Ironman-Weltmeister Sam Laidlow fordert die Offenlegung medizinischer Ausnahmegenehmigungen für verbotene Substanzen im Triathlon. Ein aktueller Datensatz zeigt, wie häufig solche Fälle tatsächlich vorkommen.

Die Diskussion um medizinische Ausnahmegenehmigungen im Anti-Doping-System bekommt neuen Auftrieb: Ironman-Weltmeister Sam Laidlow hat eine Initiative gestartet, die mehr Transparenz im Umgang mit sogenannten Therapeutic Use Exemptions (TUE) fordert. Dabei handelt es sich um Genehmigungen, die es Athletinnen und Athleten erlauben, aus medizinischen Gründen eigentlich verbotene Substanzen oder Methoden zu nutzen. Konkret ruft der Franzose andere Profis dazu auf, eine Petition zu unterzeichnen, die auf eine Veröffentlichung aller TUEs abzielt.
„Dieser Vorschlag soll nicht dazu dienen, Athletinnen und Athleten mit berechtigten medizinischen Bedürfnissen zu stigmatisieren“, erklärt Laidlow. Vielmehr gehe es darum, „dass alle unter den gleichen Informationsvoraussetzungen antreten und das Vertrauen in das System bei Athleten, Fans und Partnern erhalten bleibt“.
Forderung nach einheitlicher Transparenz
Im Kern möchte Laidlow eine standardisierte und zugängliche Offenlegung von TUEs – sowohl während der Wettkampfsaison als auch rückblickend. Transparenz müsse „einheitlich, standardisiert und zugänglich“ umgesetzt werden. Gleichzeitig erkennt er an, dass medizinische Daten sensibel sind: „Dort, wo rechtliche oder medizinische Datenschutzgrenzen gelten, sollte ein Rahmen geschaffen werden, der sinnvolle Transparenz ermöglicht und gleichzeitig legitimen Schutz wahrt.“ Für Laidlow ist klar: „Transparenz, sowohl zum Zeitpunkt des Wettkampfs als auch im Nachhinein, ist eine notwendige Weiterentwicklung für die Glaubwürdigkeit des professionellen Triathlons.“
Was die Daten zum Triathlon zeigen
Ein Blick auf die von der International Testing Agency (ITA) veröffentlichten TUE-Daten relativiert die Debatte zumindest teilweise. Im Zeitraum von 2019 bis 2025 wurden im Triathlon insgesamt 78 TUE-Anträge erfasst.
- Genehmigt oder anerkannt: 54 Fälle (rund 69 Prozent)
- Zurückgezogen: 17 Fälle (rund 22 Prozent)
- In Bearbeitung: 6 Fälle
- Abgelehnt: 1 Fall
Damit bewegt sich der Triathlon im Verhältnis zu anderen Ausdauersportarten im unteren Bereich der Fallzahlen. Zum Vergleich: Im Radsport wurden im selben Zeitraum mehr als 300 Anträge registriert, im Schwimmen knapp 200. Auffällig ist vor allem die sehr geringe Ablehnungsquote. Nur ein einziger Antrag wurde im Triathlon im untersuchten Zeitraum abgelehnt. Gleichzeitig liegt der Anteil genehmigter TUEs in einer ähnlichen Größenordnung wie in anderen Ausdauersportarten.
Zwischen Transparenz und Datenschutz
Die Forderung nach mehr Offenheit trifft auf ein System, das bislang stark auf Vertraulichkeit setzt. TUEs enthalten sensible medizinische Informationen und werden deshalb nicht öffentlich gemacht. Auch die ITA veröffentlicht ihre Daten ausschließlich anonymisiert und aggregiert, ohne Rückschlüsse auf einzelne Athletinnen oder Athleten zuzulassen.
Genau hier liegt der zentrale Konflikt: Während Laidlow mehr Transparenz als Voraussetzung für Glaubwürdigkeit sieht, verweisen Anti-Doping-Organisationen auf den Schutz persönlicher Gesundheitsdaten. Die verfügbaren Zahlen zeigen zudem, dass TUEs im Triathlon kein Massenphänomen sind. Schätzungen zufolge benötigen nur ein bis drei Prozent der Athletinnen und Athleten überhaupt eine solche Ausnahmegenehmigung.
Debatte mit offenem Ausgang
Laidlows Initiative könnte dennoch eine neue Dynamik in die Diskussion bringen. Gerade im vergleichsweise kleinen Profifeld des Triathlons könnte eine vollständige Offenlegung schnell konkrete Rückschlüsse auf einzelne Athleten zulassen – selbst bei anonymisierten Daten. Ob sich ein Mittelweg zwischen Transparenz und Datenschutz finden lässt, bleibt offen.









