Kienle wird Dritter, Lange steigt aus:
Jan Frodeno gewinnt Ironman Hawaii mit Streckenrekord

Jan Frodeno hat den Ironman Hawaii 2019 gewonnen und dabei einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Damit ist er der erste Deutsche, der den Ironman Hawaii dreimal gewinnen konnte. Sebastian Kienle landete nach einer starken Vorstellung auf Platz drei.

Der 43. Ironman Hawaii begann im Männerrennen direkt bei der Auftaktdisziplin mit einer kleinen Überraschung: Eine relativ große Spitzengruppe mit neun Athleten setzte sich schnell vom Rest des Feldes ab und distanzierte die erste Verfolgergruppe auf den 3,8 Kilometer im Pazifik um 3:20 Minuten. Nachdem Josh Amberger (AUS) im Vorfeld ankündigte, den Schwimmrekord von Jan Sibbersen (46:29 Minuten) angreifen zu wollen, wurde vermutet, dass er zusammen mit Alistair Brownlee (GBR), Daniel Baekkegard (DNK) und maximal noch eins bis zwei weiteren Athleten wegschwimmen würde. Auch Jan Frodeno äußerte vor dem Rennen Bedenken, ob er die Füße von Amberger und Brownlee halten könne. Er konnte. Was jedoch am meisten überraschte, war die Tatsache, dass auch Titelverteidiger Patrick Lange den Sprung in die neunköpfige Spitzengruppe schaffte – eine perfekte Ausgangslage für den 33-Jährigen. Nach 47:28 Minuten kam Amberger schließlich als Erster aus dem Wasser, direkt gefolgt von Jan Frodeno, Alistair Brownlee, Daniel Bakkegard, Tim O’Donnell (USA), Maurice Clavel, Braden Currie (NZL), Jesper Svensson (SWE) und Patrick Lange. 

Dahinter führte Kona-Rückkehrer Nils Frommhold die Verfolgergruppe mit zehn Athleten an und stieg nach 50:47 Minuten aus dem Wasser. Im Schlepptau hatte der 33-Jährige unter anderem Patrik Nilsson (SWE), Ben Hoffman und Andy Potts (beide USA). Die Mitfavoriten Sebastian Kienle, Lionel Sanders (CAN), Cameron Wurf (AUS), Matt Russell (USA), Joe Skipper und David McNamee (beide GBR) kamen eine Gruppe dahinter mit knapp fünf Minuten Rückstand in die erste Wechselzone. Boris Stein und Andreas Dreitz mussten ein Defizit von knapp sieben Minuten hinnehmen.

- Anzeige -

Spitzengruppe zerfällt, Patrick Lange steigt aus

Auf der Radstrecke zerfiel die Spitzengruppe allerdings schon nach wenigen Kilometern. Zuerst musste Svensson seine Mitstreiter ziehen lassen, wenig später war es Patrick Lange, der dem Tempo nicht mehr folgen konnte. Während die Sechsergruppe zunächst gemeinsam an der Spitze fuhr und dabei besonders Maurice Clavel viel Führungsarbeit übernahm, holten die starken Radfahrer um Wurf, Kienle, Sanders, Skipper und Russell zusammen auf und verkürzten den Rückstand innerhalb der ersten 23 Kilometer auf etwa 3:30 Minuten.

Patrick Lange verlor bei den extrem windigen Bedingungen auf dem Highway immer mehr Zeit und wurde wenig später von der Verfolgergruppe der „Überbiker“ eingeholt. Dort fuhr er einen kurzen Moment mit, konnte die Gruppe aber schon nach wenigen Minuten nicht mehr halten, fiel zurück und fuhr von dort an alleine. Wenig später kam es dann zu einem überraschenden und rennentscheidenden Moment: Nachdem Lange einige seiner Supporter am Streckenrand erkannte, bremste aus vollem Tempo herunter, hielt an, stieg vom Rad und beendete das Rennen ohne einen technischen Defekt oder sichtbare Verletzungsanzeichen. Langes Management äußerte kurz danach, dass er in der Nacht aufs Rennen Fieber bekommen habe, welches der Grund für das DNF gewesen sei. Auch Andreas Böcherer, Andreas Dreitz und Franz Löschke beendeten das Rennen auf der ersten Hälfte der Radstrecke.

Bis zum Wendepunkt der Radstrecke in Hawi nach 96 Kilometern fielen zuerst auch noch Braden Currie und später Josh Amberger aus der Spitzengruppe heraus. Die radstarken Verfolger – zu denen zwischenzeitlich auch Boris Stein aufschließen konnte – kamen in Hawi bis auf 2:20 Minuten an die vierköpfige Führungsgruppe heran.

