Vorfreude auf 2026: Vom 11. bis 25. April treffen wir uns zum Trainingscamp im Beach Club Font de Sa Cala auf Mallorca. Coach Patrick Pirhala-Moritz verrät, worauf wir uns schon jetzt freuen dürfen.

Patrick, unser Mallorca-Camp 2026 findet erstmals unter deiner Leitung statt. Wofür stehst du im Triathlontraining?
Triathlontraining existiert für mich auf sehr vielen verschiedenen Ebenen, die alle miteinander verbunden sind. Ich habe eine wissenschaftliche Ausbildung genossen, die auch den Kern meines Arbeitens repräsentiert. Bei aller Liebe zum Detail und zu den komplexen und dynamischen Prozessen, die in einem Athleten in einer Saison passieren, arbeitet man eben nicht mit einer experimentellen Probandengruppe, sondern mit n=1, einem Menschen. Das bedeutet, dass die individuelle Wahrnehmung, die Persönlichkeit und das soziale Verhalten im und außerhalb des Trainings eines Athleten ebenso wichtig ist wie seine VO₂max oder die Schwimmtechnik.
Also ist Triathlontraining eine sehr persönliche Sache?
Ich möchte Athleten bestmöglich an die Startlinie bringen, und das bedeutet, dass da nicht nur Person X mit Laktatbildungsrate Y, Laufökonomie Z und Triathlon-Material steht, sondern eine Person, die vielleicht im Studium oder Beruf ist, Freunde und Familie hat und noch andere Verpflichtungen eingeht. Triathlon ist in diesem Konstrukt eine der schönsten Tätigkeiten, denen nachgegangen wird, und besitzt für Athleten einen sehr hohen persönlichen Stellenwert. Dieser Verantwortung muss man sich als Trainer immer wieder bewusst sein. Aus diesem Grund stehen bei mir hohe fachliche Kompetenz rund um die Trainingswissenschaft und hohe pädagogisch-psychologische Kompetenzen im Training auf einer Stufe.
Welche Sportlerinnen und Sportler betreust du normalerweise außerhalb der Camps?
Ich betreue aktuell im Erwachsenenbereich ausschließlich Agegrouperinnen und Agegrouper. Die meisten sind äußerst leistungsorientiert in ihrer Altersklasse unterwegs. Was alle Sportler eint, ist die Vision, sich zu verbessern und neue spannende Herausforderungen im Triathlon- und Ausdauersport zu meistern. Viele dieser Sportler investieren sehr viele Ressourcen in ihr liebstes Hobby – und davor habe ich unglaublichen Respekt. Ich stehe zu 100 Prozent hinter jedem Weg, den wir zusammen gehen. Ehrenamtlich engagiere ich mich auch im Nachwuchstriathlonsport in meinem lokalen Verein und ich erfülle seit fünf Jahren die Funktion des Jugendwarts in Oberfranken für den Bayerischen Triathlon-Verband.
Welche sportlichen Erinnerungen verbindest du mit Mallorca?
Dazu gehören schon ein paar und ich bin sehr dankbar, dass diese Erinnerungen vor allem an tolle Menschen geknüpft sind. Wenn ich an mein erstes Trainingslager mit Vereinskollegen auf der Insel 2016 denke, dann kann ich mich noch gut an meine erste Tour nach Sa Calobra erinnern und die unglaublich schöne Abfahrt nach Pollença. Der Abschnitt vom Kiosk bis zur Tankstelle war damals allerdings alles andere als schön, weil ich doch schon etwas leer war. Heute kann ich es mit Humor nehmen. Was aber ein Trainingslager für mich wirklich ausmacht, ist mit Gleichgesinnten anstrengende Trainingstage zu absolvieren, gute Gespräche auf dem Rad oder bei einem lockeren Lauf zu führen und am Ende des Tages lachend beim Abendessen zu sitzen. Diese positive und gemeinschaftliche Atmosphäre ist auch aus wissenschaftlicher Perspektive ein Grund, das Trainingsreize unter Umständen besser wirken als anderswo oder zu Hause.

