Nach einem dramatischen Rennen mit vielen Wendungen und Führungswechseln hat der Neuseeländer Hayden Wilde hat die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft von Nizza gewonnen. Lasse Nygaard Priester finisht als bester Deutscher auf Platz 5.

Um 7 Uhr fiel der Startschuss zu einer Ironman-70.3-Weltmeisterschaft, die als eine der spannendsten in die bisher 20-jährige Geschichte dieses Formats eingehen wird. Das zeigte sich schon beim Auftakt im Mittelmeer: Beim Schwimmen blieb gleich die Hälfte des elitären Feldes in einer Spitzengruppe zusammen, aus der sich kein einziger Athlet absetzen konnte. Nur 22 Sekunden trennten die ersten 27 Athleten nach den 1,9 Schwimmkilometern im Morgengrauen vor der Côte d’Azur.

Seth Rider führt das Feld in die erste Wechselzone
Der Amerikaner Seth Rider war nach 23:28 Minuten der Erste, der den Geröllstrand vor der Promenade des Anglais erreichte, dicht gefolgt vom Italiener Michele Bartolamedi, dem Briten Sam Dickinson, Jamie Riddle aus Südafrika und Simon Westermann aus der Schweiz. Aus Deutschland mit wenigen Sekunden Rückstand dabei: Jonas Schomburg (7.), Cedric Osterholt (11.), Rico Bogen (15.), Lasse Nygaard Prieser (17.), Fabian Kraft (18.) und Janik Schaufler (24.). Erst nach dem Norweger Kristian Blummenfelt auf Platz 27 riss eine Lücke von 48 Sekunden.

Viele Führungswechsel in den Bergen
Auf dem Rad konnten auch die Anstiege der Voralpen mit dem dem 963 Meter hohen Col de Vence das Feld nicht zerreißen. Ständige Führungswechsel bestimmten das Bild, nach Bartolamedi zeigten sich der Däne Valdemar Solok, Lasse Nygaard Priester, Josh Ferris aus Australien, der Südafrikaner Jamie Riddle, Jonas Schomburg und schließlich in ständigem Wechsel der Neuseeländer Hayden Wilde und der Weltmeister von Lahti 2023, Rico Bogen, an der Spitze. Schließlich war es erneut Bartolamedi, der die Spitzengruppe in die zweite Wechselzone führte, aber von Hayden Wilde auf dem ersten Kilometer gestellt wurde.

Smalltalk an der Spitze
Doch Wilde sollte nicht lange allein im Rampenlicht bleiben. Lasse Nygaard Priester pirschte sich Schritt für Schritt an den Neuseeländer heran, schloss nach vier Kilometern zum Führenden auf, der ihn prompt in ein Gespräch über die weitere Taktik verwickelte. Priester ließ sich nicht beeindrucken und biss sich fest – mal war Wilde vorn, mal der Deutsche. 200 Meter dahinter zeigte erneut Michele Bartolamedi, dass auch in der Weltspitze Überraschungen möglich sind. Der Italiener hielt sich lange auf Platz 3, bekam erst nach sieben Kilometern Gesellschaft vom Belgier Jelle Geens. Dahinter sorgten der Norweger Gustav Iden, der hier 2019 den Titel geholt hatte, Jonas Schomburg und Casper Stornes, der hier ein Jahr zuvor das norwegische Trio zum Clean Sweep auf dem Podium der Ironman-WM geführt hatte, für Druck. Auch Kristian Blummenfelt gab sich nicht geschlagen, Rico Bogen musste dagegen abreißen lassen.

Priester versucht alles
Nach der Hälfte der Distanz sah es zunächst so aus, als wenn Priester eine Lücke reißen könnte, doch die Antwort von Wilde folgte unmittelbar. Mit einer Attacke übernahm der Neuseeländer die alleinige Führung, Prieser geriet schnell in die Defensive, denn hinter Geens (50 Sekunden zurück) übernahm Blummenfelt die Position der Lokomotive im norwegischen Zug.
Fünf Kilometer vor dem Ziel wurde es dramatisch: Erst lief Jelle Geens an Lasse Nygaard Prieser vorbei, dann Kristian Blummenfelt zunächst an Priester, dann auch an Geens. Wildes Vorsprung in diesem Moment: noch eine knappe Minute. Und die schmolz dahin, Blummenfelts schneller Schritt strotzte von Entschlossenheit, Wildes Ausdruck behielt die Coolness, als beide sich am letzten Wendepunkt begegneten.

