NEU! triathlon-News Ausgabe vom 28. Oktober, 06:02 Uhr · 1:06 Min · Kurzfassung

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Shimano Dura-Ace C50 im Test: Leicht, schnell und überraschend vielseitig

Shimano Dura-Ace WH-R9370 C50 im Test: 1.304 Gramm, Carbon-Speichen und Praxiserfahrung auf TT und Rennrad. Wie gut ist der neue Laufradsatz?

Mathieu van der Poel ist in die Testphase des Shimano Dura-Ace WH-R9370 C50 integriert gewesen.
Shimano Von Profis für Agegroupoer – der Radstar Mathieu van der Poel war in die Testphase der neuen Felgen integriert.

Mit Carbon-Speichen, einem Gewicht von rund 1.300 Gramm und einer überarbeiteten Felgengeometrie bringt Shimano seinen Dura-Ace-Laufradsatz auf ein neues Niveau. Der WH-R9370 C50 soll Aerodynamik, geringes Gewicht und Alltagstauglichkeit miteinander verbinden. Nach etlichen Testkilometern auf dem Zeitfahrrad und dem Rennrad zeigt sich, dass die Japaner damit vieles richtig gemacht haben.

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Shimano gehörte bei der Entwicklung seiner Laufräder bislang nicht unbedingt zu den Herstellern, die mit besonders außergewöhnlichen Konstruktionen auffielen. Während andere Marken mit extrem breiten Felgen, asymmetrischen Profilen oder ausgefallenen Speichenkonzepten experimentierten, setzten die Japaner auf bewährte Lösungen. Das galt auch für den bisherigen Dura-Ace C50, der technisch überzeugte, sich hinsichtlich seiner Leistungsdaten aber nicht entscheidend von der Konkurrenz abhob.

Mit dem neuen WH-R9370 C50 ändert sich das. Shimano hat die Felgenprofile überarbeitet, die Innenweite vergrößert und erstmals auf aerodynamisch geformte Carbon-Speichen gesetzt. Vor allem die deutliche Gewichtsreduzierung macht den neuen Laufradsatz interessant. Gleichzeitig bleibt Shimano seiner eher konservativen Entwicklungsphilosophie treu. Statt radikaler Felgenformen stehen ein ausgewogenes Fahrverhalten und eine möglichst breite Einsatzfähigkeit im Mittelpunkt.

Ob diese Kombination tatsächlich funktioniert, zeigt ein ausführlicher Praxistest.

Carbon-Speichen machen den Unterschied

Die Shimano Dura Ace 
WH R9370 C50  Felgen sind optisch und auch technisch ein echter Hingucker.
Shimano Edle Optik trifft auf ausgezeichnete Verarbeitung, die C50 Laufräder von Shimano sind echte Allrounder mit einer hohen Freude an Vortrieb.

Die auffälligste technische Veränderung findet sich zwischen Nabe und Felgenbett. Shimano verwendet beim neuen WH-R9370 aerodynamisch geformte Carbon-Speichen des Herstellers Vonoa. Sie ersetzen die bisherigen Metallspeichen und tragen maßgeblich zur Gewichtsreduzierung bei.

Während der Vorgänger WH-R9270 C50 noch rund 1.460 Gramm auf die Waage brachte, wird die neue Generation mit lediglich 1.302 Gramm angegeben. Das entspricht einer Einsparung von knapp 160 Gramm und damit rund elf Prozent. Im Test brachte die Felge inklusive Felgenband und Tubeless-Ventilen 1.304 Gramm auf die Waage. Ein beeindruckender Wert für einen Laufradsatz mit 50 Millimetern Felgenhöhe. Damit haben sie die Lücke zu den leichtesten aerodynamischen Allround-Laufräder geschafft, die unter anderem von Roval produziert werden.

Interessant ist allerdings weniger der reine Gewichtswert als dessen Auswirkung auf das Fahrverhalten. Bereits bei den ersten Beschleunigungen fällt auf, wie unmittelbar der C50 auf einen Tempowechsel reagiert. Die Laufräder vermitteln nicht das Gefühl, erst mühsam auf Geschwindigkeit gebracht werden zu müssen. Stattdessen setzen sie die eingebrachte Leistung sehr direkt um. Sie gieren regelrecht nach Vortrieb. Besonders auf welligen Strecken wie in der Nordheide mit häufigen Rhythmuswechseln zeigt sich die neue Konstruktion von ihrer besten Seite. Der Laufradsatz wirkt lebendig und reaktionsfreudig, ohne dabei übermäßig hart zu sein.

