Sonntag, 21. April 2024

Wie Triathleten Hautkrebs rechtzeitig erkennen und sich davor schützen können

So viel Haut wie beim Underpants Run auf Hawaii zeigt man im Training und Wettkampf nur selten, der Sonne sind Triathletinnen und Triathleten dennoch häufig ausgesetzt – ein Risiko.

„Was ich am meisten geliebt habe, hat mich umgebracht“ – diesen Satz soll Kevin Moats kurz vor seinem Tod gesagt haben. Der 67-Jährige war in den 1980er-Jahren ein angesehener Profitriathlet, der seine Stärke insbesondere beim Laufen ausspielen konnte. 1988 wurde er Elfter beim Ironman Hawaii. Für Aufsehen sorgten außerdem zwei Dopingverstöße in den Jahren 2012 und 2018, nach denen Moats seinen Rücktritt aus dem Sport bekannt gab. Darum soll es hier nicht gehen, sondern vielmehr um die Todesursache des US-Amerikaners. Im vergangenen Jahr wurde bei Kevin Moats Hautkrebs diagnostiziert, die Lebenserwartung soll mit drei bis sechs Monaten prognostiziert worden sein. Moats hatte einen hellen Hauttyp und blonde Haare, war jedoch aufgrund des Outdoorsports stets stark gebräunt.

Letzteres dürfte auf viele von uns Triathletinnen und Triathleten zutreffen, denn bei mindestens zwei von drei Disziplinen sind wir in den Sommermonaten draußen unterwegs und somit im Training der Sonne viele Stunden lang zwangsläufig ausgesetzt. „Bei Sportlern mit einer starken Sonnenexposition ist das Risiko für Hautkrebs mehr als zehnfach erhöht. Bei Fußballern oder Radfahrern, die in den Neunzigerjahren aktiv waren, findet man jetzt bei fast jedem weißen Hautkrebs“, sagt Prof. Dr. Hans Michael Ockenfels. Der Dermatologe hat ein Hautkrebspräventionsprogramm für Sportler entwickelt und ist als beratender Arzt im IOC tätig.

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Weißer vs. Schwarzer Hautkrebs

Man unterscheidet zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs. Pro Jahr erkranken in Deutschland 200.000 bis 300.000 Menschen an weißem Hautkrebs. Er verspricht meist gute Behandlungserfolge, da er seltener streut. Schwarzer Hautkrebs ist aufgrund seiner schnellen Verbreitung über die Blutbahn und das Lymphsystem viel gefährlicher.

Er betrifft 20.000 bis 30.000 Menschen jährlich in Deutschland und hat seinen Ursprung häufig in veränderten Muttermalen. Der Zeitpunkt der Erkrankung liegt meistens zwischen dem 60 und 70 Lebensjahr, die Ursache für die Krebsentwicklung findet sich jedoch deutlich früher.

Risikofaktoren

Der größte Risikofaktor für Hautkrebs ist die Sonne – insbesondere, wenn man sich ihr ungeschützt aussetzt. „Eine leichte Rötung der Haut, die am Anfang des Sommers bei ungebräunter Haut schnell auftritt, ist nicht so schlimm. Einen schmerzhaften Sonnenbrand, bei dem sich die Haut schält, sollte man aber unbedingt vermeiden“, sagt Prof. Dr. Ockenfels.

Wovon sind sie abhängig?

Die Risikofaktoren sind von mehreren Faktoren abhängig und können sich verstärken. Menschen mit einem hellen Hauttyp sind stärker gefährdet. „Entscheidend ist zudem die einfallende Lichtdosis“, erklärt der Dermatologe. Ein einzelner Wettkampf mit mehreren Stunden Dauer sei weniger problematisch, viel mehr Bedeutung hätten allerdings die vielen Trainingsstunden, die man in der Sonne verbringt. „Der UV-Index spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. In Deutschland liegt er im Sommer meist bei fünf bis sechs, im Süden deutlich darüber – auch bereits zu früheren Jahreszeiten“, fügt Ockenfels hinzu. Der UV-Index ist ein weltweit normiertes Maß, das die Stärke der UV-Strahlung angibt, die letztlich für die Entstehung von Sonnenbrand verantwortlich ist. Ab einem Wert von acht spricht man von einer sehr hohen Belastung. Das gilt es besonders im Trainingslager oder bei Wettkampfreisen zu beachten, denn in der Nähe des Äquators liegen die Indexwerte größtenteils darüber.

