Alte Trainingsweisheiten prägen das Triathlontraining bis heute – vom sogenannten Nüchterntraining über „viel hilft viel“ bis zur Angst vor zu viel Körperfett. Doch was ist wissenschaftlich haltbar, was überholt?
War früher alles besser? Bestimmt nicht. Triathlontraining hat sich weiterentwickelt, bei vielen Aspekten haben wir heute schlicht einen besseren Kenntnisstand – wissenschaftlicher Forschung sei Dank. Einige Glaubenssätze oder Annahmen halten sich dennoch hartnäckig – nicht vollkommen zu Unrecht. Denn Trainingsweisheiten entstehen nicht zufällig. Sie basieren oft auf Erfahrung, Beobachtung und einem wahren Kern. Das Problem beginnt dort, wo aus situativen Erkenntnissen allgemeingültige Regeln werden. Zeit also, ein paar dieser alten Wahrheiten einzuordnen – und zu prüfen, was sie heute noch taugen.
Viel hilft viel
Die Trainingsweisheit ist so alt wie der Ausdauersport selbst: Wer viel trainiert, wird gut. Wer sehr viel trainiert, wird sehr gut. Und tatsächlich steckt darin ein wahrer Kern. Umfang ist einer der stärksten Reize für strukturelle Anpassungen – mehr Kapillaren, mehr Mitochondrien, bessere Ökonomie. Diese Prozesse entstehen nicht durch einzelne harte Einheiten, sondern durch Wiederholung und Trainingszeit.
Problematisch wird die Aussage, wenn sie vom Kontext gelöst wird. Profis trainieren 25 bis 35 Stunden pro Woche, aber sie schlafen, regenerieren und strukturieren ihren Alltag um das Training herum. Für Agegrouper mit einem „klassischen“ Beruf, Familie und eingeschränkter Regenerationszeit kann „viel“ schnell zu viel werden. Der gleiche Umfang, der beim Profi Anpassung erzeugt, führt im Amateuralltag zu chronischer Müdigkeit, stagnierender Leistung oder Verletzungen – insbesondere beim Laufen.
Entscheidend ist deshalb nicht die absolute Stundenzahl, sondern die individuell verträgliche Dosis. Umfang wirkt dann positiv, wenn er wiederholbar ist. Wenn du Woche für Woche solide trainieren kannst, ohne permanent am Limit zu stehen, entsteht Progression. Wer hingegen immer an der Belastungsgrenze operiert, sammelt zwar Trainingsstunden – aber keine nachhaltige Anpassung.