Sam Long und Magnus Ditlev wollen den Kona-Slot früh sichern, Ruben Zepuntke jagt seine erste WM-Qualifikation. Bei den Frauen sind Alanis Siffert, Holly Lawrence und Laura Jansen favorisiert.
Nicht einmal einen Monat nach der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii geht für einige der prominentesten Namen des Triathlons die Jagd bereits wieder von vorn los. Beim Ironman Florida am Samstag stehen in Panama City Beach drei Qualifikationsplätze für die Ironman-WM 2027 pro Geschlecht zur Verfügung. Vor allem bei den Männern ist die Startliste prominent besetzt: Sam Long, Magnus Ditlev, Matt Hanson, Ben Kanute und Rudy von Berg treffen unter anderem auf deutsche Athleten wie Ruben Zepuntke, Sven Wies, Jannik Stoll und Julian Becker.
Ditlev: Vier Wochen nach dem bitteren Kona-Aus
Kaum ein Name auf der Startliste erzählt eine spannendere Geschichte als Magnus Ditlev. Auf Hawaii sah es lange danach aus, als könne der Däne seinen größten Karrieretriumph feiern. Nach 4:06:47 Stunden auf dem Rad kam er als Führender in die zweite Wechselzone und lag auch über weite Strecken des Marathons an der Spitze. Doch auf dem Rückweg aus dem Energy Lab brach Ditlev ein. Wenige Kilometer vor dem Ziel musste er das Rennen schließlich aufgeben. Später beschrieb er, dass plötzlich „die Lichter ausgegangen“ seien und ein Weiterlaufen weder möglich noch sinnvoll gewesen sei. Aus dem möglichen WM-Erfolg wurde ein DNF.
Florida bietet nun nur vier Wochen später die Gelegenheit, einen Haken hinter diesen Tag zu setzen. Gleichzeitig könnte Ditlev mit einem der drei Slots sein Ticket für die WM 2027 sichern und damit die gesamte kommende Saison freier planen. Der flache und schnelle Kurs in Panama City Beach dürfte seiner enormen Radstärke grundsätzlich entgegenkommen.
Sam Long will sich alle Möglichkeiten offenhalten
Bei Sam Long ist die Ausgangslage eine andere. Der US-Amerikaner kommt mit Rückenwind aus Hawaii. Platz sechs in 7:55:21 Stunden bedeutete eines seiner stärksten Ergebnisse auf Big Island. Long hat auch selbst keinen Hehl daraus gemacht, warum er bereits im November wieder über die Langdistanz starten möchte. Er wolle die Kona-Qualifikation möglichst früh erledigen, um sich für die Saison 2027 alle Optionen offenhalten zu können. Zwischenzeitlich hatte er noch Florida und Cozumel gegeneinander abgewogen. Auf der aktuellen Startliste steht er nun mit der Nummer eins für Panama City Beach.
Cameron Wurf braucht keinen Slot mehr
Bei Cameron Wurf muss die Geschichte etwas anders erzählt werden. Der Australier nutzt Florida nicht, um seine Kona-Qualifikation früh abzusichern – die hat er bereits. Wurf gewann im September den Ironman Maryland in 7:13:52 Stunden und qualifizierte sich damit für die Ironman-Weltmeisterschaft 2027. Auf Hawaii belegte er anschließend Rang zwölf.
Dass er trotzdem in Florida auf der Startliste steht, passt durchaus zu Wurf. Viel Rennen gehört seit Jahren zu seinem Programm. Im Kampf um die drei WM-Plätze nimmt er dadurch aber eine besondere Rolle ein: Sollte Wurf weit vorn landen, benötigt er selbst keinen weiteren Slot. Für die nachfolgenden Athleten kann das bei der Vergabe entsprechend relevant werden.
Ruben Zepuntke: Die große Chance auf das erste Hawaii-Ticket?
Aus deutscher Sicht ist der Auftritt von Ruben Zepuntke interessant. Seine Saison verlief bislang nicht so, dass er automatisch als Kandidat für einen Kona-Slot genannt werden müsste. Beim Ironman Frankfurt belegte er Rang 20. Auf der Mitteldistanz folgten unter anderem Rang 13 beim Ironman 70.3 Swansea und zuletzt ein deutlich stärkerer vierter Platz bei der Challenge Forte Village.
Zepuntke kommt also mit einem guten Rennen im Rücken und trifft auf einen Kurs, der grundsätzlich zu seinen Stärken passen könnte. Die 180 Radkilometer in Florida sind mit nur wenigen Höhenmetern extrem schnell und bieten kaum natürliche Selektion. Wer hier Druck machen will, muss hohe Leistung über lange Zeit in Aeroposition bringen. Das Problem: Vor ihm stehen mit Long, Ditlev, Hanson, Kanute und von Berg mehrere etablierte Langdistanzathleten. Ein Slot wäre deshalb ein großer Schritt und keineswegs selbstverständlich. Aber mit drei Tickets im Rennen eröffnet sich eine Gelegenheit.
Siffert führt das Frauenfeld an
Bei den Frauen ist das Feld deutlich kleiner. Die offizielle Startliste führt unter anderem die Hochkaräter Alanis Siffert, Holly Lawrence und Laura Jansen unter den gemeldeten Athletinnen. Vor allem Siffert bringt eine herausragende Saison mit nach Florida. Die Schweizerin gewann die Challenge Roth und holte bei der Ironman-70.3-WM in Nizza Bronze. In der PTO-Weltrangliste wird sie aktuell auf Rang fünf geführt. Anders als viele der großen Namen der Saison verzichtete Siffert bewusst auf einen Start bei der diesjährigen Ironman-WM auf Hawaii. Florida bietet ihr nun die Möglichkeit, die Qualifikation für 2027 frühzeitig zu sichern.
Holly Lawrence gehört ebenfalls zu den Namen die man im Auge haben sollte. Die Britin arbeitet sich nach einer Knochenstressreaktion im Verlauf der Saison wieder zurück und hat Florida bewusst als späten Langdistanzstart ausgewählt. Laura Jansen hat derweil die Chance, ihre Saison mit einem positiven Abschluss zu beenden, nachdem sie mit ihrem Rennen Anfang des Jahres beim Ironman Südafrika nicht zufrieden war und anschließend zwei DNFs verbuchte. Zuletzt fand sie jedoch zu alter Form zurück, gewann eine Mitteldistanz in Belgien und belegte bei der Challenge Mallorca den dritten Rang. Aus Deutschland steht außerdem noch Kristina Grieger auf der Startliste.