Wie kann man Hautkrebs rechtzeitig erkennen?

Hautkrebs lässt sich gut behandeln, wenn er rechtzeitig erkannt wird. Hier hilft ein jährliches Screening beim Hautarzt. Du solltest dennoch darauf achten, ob du etwas Ungewöhnliches an deiner Haut bemerkst – insbesondere, wenn du viele Muttermale hast. „Veränderte Hautstellen, die etwa schuppig sind, vielleicht sogar bluten, und über mehrere Wochen nicht verschwinden, sind ein Warnzeichen und sollten abgeklärt werden“, sagt Ockenfels.

Wie kann man sich schützen?

Ein wirksamer Schutz vor Hautkrebs ist verhältnismäßig einfach: Sonnencreme respektive allgemeiner Sonnenschutz durch Kleidung, Schatten und so weiter. Hierbei gibt es allerdings ein paar Dinge zu beachten, damit der Schutz richtig wirkt. „Entscheidend ist ein passender Lichtschutzfaktor. Dieser sollte je nach Hauttyp, Körperstelle und Jahreszeitpunkt zwischen 25 und 50 liegen“, sagt der Medizinier. Konkret heißt das: Je heller die Haut, desto höher muss der Lichtschutzfaktor sein. Das gilt ebenfalls für die ersten Sonnenstunden des Jahres sowie stark belastete Körperregionen, wie etwa das Gesicht. Der Lichtschutzfaktor gibt an, um wieviel sich der Eigenschutz der Haut verlängert. „Eine hellhäutige Person kann etwa 15 Minuten ungeschützt in der Sonne bleiben, ohne sich zu verbrennen. Mit einem Lichtschutzfaktor 30 sind es siebeneinhalb Stunden“, erklärt Ockenfels. Du kannst dir entsprechend leicht ausrechnen, was für deine Trainingseinheit oder den Wettkampf das Sonnenschutzmittel der Wahl ist. Du musst dir übrigens keine Gedanken machen, dass der Schutz durch Wasser und Schweiß komplett verschwindet. „Die UV-Filter ziehen ein und verbinden sich mit der Haut. Daher kann man durch Nachcremen den Schutz allerdings auch nicht erhöhen, er erlischt irgendwann einfach“, sagt Dr. Ockenfels. Mehr zum Thema Sonnenschutz lest ihr in der nächsten Ausgabe der triathlon, die ab dem 22. Juni erhältlich ist.

Fazit

Das Hautkrebsrisiko ist bei Triathleten erhöht, da sie im Training und Wettkampf oftmals der Sonne ausgesetzt sind. Die Schäden, die die Haut dadurch davonträgt, entstehen während der gesamten Lebenszeit. Sie potenzieren sich allerdings, weshalb sich die negativen Konsequenzen erst im höheren Alter zeigen. Ein hoher Lichtschutzfaktor ist unabdingbar, um dich davor zu schützen. Sommerbräune und Tanlines gibt es auch mit Sonnencreme, einen Sonnenbrand solltest du jedoch unbedingt vermeiden.

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6 Kommentare

  1. Ich finde gut, dass Ihr auf dieses wichtige Thema hinweist. Ich kann überhaupt nicht verstehen, wenn sich z.B. jemand bei einer LD in der Wechselzone nicht die Zeit zum Nachcremen nimmt. Da sollte der Schutz der Gesundheit wichtiger sein, als die 2 Minuten, die man vielleicht verliert…

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Anna Bruder
Anna Bruder
Anna Bruder wurde bei triathlon zur Redakteurin ausgebildet. Die Frankfurterin zog nach dem Studium der Sportwissenschaft für das Volontariat nach Hamburg und fühlt sich dort sehr wohl. Nach vielen Jahren im Laufsport ist sie seit 2019 im Triathlon angekommen und hat 2023 beim Ironman Frankfurt ihre erste Langdistanz absolviert. Es war definitiv nicht die letzte.

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