Welche Carbon-Racer sind die schnellsten? Die Ironman-70.3-WM zeigt, auf welche Laufschuhe die Profis setzen und welche Modelle die schnellsten Laufsplits liefern.
Wer bei einer Ironman-70.3-Weltmeisterschaft um Sekunden kämpft, überlässt auch bei den Laufschuhen wenig dem Zufall. Carbonplatten gehören längst zum Standard, doch beim Aufbau der schnellsten Racer gehen die Hersteller unterschiedliche Wege. Gewicht, Geometrie, Plattenkonstruktion und vor allem die immer leistungsfähigeren Schäume entscheiden darüber, wie aggressiv ein Schuh nach vorn treibt und wie effizient er sich nach 90 harten Radkilometern noch laufen lässt.
Die 70.3-WM liefert deshalb einen spannenden Blick auf den aktuellen Stand des Wettrüstens. On, Puma, Salomon, Hoka, New Balance und Asics schicken ihre schnellsten Modelle ins Rennen. Dazu drängt mit Xtep eine chinesische Marke in den internationalen Triathlon und will sich auch auf der großen Bühne gegen die etablierten Hersteller behaupten. Mit Adidas und Nike sind jedoch zwei etablierte Marken kaum bei den Profis vertreten. Dies könnte auch damit in Verbindung stehen, dass Nike, das Unternehmen, welches den Carbon-Schuh populär gemacht hat, zwei Modelle im Sortiment hat, die bereits drei und sogar vier Jahre alt sind. Mit dem Alphafly 4 steht schon seit Längerem ein Modell in den Startlöchern, das dafür sorgen könnte, dass Nike auch wieder mehr Einzug bei den Profis findet. Die Orientierung der gesichteten Schuhe geht in die Richtung des Puma Fast-R 3, zumindest was die über die Zehenbox gerichtete Carbonplatte angeht.
Doch welcher Profi vertraut auf welchen Schuh? Welches Modell steckte beim schnellsten Laufsplit an den Füßen? Und welche Athleten waren sogar schon mit Prototypen unterwegs, die einen Vorgeschmack auf die nächste Generation der Carbon Racer geben? Wir werfen einen Blick auf die schnellsten Schuhe der 70.3-Weltmeisterschaft.
On Cloudboom Strike 2 / Cloudboom Strike 2 LS
Wenn es bei der 70.3-WM einen Schuh gab, der bei den Laufsplits besonders auffiel, dann war es der On Cloudboom Strike 2. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern waren die jeweils zwei schnellsten Läuferinnen und Läufer mit dem neuen Racer unterwegs: Kristian Blummenfelt und Jelle Geens bei den Männern sowie Julie Derron und Solveig Løvseth bei den Frauen. Dabei kamen sowohl die klassische Schnürversion als auch die auffällige LightSpray-Variante zum Einsatz.
Gegenüber dem ersten Cloudboom Strike hat On den Schuh deutlich weiterentwickelt. Im Zentrum steht weiterhin eine sehr weiche und reaktive Dämpfung, während die Konstruktion konsequent auf geringes Gewicht und hohe Energierückgabe ausgelegt ist. Besonders auffällig ist die LightSpray-Version, deren hauchdünnes, direkt aufgesprühtes Obermaterial einen klassischen Schaft praktisch überflüssig macht. Die Konstruktion spart Gewicht und umschließt den Fuß beinahe wie eine zweite Haut.
Für den Triathlon ist allerdings ein anderes Detail mindestens genauso interessant. Bei der ersten LightSpray-Generation war das Anziehen alles andere als unkompliziert. Gerade in T2, wenn jede Sekunde zählt, konnte der sockenartige Einstieg zum Geduldsspiel werden. Beim Cloudboom Strike 2 LightSpray fällt die Konstruktion im Einstiegsbereich flacher und zugänglicher aus. Damit wird das Konzept deutlich triathlontauglicher.
Die Kehrseite des extrem reduzierten LightSpray-Obermaterials bleibt die kaum vorhandene Möglichkeit, die Passform individuell anzupassen. Wer mit der vorgegebenen Form harmoniert, bekommt einen sehr leichten und direkten Sitz. Wer mehr Anpassbarkeit benötigt, dürfte mit der klassischen Schnürversion besser beraten sein. Wahrscheinlich auch der Grund, warum On den Cloudboom Strike 2 in beiden Varianten anbietet. Dabei spannend zusehen ist, dass nicht nur die Mittel- und Langdistanz-Athletinnen und -Athleten auf On Schuhe setzen, sondern neuerdings auch die Kurzdistanz-Europameisterin Jeanne Lehair.