathlon eine Ausnahme erteilt, dürfte nicht nur für Wilde interessant werden. Es geht auch um die generelle Frage, wie flexibel das Regelwerk in einer Zeit sein kann, in der die weltbesten Athleten gleichzeitig in mehreren Rennserien unterwegs sind.
Sollte Wilde tatsächlich beide Starts bekommen, wäre Abu Dhabi/Dubai sein bisher extremstes Doppel und ein Belastungsexperiment, das selbst für einen Athleten seiner Klasse außergewöhnlich wäre.