Die Carbon-Speichen tragen zum straffen Fahrgefühl bei. Wie groß ihr isolierter Anteil an der wahrgenommenen Dynamik ist, lässt sich allerdings nicht eindeutig bestimmen. Schließlich beeinflussen auch die geringere Masse, die Felgenkonstruktion und die Bereifung das Gesamtverhalten. Als Reifen wurde im Test der Pirelli P ZERO Race SL‑R gefahren.

50 Millimeter Felgenhöhe, aber kein reiner Aero-Laufradsatz

Mit einer Felgenhöhe von 50 Millimetern positioniert Shimano den WH-R9370 C50 als Allrounder zwischen dem flacheren C36 und den aerodynamisch stärker spezialisierten Modellen der neuen Dura-Ace-Familie.

Auf dem Papier verspricht diese Bauhöhe einen guten Kompromiss zwischen Aerodynamik und Gewicht. Im Praxistest bestätigt sich vor allem die Vielseitigkeit. Auf schnellen, flachen Passagen hält der Laufradsatz das Tempo souverän. Gleichzeitig überrascht er auf anspruchsvollen Strecken mit wechselnden Steigungen. Eine Trägheit, die man eventuell von anderen Aero-Laufradsätzen gewöhnt ist, kommt hier nie zum Vorschein. Gerade beim Beschleunigen aus dem Sattel oder nach engen Kurven spielt der C50 seine Stärken aus. Die Laufräder reagieren spontan auf die eingebrachte Leistung und vermitteln dabei ein angenehm direktes Fahrgefühl.

Für Triathleten sicherlich eine Option, die für Kurse wie Lanzarote, Hawaii oder Nizza interessant sein können. Auch für leichte Athletinnen und Athleten ist der Felgensatz primär am Vorderrad eine hervorragende Wahl. Während auf klassischen Hochgeschwindigkeitskursen häufig möglichst tiefe Felgen bevorzugt werden, verlangen anspruchsvollere Strecken mit vielen Höhenmetern, starken Winden, technischen Abfahrten und häufigen Tempowechseln einen leichteren, gut kontrollierbareren Laufradsatz. Der Shimano C50 trifft diesen Einsatzbereich.

Seitenwind: Kontrollierbar

Grundsätzlich lässt sich der neue C50 bei Seitenwind gut kontrollieren. Das Vorderrad reagiert relativ neutraler. Bei stärkeren, unregelmäßigen Windböen verändert sich das Verhalten etwas. Bei meinem Gewicht (80 Kilogramm) war das Vorderrad jederzeit gut zu halten, bei Böen oberhalb von etwa 25 bis 30 km/h verlangt das Vorderrad für leichtere Fahrer eventuell mehr Aufmerksamkeit. Jedoch wirkte der Laufradsatz nicht nervöser auf den Seitenwind als andere.

Für Triathleten, die auf windanfälligen Strecken unterwegs sind, sollte dieser Punkt deshalb in die Laufradwahl einfließen. Gerade auf Hawaii, wo starke und wechselnde Seitenwinde zum Renncharakter gehören, ist nicht automatisch die tiefste Felge die schnellste Lösung. Entscheidend bleibt, ob der Athlet seine aerodynamische Position trotz der Windbedingungen stabil halten kann. Hier spielt der C50 aus meiner Sicht in der oberen Liga mit.

Breitere Felgen für moderne Reifen

Neben den Carbon-Speichen gehört die neue Felgengeometrie zu den wichtigsten Veränderungen. Shimano vergrößert die Innenweite von bisher 21 auf 23 Millimeter. Außen misst die Felge am Vorderrad 31 Millimeter und am Hinterrad 32 Millimeter. Damit ist der Laufradsatz vor allem auf moderne Reifenbreiten von 28 bis 30 Millimetern ausgelegt.

Im Praxistest erweist sich diese Entscheidung als sinnvoll. Ein 28 Millimeter breiter Reifen wird durch die größere Innenweite gut abgestützt und bildet mit der Felge ein stimmiges Gesamtpaket. Der P Zero schmiegt sich wie eine Einheit an die Felge und hat einen wunderbaren Übergang vom Reifen zur Felge.

Shimano verwendet weiterhin klassische Felgenhörner und verzichtet auf eine Hookless-Konstruktion. Damit können sowohl geeignete Tubeless-Reifen als auch klassische Faltreifen mit Schlauch verwendet werden. Die jeweils zulässigen Luftdrücke müssen entsprechend der Reifenbreite und den Herstellervorgaben eingehalten werden. Der Pirelli ließ sich ohne große Probleme entspannt als Tubeless auf die Felge ziehen.