Unser gemeinsames Ziel ist der Beach Club Font de Sa Cala im Osten der Insel. Was sind die Vorteile an dieser Base?
Der Beach Club ist relativ abgeschirmt und liegt nicht so zentral, was uns erst einmal Ruhe und Fokus gibt, besonders auf den Straßen. Das Hotel hat einen 25-Meter-Pool und liegt außerdem an einer wunderschönen Bucht, in der man auch mal eine Session im Neo absolvieren kann. Weiterhin haben wir sowohl hügeliges als auch flaches Terrain zum Laufen direkt vor der Tür. Nicht weit entfernt, in Capdepera, gibt es auch eine 400-Meter-Bahn, wobei intensive Laufintervalle nicht so sinnvoll für 14 Tage sehr extensives Trainingslager, mit viel akkumulierter Müdigkeit im System, sind. Nicht weit entfernt liegt der Ort Artà, hinter dem wir auf dem Weg zum Kloster Betlem sehr gut Kraftausdauerintervalle am Berg trainieren können. Etwas weiter entfernt und auch sehr schön anzufahren ist der Berg San Salvador, an dessen Spitze die bekannte Jesusstatute und ein fantastischer Ausblick warten. Klassiker wie das Orangental oder die Wellblechfahrt werden natürlich auch nicht fehlen. Zwar befindet sich das Hotel im Osten der Insel, aber wir werden auch ein- oder zweimal mit dem Bus in den Norden fahren, um von dort aus unseren Touren ins wunderschöne Tramuntana-Gebirge zu starten.
Was sind deine drei Must-sees auf der Insel, wenn man sie sportlich bereist?
Das ist eine schwierige Frage, weil so viele Orte sehr schön sind auf der Insel, gerade wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Ans Cap Formentor sollte man einmal fahren, wenn möglich nicht zur Rush Hour, da es sonst wirklich keinen Spaß macht, auch wenn die Aussicht am Leuchtturm sehr schön ist. Statt nach Sa Calobra zu fahren, empfehle ich links nach Cala Tuent abzubiegen. Der kleine Ort besitzt eine viel schönere Bucht als der sehr touristische Hafen von Sa Calobra. Das absolute Highlight ist für mich eine Tour von Nord nach Süd durch das gesamte Tramuntana-Gebirge über den Puig Major und in der Ebene wieder zurück zum Hotel.

Wie ist das Camp aufgebaut? Gibt es so etwas wie Schlüsseleinheiten?
Das Camp ist auf den Fokus ausgelegt, besonders im aeroben Grundlagenbereich zu trainieren, die Stoffwechselökonomie zu verbessern und Konzentration für technische Optimierungen zu ermöglichen. Jede Trainingseinheit ist aufgabenorientiert gestaltet, um Handlungssicherheit im Training und im Wettkampf auszubilden. Deshalb werden wir auch in der zweiten Campwoche wettkampfnähere Trainingseinheiten mit dominant lockereren Intensitäten einbauen, um den Gästen Ideen oder Vorschläge zu vermitteln, was und wie sie nach dem Camp zu Hause weiter trainieren können. Schlüsseleinheiten gibt es für mich an sich nicht, da der Schlüssel für erfolgreiches Training in der Summe der vielen einzelnen Trainingseinheiten zu finden ist. Die Steuerung der entsprechenden Trainingsintensität in der jeweiligen Einheit, Konzentration auf die Aufgabenstellung, sinnvolles Regenerieren zwischen den Einheiten und die Vorbereitung auf die kommende Session sind der beste Weg, den Schlüssel am Ende in den Händen zu halten. Für Agegrouper bietet sich ein solcher Fokus sehr wahrscheinlich nur im Trainingslager, daher empfehle ich, dies auch entsprechend zu nutzen.
Wie ist ein typischer Trainingstag aufgebaut?