O’Donnell attackiert in Hawi, Frodeno fährt allen davon

In der Abfahrt nach dem Wendepunkt, bei der die Athleten durch den Rückenwind extrem hohe Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometer pro Stunde erreichten, bot sich ein ähnliches Bild wie 2015: Tim O’Donnell setzte sich an die Spitze und attackierte – als ob er die ganze Zeit auf diesen Moment gewartet habe. Zwar konnte er seine drei Mitstreiter Frodeno, Brownlee und Clavel zunächst nicht abschütteln, den Abstand auf die Verfolgergruppe allerdings wieder auf knapp über drei Minuten ausbauen. Einige Kilometer später konnte Clavel dem Tempo seiner drei Konkurrenten nicht mehr folgen und fiel enorm zurück. Auf den letzten 25 Kilometern zerlegte der zweifache Hawaii-Sieger Jan Frodeno das Trio schließlich: Der Olympiasieger von 2008 setzte eine Attacke, der O’Donnell und Brownlee nicht folgen konnten und baute seinen Vorsprung bis zur zweiten Wechselzone sogar bis auf über zwei Minuten aus. Mit einem Radsplit von 4:16:03 Stunden kam Frodeno nach 5:05:31 Stunden in die zweite Wechselzone. Auch dahinter passierte noch etwas: Nach Frodeno folgten O’Donnell (+ 2:18 min), Wurf (+ 3:44 min), Kienle (+ 4:01 min), Stein mit der schnellsten Radzeit des Tages von 4:13:18 Stunden (+ 4:02 min), Brownlee (+ 4:06 min), Koutny (SUI /+ 4:06 min), Hogenhaug (+ 4:22 min) und Sanders (+ 4:26 min).

Frodeno läuft zum Streckenrekord, Kienle aufs Podium 

Beim Marathon knüpfte Jan Frodeno direkt dort an, wo er beim Radfahren aufgehört hat, lief von Beginn an das schnellste Tempo im Feld und baute seinen Vorsprung konstant aus. Dahinter entfachte ein spannender Kampf um das Podium und die weiteren Top-Platzierungen: Schon nach wenigen Kilometern zog Sebastian Kienle an Alistair Brownlee, Cameron Wurf und Lionel Sanders vorbei auf Platz drei, während Tim O’Donnell mit einem noch schnelleren Tempo solide an zweiter Position lief. Bei der Halbmarathon-Marke führte Frodeno bereits mit gut dreieinhalb Minuten Vorsprung vor O’Donnell und knapp sechs Minuten vor Sebastian Kienle. Während sich an den ersten drei Positionen auch im Energy Lab nichts änderte, kam es dahinter zu etlichen Positionswechseln. Ben Hoffman, der an Position 14 und mit 11:55 Rückstand in die zweite Wechselzone kam, lief – mit Ausnahme von Jan Frodeno – deutlich schneller als der Rest des Feldes und machte Platzierung um Platzierung gut. Währenddessen erwischten Alistair Brownlee und Lionel Sanders einen rabenschwarzen Tag, mussten zwischenzeitlich gehen und fielen weit zurück. Boris Stein, der nach dem Radfahren in einer hervorragenden Ausgangsposition war, musste aufgrund von Hüftproblemen, die ihn auch schon in den Tagen vor dem Rennen beschäftigten, aussteigen.

An der Spitze lief Frodeno nicht nur ungefährdet seinem dritten Hawaii-Sieg entgegen, sondern war außerdem auf Streckenrekord-Kurs. Mit einer Marathonzeit von 2:42:43 Stunden, seiner schnellsten Hawaii-Laufzeit bisher, knackte Frodeno tatsächlich den Rekord (7:52:39 Stunden), den Patrick Lange im Vorjahr aufstellte: Nach 7:51:13 Stunden überquerte Frodeno schließlich die Ziellinie und ist damit der erste deutsche Athlet, der die Ironman-WM dreimal für sich entscheiden konnte. 8:26 Minuten später kam – ebenfalls noch unter acht Stunden – Tim O’Donnell mit einer Endzeit von 7:59:40 Stunden ins Ziel und verbesserte damit seinen dritten Platz aus dem Jahr 2015. Sebastian Kienle landete mit einer Laufzeit von 2:49:57 Stunden auf Rang drei (8:02:04 Stunden) und konnte damit gerade noch Ben Hoffman auf Distanz halten, der den zweitschnellsten Marathon des Tages (2:43:08 Stunden) lief und 47 Sekunden hinter Kienle nach beeindruckender Aufholjagd auf Rang vier landete. Platz fünf ging an Cameron Wurf mit einer Zielzeit von 8:06:41 Stunden. Die Top 10 wurden komplettiert durch Joe Skipper (8:07:46 Stunden), Braden Currie (8:08:48 Stunden), Philipp Koutny (8:10:29 Stunden), Bart Aernouts (8:12:27 Stunden) und Chris Leiferman (8:13:37 Stunden). Nils Frommhold belegte Platz 20 (8:24:56 Stunden) und überholte damit noch Alistair Brownlee (8:25:03 Stunden) und Lionel Sanders (8:25:54 Stunden), die auf den Rängen 21 und 22 landeten. Platz 23 ging an Marc Dülsen (8:26:35 Stunden), Tobias Drachler wurde 31. (8:40:44 Stunden) und Maurice Clavel (9:01:05 Stunden) beendete das Rennen auf Rang 38. Abgerundet wurde das Ergebnis der deutschen Athleten von Stefan Schumacher und Lukas Krämer, die im Profifeld auf den Plätzen 40 und 41 ins Ziel kamen. 