Blummenfelts Rekordlauf reicht nicht ganz
Im Finale war die Strecke nicht lang genug für den Norweger, um das Blatt noch wenden zu können: Nach 3:50:51 Minuten konnte Hayden Wilde seinen ersten Weltmeistertitel feiern, 18 Sekunden später Kristian Blummenfelt einen neuen Halbmarathonrekord feiern: In 1:05:12 Minuten lief der Vizeweltmeister deutlich schneller als sein Landsmann Casper Stornes an gleicher Stelle vor fünf Jahren.

Das Podium komplettierte Jelle Geens, der das Ziel 1:48 Minuten nach dem Sieger erreichte. Gustav Iden wurde Vierter, Lasse Nygaard Priester als bester Deutscher Fünfter vor Casper Stornes. Jonas Schomburg erreichte als zweitbester Deutscher mit Platz 8 die Top 10, Rico Bogen wurde am Ende 17., direkt gefolgt von Fabian Kraft.

Wilde: „Ich hatte keine Uhr – es fühlte sich an wie 3:10er-Pace“
Der neue Weltmeister Hayden Wilde hatte Nizza im Vorfeld als sein Hauptziel des Jahres ausgegeben – und nun geliefert. „Es ist großartig, ein Rennen so umzusetzen. Als ich auf die Promenade kam und bei etwa Kilometer 15 war, fühlten sich die Beine richtig gut an. Ich dachte: Okay, den Haken können wir setzen, einfach weiterlaufen.“ Bei Kilometer 19 sei es dann noch einmal eng geworden: „Da musste ich richtig tief gehen, der Vorsprung waren immer noch nur 30 Sekunden. Ich habe im Kopf gerechnet – ich hatte keine Uhr, aber es fühlte sich an wie 3:10er-Pace. Kristian ist schon Zeiten unter drei Minuten gelaufen, um mich einzuholen. Also nur: weiterdrücken, weiterdrücken, über die kleine Welle drüber und dann bergab.“ Ganz angekommen sei der Titel im ersten Zielinterview noch nicht: „Ehrlich gesagt, es sackt noch. Es ist einfach schön, es geschafft zu haben.“

Blummenfelt: „Es ist ein bitteres Gefühl, wieder Zweiter zu werden“
Kristian Blummenfelt haderte im Ziel trotz Podium mit dem Ergebnis. Auf die Frage, ob er nach dem Radsplit noch an den Sieg geglaubt habe, sagte der Norweger: „Ich hielt es für realistisch – und ich hatte gehofft, dass Hayden noch etwas mehr einbricht, so wie vor zwei Jahren in Taupō.“ Verloren habe er das Rennen wie damals in der Abfahrt: „Oben auf dem Anstieg war ich in einer guten Position, vielleicht neun Sekunden hinter der Spitze. Dann habe ich in der Abfahrt gegen Marten van Riel und ein paar andere Zeit verloren. Ich dachte eigentlich, ich würde noch mehr bluten – im Kopf hatte ich mit dreieinhalb, vier Minuten Rückstand gerechnet. Deshalb war ich fast schon froh, nur zweieinhalb Minuten hinter den Führenden zu sein. Da dachte ich, es sei noch möglich.“

