Komplett ohne Steuerrohr:
Niederländisches Rad-Start-up Kú Cycle geht mit dem TF1 neue Wege

Neuer Radhersteller auf dem Triathlonmarkt: Mit dem ersten und bislang einzigen Modell will das niederländische Start-up Kú Cycle neue Wege gehen – und wird damit aus mehr als einem Grund polarisieren.

Auch wenn die Marke wohl noch nicht vielen bekannt ist, sind die beiden Gründer Richard McAinsh und Alex Bok alles andere als Neulinge im Triathlonsport: McAinsh, ursprünglich aus der Formel 1 und dabei mit Ferrari und Benetton an diversen Weltmeistertiteln beteiligt, befasst sich seit seiner Zeit beim Komponentenhersteller 3T mit allem rund um Aerodynamik und CFD-Analysen für schnelle Fahrräder. Bok war Besitzer der Bike-Shop-Kette „The Bike Boutique“ in Südostasien und außerdem zusammen mit Brett Sutton einer der beiden Köpfe hinter dem gleichnamigen Team TBB – dem Heimteam der mehrfachen Hawaii-Siegerin Chrissie Wellington. Wir waren kürzlich beim Start-up in Almere zu Besuch und haben mit den Entwicklern gesprochen, die uns ihr in mehrfacher Hinsicht anderes Konzept erklärt haben. So viel kann bereits verraten werden: Das aktuell einzige Modell im Stall, das TF1, geht gänzlich neue Wege und wird sicherlich aus mehr als einem Grund polarisieren.

Auf das Steuerrohr wird komplett verzichtet

Augenscheinlichster Unterschied zu den aktuellen Triathlonrädern ist neben der extrem flächigen und kompakten Seitenansicht die Frontpartie des TF1. Anders als bei bisherigen Lösungen beim Übergang von Gabel in Steuerkopf und Cockpit verzichtet man bei Kú Cycle komplett auf das Steuerrohr. Stattdessen wachsen die beiden Gabelscheiden mit der Größe des Fahrers in der Länge mit. Ein Ansatz, der erst durch die Scheibenbremsentechnologie ermöglicht wurde. Der maximale Niveauunterschied hierbei beträgt satte 180 Millimeter. Vor dem Rahmen finden diese dann im „Steerer Pivot Box“ genannten Bereich mit allem zusammen, was das Cockpit bildet: Basislenker, Extensions samt Aufnahmen, vier Bolzen, die das System zusammenhalten, sowie eine integrierte Box für Elektronik und Kleinteile. Eine der wesentlichen Ideen: Das Cockpit bleibt somit annähernd immer gleich nah am Athleten, egal wie groß dieser ist. Wird woanders der Drop, also die Überhöhung von Arm-Pads zu Satteloberfläche, maßgeblich mit Spacern am Aero-Lenker justiert, so funktioniert dies bei Kú Cycle in erster Linie über die Höhe – die Länge – der Gabel.

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Diese Konstruktion hat nach Angaben der Entwickler ganz wesentliche Vorteile: Neben einer steiferen Frontpartie und einem besseren – weil direkteren – Lenkverhalten, soll der Luftstrom laut Kú Cycle von vorn besser um den Fahrer und den weiteren Verlauf des Rades herumgeführt werden. Auffällig ist außerdem der massive Platz seitlich sowie in der Höhe zwischen Vorderrad und Gabelinnenseite.

Kú Cycle bietet den Rahmen nur in einer Größe an. Nämlich der individuell auf den Fahrer angepassten. Hintergrund: Das Unternehmen sieht den Bikefitter nicht als einen dem Kauf nachgelagerten Dienstleister, sondern setzt vorab auf die Daten aus einem Fitting, auf deren Basis der Rahmen dann auf Bestellung fertiggestellt wird. Bei der Fertigung in Taiwan werden hierzu Ober- sowie Unterrohr und der Sitz-Dom entsprechend zugeschnitten und dann miteinander verklebt und lackiert. Die Auslieferung (ausschließlich als Komplettrad) erfolgt dann wieder über den beteiligten Bikefitter. Für den deutschen Markt wird es hier in Kürze ein bis zwei autorisierte Bikefitter geben. Direkt für Endverbraucher oder ohne ein individuelles, initiales Bikefitting ist das TF1 nicht zu haben.

Sehr kompaktes Packmaß für Reisen

Interessant, vor allem bei den Vielfliegern unter den Triathleten: Das TF1 lässt sich extrem platzsparend verpacken, indem die Gabel samt Cockpit vom Rahmen gelöst und über das Unterrohr gestülpt wird. Das ermöglicht ein deutlich kleineres Packmaß und selbst inklusive der beiden Laufräder passt das Rad dann in eine eigene Box von Kú Cycle, die von außen gar nicht mehr nach Radkoffer aussieht und so das Übergepäck auf dem Weg ins Trainingslager oder zum Wettkampf deutlich günstiger macht. Ein interessantes Detail hierbei ist die Kupplung, mit der die hydraulische Bremsleitung werkzeuglos getrennt und beim Zusammenbau wieder zusammengesteckt werden kann. Wer dieses Jahr ordert, bekommt die Box kostenlos bei der Auslieferung des Rades im ersten Quartal 2021 dazu.

So viel Individualität hat natürlich ihren Preis und setzt zumindest am Anfang auch nicht auf große Stückzahlen: Das TF1 inklusive SRAM Force etap AXS Gruppe und Zipp Vuka Shift Extensions gibt es ab 10.999 Euro. Das Rahmenset gibt es auch separat und inklusive Lenker sowie Sattelstütze für 5.990 Euro.

Weitere Details zum TF1 gibt es auf der Seite des Herstellers.

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