Triathleten beim TÜV:
Warum der sportmedizinische Check-up vor dem Saisonstart dazugehört

Egal, welches Ziel Sie verfolgen – zu Beginn jedes Trainings sollte ein sportmedizinischer Check-up stehen, insbesondere mit den Fragestellungen: Bin ich für diese Art der sportlichen Belastung überhaupt geeignet? Und habe ich körperliche Schwachstellen, auf die ich besonders achten muss?

Hand aufs Herz: Waren Sie schon mal beim Arzt, obwohl Sie keine Beschwerden hatten? Bei Ausdauersportlern stehen ja eher Überlastungsprobleme als akute Verletzungen im Vordergrund, weshalb Stressfrakturen, Läuferknie, Achillessehnenschmerzen & Co. zu den häufigsten Gründen gehören, warum Triathleten einen Arzt konsultieren. Hierbei steht die Frage im Vordergrund: „Was muss ich tun, um möglichst schnell wieder beschwerdefrei mein Training aufnehmen zu können?“ Oft kommt erst nach einer länger andauernden Verletzung die Einsicht, dass anfällige Körperteile spezieller präventiver Maßnahmen bedürfen, um weitere Zwangspausen zu vermeiden. Doch so weit muss es erst gar nicht kommen, wenn Sie frühzeitig eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen und sich auf Herz und Nieren testen lassen.

Vor dem Sport zum Arzt

Eine Untersuchung beim Sportarzt ist für jeden sinnvoll, der sich regelmäßig sportlich betätigt – egal ob Breitensportler, ambitionierter Hobby- oder Leistungssportler. Insbesondere empfiehlt sich ein solcher Check-up für Sport-Neulinge, für Wiedereinsteiger nach längere Sportpause, für Menschen ab 45 sowie bei bereits bestehenden Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck oder Arthrose. Stellen Sie sich vor, jemand mit Übergewicht fängt an zu laufen mit dem Vorsatz, Gewicht von Bord zu werfen. Nach einiger Zeit bekommt er solche Schmerzen in den Knien, dass er sich kaum noch bewegen kann. Ihm geht es schlechter als vorher – und abgenommen hat er auch kein Gramm. Hätte er sich vor Aufnahme des Trainings bei einem Fachmann vorgestellt und untersuchen lassen, so hätte der ihm sicher als Einstieg zunächst eine Sportart wie Schwimmen oder Radfahren empfohlen, die deutlich schonender für die gewichtstragenden Kniegelenke ist als das Laufen. Richtig gefährlich kann die Aufnahme einer sportlichen Betätigung ohne vorherige Arztvorstellung bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden – denn leider gibt es immer wieder Fälle von plötzlichem Herztod bei Sportlern. Hier zeigen neuere Studien, dass das kardiale Risiko durch eine sportärztliche Vorsorgeuntersuchung signifikant gesenkt werden kann.

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Kein Start ohne Attest

Für zahlreiche Ausdauer-, Triathlon- und Extremsportevents im Ausland, beispielsweise in Frankreich und Italien, benötigen die teilnehmenden Athleten mittlerweile verpflichtend ein ärztliches Attest, aus dem hervorgeht, dass der Sportler den entsprechenden Anforderungen aus medizinischer Sicht gewachsen ist. Und auch in Deutschland gibt es immer mehr Vereine und Verbände, die sich absichern möchten und sich ein solches ärztliches Gutachten vorlegen lassen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gibt seinen Kaderathleten vor, sich einmal jährlich in speziell zertifizierten Untersuchungszentren durchchecken zu lassen. Letztlich sollte jedoch die Gesundheit unabhängig von Vorschriften und verlangten Bescheinigungen jedem selbst wichtig genug sein, um sich aus eigenem Antrieb darum zu kümmern. Dies vor dem Hintergrund des Ziels einer sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchung: Krankheiten und Risikofaktoren erkennen, die gegebenenfalls bei Ausübung sportlicher Tätigkeit gefährlich werden können – und damit insgesamt das gesundheitliche Risiko mindern.

Verschiedene Fachgebiete

Ein kompletter sportmedizinischer Check-up besteht aus insgesamt fünf Teilen: Anamnese, körperliche Untersuchung, Labortest, apparative Untersuchungen und Belastungsuntersuchung. Am Anfang steht immer das ausführliche Gespräch mit dem Arzt. Hierbei geht es zum einen um Ihre bisherige Krankengeschichte und aktuell bestehende Beschwerden, aber auch um Ihre bisherigen sportlichen Tätigkeiten, Ihr derzeitiges Trainingspensum sowie Ihre sportlichen Ziele. Es folgt eine internistische und orthopädische körperliche Untersuchung. Hierbei achtet der Sportarzt zum Beispiel auf Schwellungen, Entzündungen oder Narben und andere Hautveränderungen, Achsabweichungen der Beine und der Wirbelsäule sowie Auffälligkeiten im Gangbild oder bei diversen Bewegungstests. Er hört zudem das Herz und die Lungen ab und testet die Beweglichkeit der verschiedenen Gelenke, die Kraft der Arm- und Beinmuskeln sowie die Reflexe. Dadurch kann sich Ihr Sportarzt bereits einen sehr guten Eindruck über Ihre körperliche Verfassung und gegebenenfalls vorliegende Beeinträchtigungen machen.

