NEU! triathlon-News Ausgabe vom 17. Oktober, 18:03 Uhr · 1:05 Min · Kurzfassung

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Coach Philipp Seipp – Mit Zahlen und Zuneigung

Ein frühsommerlicher Abend Mitte Mai in Neckargemünd, rund zehn Kilometer fluss­aufwärts von Heidelberg: Bei knapp 20 Grad Wassertemperatur zieht Laura Philipp im Neoprenanzug im Schwimmbad noch ein paar Bahnen. Ausschwimmen nach einem langen Trainingstag und zum ersten Mal in diesem Frühjahr das Wasser im Terrassen-Freischwimmbad antesten. Möglich macht dies eine Sondergenehmigung für Profisportler des Landes Baden-Württemberg. Die Außentemperatur verzeichnet kurz nach 19 Uhr ­einen ähnlichen Wert wie das Wasser des Beckens, das der Bademeister extra für das erste Testschwimmen für vier Stunden beheizt hat, damit ­Philipp beste Bedingungen vorfindet. „Auf Bahn zwei werden die Weltrekorde geschwommen“, scherzt er mit breitem kurpfälzischem Singsang, während seine junge Schäferhündin einem schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogenen Fußball auf der Liegewiese hinterherjagt. Nach ein paar Minuten Small Talk sind Philipp und ihr Trainer Philipp Seipp wieder unter sich und besprechen die letzten sportlichen Akzente des Tages im Schwimmbecken. Seipp ist nicht nur Trainer und Ehemann von Philipp, sondern auch Manager und Mentor – und an diesem Abend bei bestem Licht am Beckenrand auch noch Social-Media-Beauftragter, der ein paar kurze Videos seiner Athletin mit dem Handy macht. Die sind wenig später auf dem Instagram-Kanal eines Sponsors zu sehen. Dort hat sie an diesem Tag die „Regie“ geführt und mit Videos und Fotos Einblicke in ihren Trainings­alltag gewährt. „Manchmal muss ich auch darum kämpfen, dass ich meine Position als Trainer wieder in ausreichendem Maße habe“, sagt Seipp. 

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Dass der 35-Jährige als Trainer und eben manchmal auch als ­Tausendsassa am Beckenrand steht und damit seine Brötchen verdient, ist bis vor ­einigen Jahren nur ansatzweise absehbar. Seipps ursprüngliche Berufung ­brachte ihn als Gymnasiallehrer für Sport und Deutsch ins Klassenzimmer. Trainingslehre und Textanalyse mit Verbeamtung auf Lebenszeit. Für viele ein Traum von beruflicher und finanzieller Absicherung, für Seipp jedoch eher ein Gefängnis. „Ich war und bin sehr gern Lehrer, weil ich gern mit Menschen zusammenarbeite“, sagt der gebürtige Hesse. Doch nicht nur die Gebäude selbst, auch die Arten des Unterrichtens seien in vielen Fällen noch immer so wie vor Jahren. Wenig Platz für Innovationen oder Querdenker. Für Seipp ist einige Jahre nach seinem zweiten Staatsexamen klar, dass er in diesem System auf Dauer nicht glücklich werden wird. „Im Sport-Abitur sind einige Unterrichtsinhalte so überaltert, dass sie heutzutage auf jeden Fall falsch sind. Ich habe meinen Schülern dann den neuesten Stand der Wissenschaft beigebracht, in der Prüfung aber dem System entsprechend die alten Inhalte abgefragt“, sagt Seipp. Nachdem der Sport und die Betreuung seiner Athletin und Partnerin Laura Philipp immer mehr Raum und Zeit in Anspruch nimmt und die Zusammenarbeit auch erste sichtbare Früchte trägt, reduziert Seipp die Stunden am Gymnasium. Eine „normale“ Woche in den Herbstferien sieht zu diesem Zeitpunkt dann mitunter auch schon mal so aus: Flug nach ­Hawaii zur Xterra-Weltmeisterschaft am ­Freitag, Ankunft auf Maui am ­Samstag, ein dritter Platz von Laura Philipp am Sonntag, Rückflug nach Europa ­einige Tage später, kurzer Zwischenstopp bei den ­Erdinger-Team-Days und pünktlich zum Beginn der neuen Woche am ­Montag wieder zurück im Klassenzimmer. Nach der Ironman-70.3-WM in Chattanooga 2017, bei der Philipp ebenfalls der Sprung aufs Podium gelingt, ist es noch enger. „Nachdem ich um sechs Uhr morgens am Flughafen angekommen war, stand ich zwei Stunden später wieder im Klassenzimmer“, sagt Seipp. Rücksichtnahme auf seine Co-Existenz als Trainer habe es nicht gegeben. „Lehrer mit Familie und Wohneigentum haben Vorrang und bestimmen die Belegung der Stunden. Ich musste immer in den Morgenstunden und am Nachmittag arbeiten“, sagt Seipp. Das wiederum führt unter anderem Ende 2018 zum endgültigen Cut: Nach fünf Jahren gibt Seipp seine Verbeamtung auf Lebenszeit auf und wird voll und ganz Trainer­. 

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Nach welchen Prinzipien Philipp Seipp als Trainer arbeitet, warum er nicht jede technische Neuheit dabei integriert, wie groß der Spagat auch zwischen dem Trainerdasein und dem Leben als Ehemann zusammen mit Laura Philipp ist und wie sich um ihn herum die „Seipp-Squad“ entwickelt hat: Das ausführliche Porträt über den 35-Jährigen gibt es in der triathlon 181.

Die Themen der Ausgabe im Überblick

  • Hitze-Special: Mit diesen Tipps kommt ihr gut durch den Sommer
  • Heldenparade: Impressionen vom ersten Event von power & pace
  • Community Clash: Ärger um die Abwicklung abgesagter Wettkämpfe
  • Philipp Seipp: Der Coach von Philipp und Kienle im Porträt
  • Hawaii 2021: Chancen und Risiken der doppelten Ironman-WM
  • Powermeter fürs Radfahren: Die große Kaufberatung
  • Laufbekleidung: Shirts und Shorts im Praxistest
  • Felt IA Advanced: Die „Agegroup-Version“ von Ryfs Titelmaschine im Test
  • Intensität im Triathlontraining: Das sagt die aktuelle Forschung
  • power & pace: Die Trainingspläne für den Monat Juli

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Marvin Weber
Marvin Weberhttp://marvinweber.com/
Marvin Weber ist Multimedia-Redakteur bei triathlon: Neben Artikeln fürs Magazin und die Homepage ist der gebürtige Siegerländer auch immer auf der Suche nach den besten Motiven für die Foto- und Videokamera. Nach dem Umzug in die neue geliebte Wahlheimat Hamburg genießt er im Training vor allem die ausführlichen Ausfahrten am Deich.

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