Donnerstag, 18. Juli 2024

Sascha (42) mag es schlicht

Der Raum macht auf den ersten Blick einen kargen Eindruck. Die Wände sind schlicht weiß, zwei Finishermedaillen baumeln etwas verloren von den Rohrleitungen, eine Schweiz-Flagge gibt Hinweise auf den Standort der Pain Cave. Ein Bild sorgt für einen bunten Kontrast. Ansonsten: keine Poster, keine heroischen Fotos vergangener Tage, keine Wall of Fame. Sascha Hofstetters Credo: „Keep it simple.“ So einfach es eben geht in einem Multifunktionsraum, der zugleich Waschküche, Heizraum und Fitnessstudio ist.

Training um fünf Uhr morgens

So trennt dann auch das Bügelbrett samt –eisen die Trainingsfläche vom ursprünglichen Zweck des Raumes ab. Zur technischen Ausstattung gehört ein Finnlo-Endurance-Laufband. „Seit ich Vater von zwei Töchtern bin, verbringe ich zirka fünf bis zehn Stunden im Keller, oftmals schon ab fünf Uhr morgens, wenn meine Familie noch schläft“, sagt der Polizist: „Dafür habe ich mir ein gutes Laufband gekauft.“ Neben dem befindet sich vor einem Ventilator eine Tacx-Neo-2-Rolle, in die der 42-Jährige fest sein altes Cervelo P2C gespannt hat.

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privat

Es ist gewissermaßen die letzte nicht ganz so ruhige Ruhestätte für den Renner, der nicht mehr auf der Straße zum Einsatz kommt – mit dem der Feuerthalener aber ganz besondere sportliche Momente verbindet. „Das Rad war schon in Roth, Lanzarote und Las Vegas mit dabei“, verrät Hofstetter. Die drei exemplarischen Rennen hat der Schweizer nicht zufällig ausgewählt. Es sind die Orte seiner größten Triumphe – jeder auf seine Weise. So war die Teilnahme an der Ironman-70.3-WM 2011 in Las Vegas ein Highlight, ebenso wie die Langdistanz-Bestzeit von 10:03 Stunden bei der Challenge Roth. 

Emotionalster Moment: Ironman Lanzarote

Alles aber stellt der Ironman Lanzarote in den Schatten. „Den zu finishen war das Emotionalste, was ich sportlich bisher erlebt habe“, sagt Hofstetter. Dabei geht es längst nicht um die Zeit von 11:22 Stunden, sondern darum, überhaupt angekommen zu sein. „Nach einem sehr guten Schwimmen und einem starken aber überzockten Radfahren bin ich beim Laufen hochgegangen und war froh, das Ziel erreicht zu haben“, erinnert sich der Familienvater, den im Mai 2019 eine Schulteroperation auf dem Weg zur zweiten Ironman-70.3-WM-Teilnahme gestoppt hat. „2020 wollte ich mich für ‚The Championship Samorin 2021’ qualifizieren. Das dürfte derzeit aber schwierig sein“, sagt Hostetter, der nun andere Ziele verfolgt: „Ich möchte eine Langdistanz unter zehn Stunden absolvieren, und falls die Ironman-70.3-WM nach Kärnten kommt, strebe ich die Qualifikation sicher an.“

privat

Zum Triathlon ist der Schweizer in relativ frühen Jahren gekommen. Der damalige Handballer und ambitionierte Läufer stieg mit 14 Jahren beim Triathlon ein. Seine erste Distanz: 150 Meter Schwimmen, zehn Kilometer Radfahren und 2,5 Kilometer Laufen. „Seitdem bin ich dem Triathlon komplett verfallen“, betont der 42-Jährige, der mittlerweile „unzählige Rennen von der Sprint- bis zur Langdistanz“ absolviert hat.

Fernseher sorgt für Bespaßung

Vorbereitet hat sich Hofstetter dafür unter anderem in seiner persönlichen Trainingskammer im Keller. Die ist ebenso schlicht wie aufgeräumt. Die Laufschuhe werden geordnet im weißen Regal aufbewahrt, auf dem unter anderem ein Exemplar des Buches „Zugseiltraining“ von triathlon-Herausgeber Frank Wechsel steht. Zur Anwendung der Übungen ist direkt daneben ein Zugseil an einem Karabinerhaken an der Wand angebracht. Vor dem Rollentrainer steht derweil ein Regal, auf dem ein Flachbildfernseher thront. Abwechslung ist während der Einheiten garantiert. „Zur Bespaßung schaue ich DVDs oder streame Filme und Serien“, sagt Sascha Hofstetter. Und dann finden sich neben Bügeleisen, Hanteln und Trainingsmatten in dem Regal unter dem Fernseher noch Videospiel-Controller – eben ein echter Multifunktionsraum. 


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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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