Der Tag beginnt fast immer mit einer leichten und kurzen Morgenaktivierung entweder im Schwimmen oder Laufen, was wir mit einer Mobilisationssession am Strand verbinden. Nach dem Frühstück geht es dann in der Regel aufs Rad. Wir fahren in unterschiedlich ambitionierten Gruppen, wo jeder Gast sein entsprechendes Level finden wird. Dabei werden wir nicht nur stumpf vor uns herfahren, sondern auch aufgabenorientiert trainieren und durch Abwechslung in der Trittfrequenz oder dem Gelände für den gewünschten Trainingsreiz sorgen. Danach folgt meist noch eine Schwimmeinheit, in der die Technik zumeist im Mittelpunkt steht, oder auch mal ein Anschlusslauf. Um das Nervensystem und die gesamte Anspannung im Körper am Ende des Tages wieder herunterzufahren, lassen wir den Tag mit etwas Yoga oder einem ausgiebigen Mobilitätsprogramm ausklingen.

Gehört für dich der Kaffee mit zu einer langen Ausfahrt?
Der Kaffee und der Kuchen, vielleicht sogar zwei Stücke, gehören zu jeder guten langen Tour dazu. In einem hübschen kleinen Kaffee oder auf einem Platz in einer mallorquinischen Altstadt über Mittag oder Nachmittag zu sitzen ist der Lohn für die Anstrengung, die man schon geleistet hat, und fördert auch die Moral im Camp. Es ist schließlich auch Urlaub für unsere Gäste.
Worauf dürfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Camp freuen?
Freuen dürfen sich unsere Gäste auf die geballte Triathlon-Fachkompetenz unseres Teams. Jeder Trainer bringt sehr viel praktische Erfahrung und auch theoretisches Wissen mit, das wir teilen und vermitteln wollen. Wir wünschen uns, dass unsere Gäste mit ihren Fragen zu uns kommen, dabei kann es auch gern mal etwas nerdiger werden. Daneben werden wir Themenvorträge im Camp anbieten. Die Themen hierzu sind aber noch offen, da wir auf das Interesse unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingehen wollen. Weiterhin können sich unsere Gäste darauf einstellen, dass wir sie bestmöglich dort abholen, wo sie mit ihren sportlichen Fähigkeiten aktuell stehen, und sie weder über- noch unterfordern wollen. Das Training findet immer in kleinen homogenen Gruppen statt. Bei viel Sport darf man sich natürlich darauf freuen, auch viel zu essen, denn im Camp soll man alles, nur nicht Gewicht verlieren. Last but not least ist die herzliche und motivierende Campatmosphäre unter der Sonne und den Palmen in mediterranen Gefilden noch zu nennen, die uns im grauen Deutschland weniger vergönnt ist.
Was sollen die Sportlerinnen und Sportler am Ende der zwei Wochen mit nach Hause nehmen?
Aus sportlicher Perspektive sollen unsere Gäste vor allem gesund, aber auch müde nach Hause fahren. Das Camp zielt darauf ab, den aeroben Motor auf ein neues Fitnesslevel zu heben, das sich nach ausreichender Regeneration entfaltet und die wettkampfspezifischeren Sessions zu Hause deutlich leichter und qualitativ besser erfüllen lässt. Die Athletinnen und Athleten sollen weiterhin neues Wissen rund ums Training mit ins Heimtraining nehmen – wie etwa neue Athletikübungen, einen Ansatz, wie und womit sie auf ihrer Schwimmtechnik achten können, und wenn möglich ihre Wahrnehmung für ihren Körper schärfen, um langfristig gesund und verletzungsfrei trainieren zu können. Emotional betrachtet wünsche ich mir, dass unsere Gäste bleibende sowie energetisierende Eindrücke mit ins Heimgepäck stecken. Dass das Camp persönlichkeitsbildend wirkt, sich neue Freundschaften unter unseren Teilnehmern entwickeln und man sich vielleicht in einem Jahr wieder auf Mallorca trifft. Oder bei einem Wettkampf in Deutschland, den man gemeinsam bestreitet.









