Coros Dura 2 im Test: Großes Display, enorme Akkulaufzeit und neue Funktionen. Lohnt sich der Kauf?
Der erste Coros Dura sorgte vor allem mit zwei Eigenschaften für Aufmerksamkeit: einer enormen Akkulaufzeit und einem vergleichsweise günstigen Preis. Mit dem Dura 2 verabschiedet sich der Hersteller zumindest von einem dieser Alleinstellungsmerkmale. Statt 249 Euro für das Vorgängermodell inklusive Halterung werden für die zweite Generation nun 499 Euro fällig. Wer eine passende Halterung benötigt, landet bei 549 Euro. Der Verkaufsstart ist für den 3. November 2026 angekündigt.
Neues Design und deutlich größeres Display
Optisch hat der Coros Dura 2 mit seinem Vorgänger nur noch wenig gemeinsam. Das Gehäuse wirkt moderner und schlanker, während das deutlich größere Display einen wesentlich besseren Überblick über Trainingsdaten und Karten ermöglicht. Mit 3,5 Zoll bewegt sich der Dura 2 nun in einer Größenordnung, die auch für lange Trainingseinheiten und die Navigation auf unbekannten Strecken angenehmer ist. Coro setzt weiterhin auf ein stromsparendes MIP-Display, dessen Bildwiederholrate auf 38 Hertz erhöht wurde. Gerade bei der Darstellung von Karten und beim Wechsel zwischen Datenseiten sorgt das für eine flüssigere Bedienung. Bei direkter Sonneneinstrahlung funktioniert das Display überzeugend.
Die Datenfelder sind gut ablesbar, die Kartendarstellung ist übersichtlich und die Größe macht sich besonders dann bezahlt, wenn mehrere Informationen gleichzeitig angezeigt werden sollen. Schwieriger wird es bei wechselnden Lichtverhältnissen. Befindet sich das Display im Schatten, während die Umgebung hell ist, fällt die Darstellung dunkler aus als bei vergleichbaren Geräten. Das Display bleibt grundsätzlich lesbar, verlangt aber teilweise einen genaueren Blick. Das liegt daran, dass Coros die Akkulaufzeit priorisiert, während andere Hersteller mit einer stärkeren Displaybeleuchtung mehr Energie verbrauchen. Welche Lösung besser ist, hängt letztlich vom Einsatzzweck ab. Wer besonders lange unterwegs ist, dürfte den geringeren Energieverbrauch schätzen.
Bedienung: Neue Tasten mit Licht und Schatten
Eine der auffälligsten Veränderungen betrifft die Bedienung. Die drehbare digitale Krone des Vorgängers ist verschwunden. Stattdessen verfügt der Dura 2 über zwei seitliche Tasten und zwei druckempfindliche Bedienflächen unterhalb des Displays. Letztere befinden sich im Bereich des Solarpanels und übernehmen unter anderem das Wechseln zwischen Datenseiten. Der Vorteil dieser Konstruktion zeigt sich gerade jetzt wo es kälter wird und man mit Handschuhen unterwegs ist. Die Bedienflächen reagieren auf Druck und nicht auf eine Berührung. Somit funktionieren sie auch unter schwierigen Bedingungen recht zuverlässig. Lediglich die erforderliche Druckstärke verlangt etwas Eingewöhnung. Das haptische Feedback ist mit Handschuhen teilweise nicht spürbar. Ganz ohne Touchscreen kommt der Dura 2 allerdings nicht aus. Bestimmte Einstellungen sind ausschließlich über eine Wischbewegung auf dem Display erreichbar. Dazu gehören unter anderem die Displayhelligkeit, die Lautstärke und verschiedene Systemeinstellungen. Alles Einstellungen, die man während der Fahrt nicht unbedingt vornehmen muss.
