Die nackten Zahlen sagen: einer der schnellsten Radtage der letzten 25 Jahre. Doch wer das Material der Jahre 2003 und 2026 nebeneinanderstellt und auf die Zusammensetzung der Felder schaut, landet bei einem anderen Ergebnis. Wir haben die Medianzeiten der Altersklassenathleten seit 2003 ausgewertet.

Nach jedem Ironman Hawaii wird an den Tischen beim Banquet of Champions die gleiche Frage diskutiert: Wie stark war der Wind heute? Die Antworten fallen erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich aus. Wer selbst 180 Kilometer gegen den Mumuku gekämpft hat, findet es immer hart.
„Es war mein drittes Mal auf Hawaii nach 2022 und 2024. Wenn ich die rund 15 Minuten Pause auf der Leitplanke bei meinem ersten Start einmal herausrechne, lagen meine Radzeiten über die 180 Kilometer immer relativ eng beieinander, zwischen 4:21 und 4:29 Stunden“, sagt unser Redakteur Lars Wichert, der zweitschnellste Agegrouper in auf dem Rad in der 48-jährigen Geschichte des Rennens. „Das zeigt ganz gut, dass die reine Radzeit auf Hawaii nicht unbedingt widerspiegelt, wie hart es tatsächlich war. Was mich in diesem Jahr wirklich überrascht hat, war, dass ich mit deutlich weniger Watt unterwegs war als noch vor zwei Jahren und am Ende trotzdem nur knapp vier Minuten langsamer war. 2024 hatten wir nahezu perfekte Bedingungen. Deshalb hätte ich bei der geringeren Leistung und dem Wind in diesem Jahr eigentlich mit einem größeren Zeitverlust gerechnet.“
Wechselnde Winde
Die Bedingungen der Radstrecke waren dabei in diesem Jahr alles andere als konstant. „Bis Kawaihae beziehungsweise auf dem Weg nach Hawi fand ich die Bedingungen in diesem Jahr eigentlich ziemlich ordentlich. Selbst die Abfahrt von Hawi war gut kontrollierbar. In der Rennwoche hatte ich dort bei einer Trainingseinheit deutlich mehr Wind erlebt, was für den Renntag ziemlich kritisch gewesen wäre. Da habe ich während des Rennens zunächst gedacht, dass wir vielleicht doch einigermaßen glimpflich davonkommen“, sagt Lars. „Die richtige Keule kam erst, als wir wieder auf den Queen K eingebogen sind. Da hat man dann schlagartig gemerkt, welche Kraft dieser Wind entwickeln kann. Gerade auf den langen, offenen Passagen musste man kämpfen. Und es ist natürlich etwas anderes, ob du diesen Bedingungen frisch begegnest oder bereits weit über 100 Kilometer in den Beinen hast.“
Wie fällt der Vergleich des Mannes aus, der bisher nur zweimal im Fernduell von Ex-Radprofi Alexander Winokurov geschlagen wurde? „Wenn ich meine drei Starts miteinander vergleiche, würde ich sagen, dass es in diesem Jahr trotz der relativ ähnlichen Radzeiten das härteste Radfahren war. Nicht unbedingt, weil die Bedingungen von Anfang an extrem waren, sondern weil der starke Wind erst auf dem Rückweg richtig zugeschlagen hat. Genau in der Phase, in der der Körper ohnehin schon ermüdet ist und du eigentlich möglichst ökonomisch Richtung Wechselzone kommen möchtest.“
Ein Blick in die Statistik
Wir haben uns deshalb die Daten angesehen, und zwar die Radzeiten aller Altersklassenfinisher seit 2003. Damit einzelne Ausreißer die Zahlen nicht verzerren, nehmen wir den Median: Die Hälfte des Feldes war schneller, die andere Hälfte langsamer.

Der erste Blick: ein schneller Tag
Bei den Männern lag die Median-Radzeit 2026 bei 5:23:20 Stunden. Unter den 20 ausgewerteten Männerjahren ist das Platz fünf. Schneller waren nur 2018 (5:05:04 Stunden), 2013 (5:14:03 Stunden), 2019 (5:18:21 Stunden) und 2011 (5:22:18 Stunden). Auch das Jahr 2024, als die Männer allein auf Hawaii starteten, war mit 5:24:08 Stunden etwas langsamer.


















