In einem spannenden und am Ende dramatischen Rennen sichert sich Taylor Knibb erstmals den Titel als Ironman-Weltmeisterin. Nach einer starken Aufholjagd landet Laura Philipp auf Platz zwei. Zuvor musste Lucy Charles-Barclay im Energy Lab entkräftet aussteigen. Vorjahressiegerin Solveig Løvseth war in Führung liegend wenige Meter vor dem Ziel zusammengebrochen.
Das Frauenrennen der Ironman-WM auf Hawaii war an Dramatik kaum zu überbieten. Beim Triumph der US-Amerikanerin Taylor Knibb, die nach einem insgesamt kontrollierten Auftritt nach 8:36:29 Stunden ins Ziel kam, zeigte sich einmal mehr: Das Rennen ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Laura Philipp kam nach einem schwierigen Schwimmen und einem starken Radfahren mit einer imposanten Aufholjagd auf Rang zwei (8:39:34 Stunden) und sicherte sich damit den Gesamtsieg in der Ironman Pro Series. Dritte wurde Julie Derron in 8:46:25 Stunden.
Zuvor hatte Mitfavoritin Lucy Charles-Barclay im Energy Lab den körperlichen Strapazen Tribut zollen und auf Rang drei liegend aussteigen müssen. Anschließend entwickelte sich ein dramatisches Finale, bei dem Vorjahressiegerin Solveig Løvseth keine 1.000 Meter vor dem Ziel in Führung liegend zu taumeln begann, ehe sie zu Boden stürzte und zunächst nichts mehr ging. Am Ende erholte sich die Norwegerin noch und ging unter dem frenetischen Jubel der Zuschauer gemächlich als Achte über die Ziellinie (9:02:09 Stunden).
Torpedo-Start von Lucy Charles-Barclay
Mit einem wahren Torpedo-Start hatte Lucy Charles-Barclay die Konkurrentinnen zunächst im Wasser kalt erwischt. Die Britin zog mit den ersten starken Zügen direkt vorneweg. Auf diese Ouvertüre war offenbar keine Konkurrentin vorbereitet, sodass niemand folgen konnte. Laura Philipp, Weltmeisterin von 2024 in Nizza, erwischte keinen guten Start und verpasste die Verfolgergruppe, die sich hinter Charles-Barclay formierte. Nach der Hälfte der Schwimmstrecke lag die Britin bereits 45 Sekunden vor den Verfolgerinnen Marta Sanchez (ESP) und Taylor Knibb (USA). Rund eine Minute hinter der Britin folgte eine größere Gruppe mit Solveig Løvseth. Laura Philipp lag an der Stelle rund vier Minuten zurück.
Konkurrentinnen halten Rückstand in Grenzen
Nach 51:29 Minuten über die 3,8 Kilometer kam Charles-Barclay als Erste aus dem Wasser. Aufgrund der schwierigen Bedingungen mit starkem Wellengang blieb der 2018 von ihr selbst aufgestellte Schwimmstreckenrekord von 48:14 Minuten unerreichbar. 1:45 Minuten nach der Britin kam die Verfolgergruppe mit der Zweitplatzierten Taylor Knibb, Julie Derron (SUI) als Siebter und Hannah Berry (NZL) direkt dahinter in die erste Wechselzone. Vor allem der Vorsprung auf die starke Radfahrerin aus den USA erschien nicht besonders komfortabel.
Mitfavoritinnen verlieren Zeit
Mitfavoritin Katrina Matthews ging auf Rang zwölf mit einem Rückstand von 3:27 Minuten auf die Radstrecke, Solveig Løvseth folgte als 14. eine halbe Minute später. Mit einer Hypothek von 8:34 Minuten kam Laura Philipp als 30. aus dem Wasser, um die 180 Radkilometer in Angriff zu nehmen.
Ohne Zeitfahrhelm
Auf dem Rad drückte Taylor Knibb von Beginn an richtig auf das Pedal, hatte nach 20 Kilometern bereits eine Minute auf die Führende gutgemacht und kam wenig später in Sichtweite. Auffällig: Knibb, US-amerikanische Meisterin im Einzelzeitfahren, war aufgrund der erwarteten Hitze ohne Zeitfahrhelm unterwegs, sondern setzte auf einen aerodynamischen Straßenhelm. Auch Katrina Matthews machte leicht Zeit auf Lucy Charles-Barclay gut. Laura Philipps Abstand blieb derweil weitestgehend konstant, allerdings arbeitete sich die 39-Jährige Platz um Platz nach vorn.