Sein inoffizieller Laufsplit von 1:05:12 Stunden ist der schnellste, der von ihm und jedem anderen über die Halbdistanz bekannt ist. „Ich weiß nicht, wie genau die Strecke vermessen ist, aber ich habe mich stark gefühlt, gerade auf den letzten fünf Kilometern, als ich wirklich alles rausgeholt habe, um Hayden noch zu kriegen. Die Zuschauer haben mich fast davongetragen. Diese WM-Atmosphäre mit zwei Renntagen ist großartig, weil sie noch mehr Menschen an die Strecke bringt.“ Sein Fazit: „Einerseits bin ich glücklich, den Weg zurück aufs Podium gefunden zu haben. Aber es ist ein bitteres Gefühl, schon wieder Zweiter zu werden. Glückwunsch an Hayden, er hat es zusammengebracht, vor allem auf dem Rad.“
Ergebnisse: Ironman 70.3 World Championships
Profis
Männer
| Platz | Name | Land | Gesamt | 1,9 km Swim | 93,3 km Bike | 21,1 km Run |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Hayden Wilde | 🇳🇿NZL | 3:50:51 | 23:44 | 2 2:16:50 | 3 1:07:21 |
| 2 | Kristian Blummenfelt | 🇳🇴NOR | 3:51:09 | 23:50 | 2:19:02 | 1 1:05:12 |
| 3 | Jelle Geens | 🇧🇪BEL | 3:52:40 | 23:39 | 2:18:51 | 2 1:07:12 |
| 4 | Gustav Iden | 🇳🇴NOR | 3:53:16 | 24:40 | 1 2:16:43 | 1:08:51 |
| 5 | Lasse Nygaard Priester | 🇩🇪GER | 3:54:08 | 23:41 | 2:17:13 | 1:10:22 |
| 6 | Casper Stornes | 🇳🇴NOR | 3:54:23 | 23:44 | 2:17:34 | 1:09:43 |
| 7 | Jamie Riddle | 🇿🇦RSA | 3:54:44 | 23:32 | 2:17:50 | 1:10:11 |
| 8 | Jonas Schomburg | 🇩🇪GER | 3:55:23 | 23:34 | 2:17:59 | 1:10:54 |
| 9 | Sam Dickinson | 🇬🇧GBR | 3:55:40 | 3 23:31 | 2:17:48 | 1:11:08 |
| 10 | Michele Bortolamedi | 🇮🇹ITA | 3:55:51 | 2 23:30 | 3 2:17:06 | 1:12:28 |
| 11 | Nick Thompson | 🇦🇺AUS | 3:56:04 | 24:41 | 2:17:46 | 1:10:22 |
| 12 | Kacper Stepniak | 🇵🇱POL | 3:56:27 | 23:46 | 2:19:12 | 1:10:30 |
| 13 | Simon Viain | 🇫🇷FRA | 3:56:50 | 24:41 | 2:19:38 | 1:09:29 |
| 14 | Seth Rider | 🇺🇸USA | 3:57:07 | 1 23:28 | 2:18:15 | 1:12:18 |
| 15 | Josh Ferris | 🇦🇺AUS | 3:57:20 | 23:41 | 2:17:09 | 1:13:27 |
| 16 | Simon Westermann | 🇨🇭SUI | 3:57:47 | 23:34 | 2:19:04 | 1:12:07 |
| 17 | Rico Bogen | 🇩🇪GER | 3:59:15 | 23:40 | 2:17:08 | 1:15:27 |
| 18 | Fabian Kraft | 🇩🇪GER | 3:59:38 | 23:42 | 2:23:53 | 1:08:38 |
| 19 | Marten Van Riel | 🇧🇪BEL | 3:59:47 | 23:34 | 2:18:54 | 1:14:02 |
| 20 | Felix Forissier | 🇫🇷FRA | 4:00:03 | 24:45 | 2:18:28 | 1:13:54 |
| 21 | Gregor Payet | 🇱🇺LUX | 4:00:35 | 24:38 | 2:22:46 | 1:10:20 |