Navigation: Gute Karten
Die Navigation gehört zu den wichtigsten Funktionen moderner Radcomputer. Hier hat Coros gegenüber dem ersten Dura grundsätzlich nachgebessert. Bereits geplante Strecken lassen sich auf das Gerät übertragen und anschließend mit Abbiegehinweisen abfahren. Auch akustische Ansagen gehören nun zum Funktionsumfang. Die Kartendarstellung überzeugt durch eine klare Struktur. Abzweigungen sind gut erkennbar und die verbleibende Distanz bis zum nächsten Richtungswechsel wird übersichtlich dargestellt. Rund 100 Meter vor einer Abbiegung erfolgt ein entsprechender Hinweis. Bei normalen Geschwindigkeiten reicht das in vielen Situationen aus, bei schnellen Abfahrten ist eine frühere Ankündigung durchaus besser. Der Dura 2 beherrscht eine Form der Offline-Neuberechnung, dafür muss allerdings weiterhin ein Smartphone verbunden sein. Eine vollständig eigenständige Routenberechnung direkt auf dem Gerät, wie sie etablierte Konkurrenten anbieten, ist noch nicht gegeben.
Sprachsteuerung und Fahrradklingel: Gute Ideen mit Verbesserungspotenzial
Mit dem integrierten Lautsprecher und Mikrofon eröffnet Coros zusätzliche Bedienmöglichkeiten. Dazu gehört eine Sprachsteuerung, mit der sich beispielsweise eine Aktivität starten, eine Navigation aufrufen oder eine Verpflegungserinnerung aktivieren lässt. In der Theorie könnte das gerade für Triathleten interessant sein. Schließlich wäre es ein Vorteil, wenn sich bestimmte Funktionen bedienen ließen, ohne die Aeroposition verlassen oder auf dem Display nach dem richtigen Menü suchen zu müssen.
In der Praxis fällt die Umsetzung allerdings fehlerhaft aus. Die Sprachsteuerung muss zunächst durch längeres Drücken einer Taste aktiviert werden. Anschließend versteht das System selbst einfache Befehle häufig nicht zuverlässig, bei Fahrtwind wird es noch schwieriger die richtigen Befehle an das Gerät zu übermitteln. Hinzu kommt der eingeschränkte Funktionsumfang. Sinnvolle Abfragen wie die verbleibende Streckenlänge oder die noch zu absolvierenden Höhenmeter sind nicht vorgesehen.
Besser funktioniert die elektronische Fahrradklingel, die durch doppeltes Antippen des Displays ausgelöst wird. Der Klang erinnert tatsächlich an eine klassische Fahrradklingel. Eine direkte Auslösung über zusätzliche Schalttasten am Lenker, wie sie bei anderen Radcomputern möglich ist, ist noch nicht vorhanden.
Akkulaufzeit: Die große Stärke bleibt erhalten
Die Akkulaufzeit ist das wichtigste Argument für den Coros Dura 2. Der Hersteller bewirbt weiterhin eine außergewöhnlich lange Betriebsdauer und nennt bis zu 120 Stunden ohne zusätzlichen Solarertrag. In Verbindung mit dem integrierten Solarpanel soll sich die Laufzeit unter günstigen Bedingungen noch einmal deutlich verlängern. Wie stark die Solarzellen tatsächlich helfen, hängt allerdings von den äußeren Bedingungen ab. Bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich der Energieverbrauch teilweise erheblich reduzieren. Bei Regen, dichter Bewölkung oder Dunkelheit entfällt dieser Vorteil weitgehend.
Selbst wenn die offiziellen Laufzeitangaben im praktischen Einsatz nicht immer erreicht werden, gehört die Ausdauer des Dura 2 weiterhin zu seinen größten Stärken. Gerade für Ultracycling, Bikepacking und lange Trainingstage ist das interessant. Für die meisten Triathleten dürfte die Laufzeit dagegen weit über dem liegen, was selbst für eine Langdistanz notwendig ist, hier müsste es schon ein Backyard sein, um den Dura 2 in die Knie zu zwingen.