Führungswechsel auf dem Rad
Nach rund 50 Kilometern zog Knibb schließlich an Lucy Charles-Barclay vorbei und übernahm die Führung. Dahinter hielt sich ein Duo aus der Schweiz auf. Julie Derron und Imogen Simmonds mit einem Abstand von rund zwei Minuten. Die beiden Führungsduos fuhren zunächst jeweils konstant zusammen, während Katrina Matthews, Solveig Løvseth und Laura Philipp weiter hinten im Feld nicht zu sehr an Boden verloren.
Feld zieht sich auseinander
Vorn im Feld entwickelten sich langsam Abstände. Nach 90 Kilometern und 2:15:31 Stunden im Sattel machte sich Taylor Knibb als erste Athletin auf den Rückweg. Lucy Charles-Barclay durchfuhr den Wendepunkt eine Minute später. Es folgten Simmonds (2:45 Minuten zurück) und Derron (3:34 Minuten Abstand). Løvseth und Matthews erreichten Hawi 6:30 Minuten nach Knibb. Philipp hatte als 15. rund 10 Minuten aufgebrummt bekommen, arbeitete sich anschließend aber nahezu durch das Feld nach vorn.
Abwechslung an der Spitze
Taylor Knibb allerdings konnte oder wollte sich anschließend nicht weiter absetzen. So schloss Lucy Charles-Barclay wieder auf, während auch die nachfolgenden Athletinnen näherkamen und sich Løvseth ein wenig von Matthews absetzte. Julie Derron erhielt unterdessen eine Zeitstrafe. Das Führungsduo wechselte sich in dieser Phase mit der Arbeit an der Spitze ab.
Norwegerin arbeitet sich nach vorn
Bis zum Ende der 180 Kilometer dauerte der gemeinsame Ausflug aber nicht. Charles-Barclay verlor auf der zweiten Hälfte der Radstrecke den Anschluss an Knibb, lag nach 150 Kilometern 1:42 Minuten hinter der US-Amerikanerin. Hinter den beiden kam ebenfalls Bewegung ins Feld. Hinter Simmonds, die 2:50 Minuten Abstand zur Spitze hatte, positionierte sich bereits eine Minute später Hannah Berry. Eine knappe Minute dahinter folgten die Kanadierin Paula Findlay und die Österreicherin Lisa Perterer. Solveig Løvseth hatte als Siebte 5:42 Minuten Rückstand, arbeitete sich aber weiter nach vorn.
Katrina Matthews wird durchgereicht
Während Julie Derron mittlerweile mit 7:49 Minuten Rückstand auf Rang acht lag. Nach 4:30 Stunden Rennzeit war Philipp förmlich an Matthews vorbeigeflogen und hatte wenig später auch Lotte Wilms stehengelassen, sodass sie zur 150-Kilometer-Marke als Zehnte 9:51 Minuten hinter der Spitze herfuhr. Und Katrina Matthews? War unterdessen auf Platz 14 durchgereicht worden. Ihr Rückstand: satte 12:32 Minuten.
Laura Philipp mit 10-Minuten-Rückstand
Ganz vorn tat sich vor dem zweiten Wechsel nicht mehr viel. Knibb erreichte Kona nach 4:40:07 Stunden auf dem Rad als Erste und war bereits 3:06 Minuten aus dem Sattel, als Lucy Charles-Barclay die Dismount-Linie erreichte. Direkt dahinter hatte sich bereits Solveig Løvseth geschoben, die als Dritte 4:48 Minuten Abstand hatte. Innerhalb von jeweils zehn Sekunden folgten Simmonds und Berry. Laura Philipp ging als Zehnte (Radzeit: 4:43:00 Stunden) auf den Marathon – 9:52 Minuten nach der Spitze. Katrina Matthews hatte ordentlich Zeit eingebüßt und reihte sich mit 17:11 Minuten Rückstand auf Rang 14 ein.