| 22 | Andrea Salvisberg | 🇨🇭SUI | 4:00:47 | 23:36 | 2:22:07 | 1:11:54 |
| 23 | Morgan Pearson | 🇺🇸USA | 4:01:40 | 23:36 | 2:26:06 | 1:08:56 |
| 24 | Blake Harris | 🇨🇦CAN | 4:01:43 | 24:40 | 2:25:24 | 1:08:23 |
| 25 | Casimir Moine | 🇫🇷FRA | 4:03:04 | 23:36 | 2:24:27 | 1:11:43 |
| 26 | Jannik Schaufler | 🇩🇪GER | 4:03:22 | 23:45 | 2:24:17 | 1:12:02 |
| 27 | Jens Emil Sloth Nielsen | 🇩🇰DEN | 4:03:34 | 28:18 | 2:24:02 | 1:08:03 |
| 28 | Vicente Hernandez Cabrera | 🇪🇸ESP | 4:03:37 | 23:48 | 2:25:45 | 1:10:25 |
| 29 | Nathan Guerbeur | 🇫🇷FRA | 4:03:39 | 25:16 | 2:22:04 | 1:12:45 |
| 30 | Joran Driesen | 🇧🇪BEL | 4:03:44 | 24:41 | 2:24:43 | 1:11:03 |
| 31 | Valdemar Solok | 🇩🇰DEN | 4:04:15 | 23:39 | 2:22:13 | 1:15:18 |
| 32 | Henry Räppo | 🇪🇪EST | 4:04:30 | 23:42 | 2:26:17 | 1:11:09 |
| 33 | Ben Faeh | 🇨🇭SUI | 4:06:11 | 23:38 | 2:25:35 | 1:13:41 |
| 34 | Quentin Barreau | 🇫🇷FRA | 4:07:09 | 23:43 | 2:25:53 | 1:14:28 |
| 35 | Nicholas Holmes | 🇺🇸USA | 4:10:00 | 25:25 | 2:32:01 | 1:09:46 |
| 36 | Cedric Osterholt | 🇩🇪GER | 4:10:50 | 23:38 | 2:28:34 | 1:15:08 |
| 37 | James Teagle | 🇬🇧GBR | 4:11:10 | 25:29 | 2:31:24 | 1:11:05 |
| 38 | Yago Alves | 🇧🇷BRA | 4:11:48 | 25:21 | 2:30:21 | 1:12:41 |
| 39 | Yoann Colin | 🇦🇺AUS | 4:12:01 | 24:43 | 2:28:55 | 1:14:53 |
| 40 | Valentin Rouvier | 🇫🇷FRA | 4:12:14 | 25:25 | 2:30:03 | 1:13:06 |
| 41 | Jason West | 🇺🇸USA | 4:12:40 | 24:40 | 2:30:50 | 1:14:00 |
| 42 | João Ferreira | 🇵🇹POR | 4:12:58 | 25:19 | 2:31:31 | 1:12:43 |
| 43 | Enzo Krauss | 🇧🇷BRA | 4:17:06 | 25:22 | 2:29:54 | 1:17:59 |
| 44 | Jeremy Maclean | 🇺🇸USA | 4:17:20 | 24:44 | 2:30:39 | 1:18:33 |
| 45 | Jarrod Osborne | 🇦🇺AUS | 4:17:45 | 26:58 | 2:31:58 | 1:15:26 |
| 46 | Kurt Mcdonald | 🇦🇺AUS | 4:19:23 | 24:45 | 2:33:30 | 1:17:52 |
| 47 | Cenzino Lebot | 🇫🇷FRA | 4:20:15 | 23:44 | 2:25:43 | 1:27:25 |
| 48 | Martin Baeza | 🇨🇱CHI | 4:24:50 | 24:42 | 2:38:48 | 1:17:52 |
| 49 | Matthew Mcgoey | 🇺🇸USA | 4:26:16 | 24:43 | 2:40:54 | 1:17:07 |
| 50 | Emmanuel Lejeune | 🇧🇪BEL | 4:29:05 | 25:24 | 2:41:30 | 1:18:32 |
| 51 | Matheus Menezes | 🇧🇷BRA | 4:39:55 | 26:57 | 2:50:21 | 1:18:45 |
| 52 | Simon Shi | 🇺🇸USA | 4:51:04 | 24:48 | 2:52:36 | 1:29:04 |
| Zachary Bernier-Michaud | 🇨🇦CAN | DNF | 26:58 | |||
| Filipe Azevedo | 🇵🇹POR | DNF | 24:44 | 2:32:05 | ||
| Marcel Bolbat | 🇩🇪GER | DNF | 25:28 | |||
| Jonathan Guisolan | 🇨🇭SUI | DNF | 25:30 | |||
| Gabriel Sandör | 🇸🇪SWE | DNS |


