Trainingsfunktionen und Sensoren
Auch bei der Trainingsanalyse hat Coros nachgelegt. Neu hinzugekommen sind unter anderem eine Leistungskurve, die Unterstützung von Reifendrucksensoren und überarbeitete Möglichkeiten zur Konfiguration der Datenseiten. Bei den Verbindungen unterstützt das Gerät sowohl ANT+ als auch Bluetooth. Herzfrequenzsensoren, Leistungsmesser, Radar, Fahrradbeleuchtung, elektronische Schaltungen und kompatible Smarttrainer lassen sich grundsätzlich einbinden. Damit bringt der Dura 2 viele Voraussetzungen mit, um als zentrale Trainingseinheit am Rennrad oder Zeitfahrrad eingesetzt zu werden.
Nach dem neusten Update sind mehrerer Fahrradprofile, eine Erweiterung auf bis zu 32 Sensoren sowie zusätzliche Auswertungen der Herzfrequenzerholung. Auch die Kompatibilität mit elektronischen Campagnolo-Schaltungen soll noch folgen.
GPS-Genauigkeit: Hier gibt es wenig zu kritisieren
Die aufgezeichneten GPS-Strecken zeigten eine hohe Genauigkeit. Die Positionsdaten lagen weitgehend auf dem Niveau des parallel verwendeten Garmin-Gerätes. Auch die Höhenmessung lieferte überzeugende Ergebnisse. Damit erfüllt der Dura 2 eine seiner grundlegenden Aufgaben zuverlässig: Geschwindigkeit, Strecke, Position und Höhenprofil werden präzise aufgezeichnet.
Preis und Ausstattung: Premiumanspruch
Die vielleicht größte Herausforderung für Coros ist die neue Preisgestaltung. Mit 499 Euro ohne Halterung und 549 Euro mit Halterung bewegt sich der Dura 2 in einer Klasse, in der Kunden nicht nur ein großes Display und eine lange Akkulaufzeit erwarten dürfen. Mit kleineren Schwächen wie der Sprachsteuerung und des teilweisen hackeligen Reroutings ist hier noch Luft nach oben. Ebenso ist der Lieferumfang bei dem Preis mit einem Fragezeichen versehen. Coros verzichtet vollständig auf eine Fahrradhalterung. Nicht einmal eine einfache Gummibandhalterung liegt bei. Immerhin verwendet das Gerät den verbreiteten Garmin-Vierteldrehverschluss, sodass viele bereits vorhandene Halterungen kompatibel sind. Für einen Radcomputer dieser Preisklasse bleibt der Verzicht dennoch schwer nachvollziehbar. Gleichzeitig muss sich der Dura 2 nun mit Geräten messen lassen, die bereits über Jahre gereift sind. Das gelingt aktuell nicht in allen Bereichen.
Fazit: Starker Akku, aber noch kein überzeugender Angriff auf die Oberklasse
Der Coros Dura 2 ist ein Radcomputer mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite stehen das gelungene Design, das große Display, die präzise GPS-Aufzeichnung und vor allem die beeindruckende Akkulaufzeit. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem interessanten Begleiter für lange Ausfahrten und mehrtägige Unternehmungen. Auf der anderen Seite stehen Probleme, die bei einem Gerät dieser Preisklasse nicht auftreten sollten. Die ab und an unzuverlässige Neuberechnung von Routen und die kaum nutzbare Sprachsteuerung trüben den Gesamteindruck ein wenig. Ebenso kann die Größe des Radcomputers für den ein oder anderen auf dem TT-Bike etwas zu groß sein und im Cockpit für ein Engegefühl sorgen. Coros ist jedoch dafür bekannt ihre Geräte auch nach dem Release weiter zu entwickeln. Sollten sie die Probleme mit Updates beheben können, so ist der Dura 2 ein echtes Schmuckstück.