Führungstrio im Gleichschritt
Die ersten Kilometer in der dritten Disziplin deuteten bereits an, dass es ein spannender Marathon werden würde. Das Führungstrio ging den Lauf mit einer Pace knapp unter 4 Minuten pro Kilometer an. Während der Abstand zwischen Knibb und Charles-Barclay auf den ersten zehn Kilometern konstant blieb, pirschte sich Solveig Løvseth sukzessive heran. Laura Philipp konnte leicht Zeit gutmachen und lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf Position acht. Die Deutsche schickte sich an, die vor ihr postierten Verfolgerinnen des Spitzentrios ins Visier zu nehmen.
Kein Konter von Lucy Charles-Barclay
Lucy Charles-Barclay schaffte es nicht, den Angriff von Solveig Løvseth abzuwehren und musste die Norwegerin und Ironman-Weltmeisterin von 2025 kurz nach 15 Kilometern vorbeiziehen lassen. Ein Konter blieb aus. Für Laura Philipp geriet jetzt sogar das Podium in Reichweite: Nach Hannah Berry konnten auch Julie Derron und Imogen Simmonds dem Tempo der Deutschen nichts entgegensetzen. Leichtfüßig spulte die 39-Jährige die Kilometer ab. Zur Halbzeitmarke des Marathons waren es keine 5 Minuten Rückstand mehr auf Lucy Charles-Barclay. Es war angerichtet für eine spannende Schlussphase.
Déjà-vu im Energy Lab
Erinnerungen wurden wach an dramatische Szenen, als Taylor Knibb und Lucy Charles-Barclay im vergangenen Jahr jeweils den Bedingungen Tribut zollen und aufgeben mussten. Wie würde es in diesem Jahr ausgehen? Tatsächlich: Die Britin taumelte – wie schon 2025 – im Energy Lab und musste aussteigen. Laura Philipp zog vorbei auf Rang drei.
Vorentscheidung an der Spitze?
Knibb kämpfte um ihren Vorsprung, den die Titelverteidigerin sukzessive abbaute. Nach 30 Kilometern lag nur noch rund eine Minute zwischen den beiden. Als Løvseth vier Kilometer später an der US-Amerikanerin vorbeizog, versuchte Knibb noch zu kontern, musste aber schnell abreißen lassen. Die Norwegerin strebte scheinbar ihrem zweiten Titel in Serie entgegen. Keine sechs Minuten lag Laura Philipp zu diesem Zeitpunkt hinter Knibb, die vereinzelt Gehpausen einstreute, um sich zu erholen. Selbst Rang zwei war für die Deutsche, die weiter rhythmisch und dynamisch ihre Schritte auf den Asphalt brachte, noch in Reichweite.
Dramatisches Finish
Die Dramatik hatte noch kein Ende: Auf den letzten Metern taumelte auch Solveig Løvseth, blickte sich um und musste sich sogar kurzzeitig setzen, ehe sie weiterging. Die Norwegerin stürzte anschließend zu Boden. Taylor Knibb zog einen Kilometer vor dem Ziel an Løvseth vorbei, die immer wieder versuchte aufzustehen und in Richtung Ziel zu gehen. Sie schaffte es zunächst nicht. Laura Philipp lief auf Rang zwei, während die Norwegerin vollkommen entkräftet auf dem Boden lag und weitere Konkurrentinnen vorbeiziehen lassen musste. Hinter Julie Derron als Dritte kämpfte sich Katrina Matthews als Vierte ins Ziel. Am Ende kam Løvseth als Achte über die Ziellinie. Gehend. An Laufen war nicht mehr zu denken. Immerhin: Die 27-Jährige hatte zu diesem Zeitpunkt wieder ein Lächeln im Gesicht und wurde von den Zuschauern wie eine Siegerin gefeiert.
Taylor Knibb fasste das Rennen knapp zusammen: „Es war so hart. Ich habe nur gedacht, pass auf dich auf, wenn es hart wird. Als Solveig mich überholt hat, dachte ich, dass ich da nicht mithalten kann. Ich wollte einfach irgendwie ins Ziel kommen. Es gab echt üble Momente auf der Strecke, aber es ist ein Traum wahr geworden.“
Ergebnisse: Ironman World Championship Hawaii
Die aktuellen Ergebnisse erscheinen hier in Kürze.