Straff, aber nicht unangenehm hart

Eine Besonderheit der neuen Konstruktion ist das Fahrgefühl. Carbon-Speichen werden häufig mit einer besonders hohen Steifigkeit in Verbindung gebracht. Tatsächlich vermittelt der Shimano eine sehr direkte Reaktion auf Beschleunigungen und Lenkbewegungen.

Dabei wirkt der Laufradsatz allerdings nicht übermäßig unnachgiebig. Im Test zeigte sich eine ausgewogene Abstimmung zwischen Direktheit und Fahrkomfort. Auf schlechtem Asphalt oder welligen Straßen bleibt der C50 kontrollierbar. Unebenheiten werden nicht vollständig herausgefiltert, doch der Laufradsatz vermittelt auch nicht das Gefühl, jede Erschütterung ungefiltert an den Fahrer weiterzugeben.

In Kombination mit breiteren Reifen und einem angepassten Luftdruck ergibt sich dadurch ein Gesamtpaket, das sowohl für schnelle Trainingseinheiten als auch für lange Wettkämpfe geeignet erscheint.

Das ist eine der größten Stärken des neuen Shimano: Er wirkt sportlich und unmittelbar, ohne sich ausschließlich auf einen bestimmten Einsatzzweck festzulegen.

Klassische Konuslager überzeugen

Während viele Hersteller hochwertiger Carbon-Laufräder inzwischen auf gedichtete Industrielager setzen, bleibt Shimano seinem traditionellen System aus Kugeln, Konen und Lagerschalen treu.

Der Hersteller begründet diese Entscheidung unter anderem mit der präzisen Einstellbarkeit und der langfristigen Wartungsfreundlichkeit.

Bei der neuen Generation wurde das System überarbeitet. Neben Kugeln und Konen lassen sich nun auch die Lagerschalen austauschen. Das ist ein wesentlicher Fortschritt gegenüber älteren Konstruktionen, bei denen beschädigte Lagerschalen unter Umständen einen vollständigen Nabentausch erforderlich machten.

Preis und Ausstattung

Mit einem offiziellen Preis von 2.799 Euro bewegt sich der neue Dura-Ace WH-R9370 C50 klar im Premiumsegment.

Günstig ist der Laufradsatz damit keineswegs. Angesichts seines geringen Gewichts und der aufwendigen Carbon-Speichenkonstruktion ist die Preisgestaltung im Vergleich zu anderen High-End-Modellen allerdings durchaus konkurrenzfähig.

Shimano bietet damit einen Laufradsatz, der hinsichtlich Gewicht und Konstruktion auf Augenhöhe mit einigen der etablierten Premiumkonkurrenten liegt, ohne deren höchste Preisregionen zu erreichen.

Die Kompatibilität mit modernen Reifen und die wartungsfreundliche Nabenlösung erhöhen zusätzlich die Alltagstauglichkeit.

Technische Daten im Überblick

MerkmalShimano Dura-Ace WH-R9370 C50
Laufradgröße700C
FelgenmaterialCarbon
Felgenhöhe50 mm
Innenweite23 mm
Außenweite vorne31 mm
Außenweite hinten32 mm
SpeichenJe 21 Carbon-Speichen
ReifenkompatibilitätTubeless Ready, mit Felgenhörnern
NabenKonuslager
Gewicht1.304 g, inklusive Felgenband und Tubeless-Ventilen
Preis2.799 Euro

Fazit: Ein Laufradsatz, der fast alles kann

Mit dem Dura-Ace WH-R9370 C50 gelingt Shimano ein überzeugender Entwicklungsschritt. Die neuen Carbon-Speichen reduzieren das Gewicht erheblich und verleihen dem Laufradsatz ein direktes, reaktionsfreudiges Fahrgefühl. Gleichzeitig sorgen die breiteren Felgen für eine zeitgemäße Reifenabstimmung.

Besonders bemerkenswert ist die Vielseitigkeit. Der C50 funktioniert nicht nur auf schnellen, flachen Strecken, sondern überzeugt auch bei Anstiegen und häufigen Tempowechseln. Das geringe Gewicht macht sich dabei deutlich bemerkbar, ohne dass der Laufradsatz auf schnellen Abschnitten träge wirken würde.

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Lars Wichert
Lars Wichert
Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.

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