Blutuntersuchung Blutbild Blutabnahme
Alexander Egizarov | Dreamstime.com Wichtiger Bestandteil des jährlichen Check-ups: die Untersuchung des Bluts.

Auch eine Blut- und Urinuntersuchung im Labor gehört zu einer sportmedizinischen Untersuchung dazu. Hierbei werden diverse Parameter bestimmt, die auf bestimmte Krankheiten oder Fehlfunktionen bestimmter Organe hindeuten können bzw. wichtig für eine körperliche Belastung sind. Dazu gehören zum Beispiel Glukose und Hba1c (als Indikatoren für einen vorliegenden Diabetes), Schilddrüsenhormone (Über-/Unterfunktion), Eisen und Ferritin (Eisenmangelsyndrom), CRP und Leukozyten (Entzündungen), Harnsäure und Kreatinin (Nierenfunktion), Leberenzyme (Leberfunktion) und Kreatinkinase (Muskelstoffwechsel). Zu den apparativen Untersuchungen in Ruhe gehören die Blutdruck- und Herzfrequenzmessung, die EKG-Ableitung, die Körperfettbestimmung sowie der Lungenfunktionstest (siehe Checkliste). Sollte es Hinweise auf Muskel- oder Gelenkprobleme, Beschwerden im Bauchraum oder Auffälligkeiten der Herzfunktion geben, schließt sich entsprechend eine Ultraschalluntersuchung des Bewegungsapparats, der Bauchorgane (Sonographie) oder des Herzens (Echokardiographie) an.

Jetzt wird es sportlich

Herzstück einer jeden Untersuchung beim Sportmediziner ist die Belastungsuntersuchung auf dem Laufband oder Fahrradergometer. Diese lässt sich – insbesondere interessant für Triathleten – sehr gut mit einer Leistungsdiagnostik verbinden. Dabei werden Ihnen EKG-Elektroden und eine Blutdruck­manschette angelegt, entweder über eine Maske Ihre Atemgase aufgezeichnet (Spiroergometrie) oder per Blutentnahme aus dem Ohrläppchen Ihre Milchsäurebildung (Laktatleistungstest) festgehalten, während Sie nach einem im Vorfeld festgelegten Protokoll so lange laufen oder strampeln, wie Sie können.

Auf Basis der Befunde kann der Sportarzt nicht nur Ihren Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit Ihres Herz-Kreislauf-Systems beurteilen, sondern Ihnen auch einen optimal auf Sie abgestimmten Trainingsplan ausarbeiten. So können Sie künftig noch effektiver trainieren und haben durch die Empfehlungen aus der orthopädischen Untersuchung zudem Übungen für ein begleitendes Work-out an der Hand, um gezielt Ihre Schwachstellen zu stärken – dadurch werden Überlastungsbeschwerden Sie auch so schnell nicht mehr vom Training abhalten.

Checkliste

  • Der Blutdruck ist der Druck des Bluts in einem Blutgefäß und direkt abhängig von der Herzleistung und dem Gefäßwiderstand. Er wird mithilfe einer Manschette am Oberarm und einem Stethoskop gemessen.
  • Die Herzfrequenz bezeichnet die Anzahl der Schläge des Herzens innerhalb einer Minute. In der Regel stimmt die Herzfrequenz mit der Pulsfrequenz überein. Diese wird über eine Pulsuhr, ein EKG oder durch direktes Tasten des Pulses am Hals oder Handgelenk bestimmt.
  • Vereinfacht ausgedrückt, besteht der Mensch aus Wasser, fettfreiem Gewebe und Fett. Gängige Methoden zur Körperfettbestimmung in der Praxis sind die Kalipermetrie, die Bioimpedanzanalyse (BIA) sowie die Messung mittels hochwertiger Körperfettwaagen.
  • Bei der Spirometrie misst der Arzt Ihr Lungen- und Atemvolumen sowie die Luftflussgeschwindigkeit. Anhand dieser Parameter ist eine Aussage über die Funktion Ihrer Lungen möglich. Sie müssen dafür über ein Mundstück in ein geschlossenes Behältnis ein- und ausatmen.
  • Das Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet die Summe der elektrischen Aktivitäten Ihrer Herzmuskelfasern auf. Zur Ableitung des EKGs klebt der Arzt Ihnen Elektroden an die Brust sowie an Arme und Beine, die über Kabel mit einem EKG-Gerät verbunden sind.

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