Frank Wechsel | tri-mag.de Glückliche Sieger: Jan Frodeno gewinnt den Ironman Hawaii 2019 in Rekordzeit vor US-Amerikaner Tim O’Donnell und Sebastian Kienle.

Ironman Hawaii 2019 | Männer

13. Oktober 2019 | Kailua-Kona, Hawaii (USA)
Platz NameLand Gesamt3,86 km Swim180,2 km Bike42,195 km Run
1Jan FrodenoGER7:51:1347:314:16:032:42:43
2Tim O’DonnellUSA7:59:4047:384:18:122:49:44
3Sebastian KienleGER8:02:0452:174:15:062:49:57
4Ben HoffmanUSA8:02:5251:014:24:012:43:08
5Cameron WurfAUS8:06:4152:254:14:452:55:03
6Joe SkipperGBR8:07:4652:284:16:192:53:31
7Braden CurrieNZL8:08:4847:414:30:302:46:25
8Philipp KoutnySUI8:10:2952:204:15:152:57:51
9Bart AernoutsBEL8:12:2757:034:19:482:51:08
10Chris LeifermanUSA8:13:3752:294:24:212:52:19
20Nils FrommholdGER8:24:5650:474:24:303:05:11
23Marc DülsenGER8:26:3552:214:28:273:01:14
31Tobias DrachlerGER8:40:4452:084:41:413:02:00
38Maurice ClavelGER9:01:0547:404:38:333:28:40
40Stefan SchumacherGER9:08:541:04:314:30:173:26:59
41Lukas KrämerGER9:47:1557:504:48:413:54:52

Erhalte Updates direkt auf dieses Gerät – abonniere jetzt.

Das könnte dir auch gefallen
10 Kommentare
  1. Gerhard Pfau

    Schlecht!! Sind nur Männer gestartet?????

    1. Frank Wechsel

      Die Frauen bekommen bei uns natürlich einen eigenen Bericht: https://tri-mag.de/szene/anne-haug-gewinnt-als-erste-deutsche-triathletin-den-ironman-hawaii/

  2. Lars

    Was für ein respektloses Team um Patrick Lange. Nach guter Schwimmzeit und Anhalten direkt neben seinem Betreuer Fieber am Vortag während eines laufenden Rennens zu posten, ist ein Höchstmaß an Unsportlichkeit vom Management. 👎🏻 NoRecordHolder

    1. Michael

      Ganz locker bleiben und mit dem Haten aufhören. Keiner hätte das im Vorfeld verlautbart. Und wenn es so war, warum sollen die das dann nicht sich sagen?

      1. Nina

        Das ein Management seinen Athleten, der am Vorabend Fieber hat, überhaupt ins Wasser lässt, ist unverantwortlich. Als Titelverteidiger kann man auf dem Niveau nur verlieren. Fragen hinterlässt der Zeitpunkt des Ausstieges, nachdem er ein Top Schwimmen absolviert hat. Sicherlich demoralisierend ist es, erst das Tempo der Spitzengruppe nicht mitgehen zu können und dann noch vom Zug der Überbiker überrollt zu werden. Dann aber genau bei seinen Betreuern, ohne dass dies absehbar war, in die Bremsen zu gehen und plötzlich Sternchen zu sehen….

  3. Tobias Schanne

    Hallo Frank und Simon,
    vielen DANK für eure tolle Berichterstattung über die ganze Woche hinweg ! Man meinte beim lesen oder Video schauen, dass man fast schon selber vor Ort ist.

    1. Frank Wechsel

      Danke, aber zur Kona-Crew gehören hier vor Ort nicht nur Frank und Simon, sondern auch noch Silke, Nils, Peter und Marcus – supported durch unsere Hamburg-Crew. Ohne die wäre unser Output hier nicht möglich, schließlich sollte ihr ja am Samstag schon das 164 Seiten starke Hawaii-Special im Briefkasten haben – wenn ihr denn ein Abo habt, ansonsten oben auf “Abo” klicken 😉

  4. Mori

    Klasse Reportagen. Auch die Zeitschrift gefällt mir gut. Danke euch vielmals! Als Schweizer jedoch etwas schade das ihr euch so stark als deutsches und nicht deutschsprachiges seht.

  5. Marc M.

    Bei Patrick Lange stelle ich mir die Frage, warum er einerseits gezwungen ist das Rennen auf dem Rad mit gesundheitlichen Problemen zu beenden, es aber andererseits schafft das Schwimmen in Topform in der Spitzengruppe zu absolvieren.

  6. Marc Münz

    Bei Patrick Lange stelle ich mir die Frage, warum er einerseits gezwungen ist das Rennen auf dem Rad mit gesundheitlichen Problemen zu beenden, es aber andererseits schafft das Schwimmen in Topform in der Spitzengruppe zu absolvieren.

Hier kannst du diesen Beitrag kommentieren

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.