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Lars Wichert bloggt
Vom Bike-Fitting in den „Win-Tunnel“

Nach dem New Bike Day stand für Lars Wichert das Einstellen des neuen Rades an. Dass hierbei nichts dem Zufall überlassen wird, sollte er im Laufe der Tage erfahren.

Nils Nilsen Vom Winde verweht: Lars Wichert hat die Chance, die optimale Position für sich auf dem neuen Rad im Windkanal zu testen.

Da war es nun, das neue Fahrrad, enthüllt im Windkanal. Oder – wie die Mitarbeiter von Specialized sagen – im „Win-Tunnel“. Hier werden die letzten Watt gesucht, die man sparen kann, sofern die Position zu halten ist. Im optimalen Fall ist es gar nicht schwer, die bessere Position zu halten, aber das sollte alles erst in den nächsten beiden Tagen folgen. Mit der Präsentation des neuen Triathlonfahrrades war der erste Tag vorüber und zum weiteren Kennenlernen ging es noch zum gemeinsamen Abendessen.

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Früh geht es ins Becken

Der erste offizielle Tag ging früh los, am Abend hatte ich noch gedacht, ich könnte ausschlafen, aber nichts da. Um 5:40 Uhr klingelt mein Wecker, um sechs Uhr hatten wir im gegenüberliegenden Freibad Bahnen für uns gebucht. Mit Wollmütze und dicken Sachen trottete ich allen anderen hinterher. Fünf Grad waren es, die Sonne zeigte sich noch nicht ganz hinter den Bergen am Horizont, aber die Palmen wurden schon in einen goldenen Morgenglanz gesetzt. Über der Wasseroberfläche des Pools schwebte ein leichter Nebel vom warmen Wasser. Was für eine Atmosphäre, wenn ich diese Szenerie bei mir zu Hause hätte, ich glaube, ich wäre jeden Morgen so früh im Becken. Sowieso, die Mentalität des frühen Schwimmens oder generell des Schwimmens in den USA ist eine, mit der ich mich anfreunden kann. Ein 50-Meter-Pool, der quergeleint ist, es gibt nur Schwimmbahnen und sollte man treiben wollen, gibt es ein zusätzliches Becken. Kreiseln muss nicht erklärt werden, das macht man hier wohl aus Routine. Auf unbekannte Weise eine coole Sache und ein Genuss, der mich nun jeden Morgen um sechs Uhr erwarten sollte.

Nils Nilsen Alles hört auf sein Kommando, Tim Don in der Rolle des Schwimmtrainers.

Gemeinsam tüfteln

Nun zum eigentlichen Thema, dem Bike-Fitting. Ich war erst am zweiten Tag dran. Wir wurden in jeweils zwei Gruppen mit drei Sportlerinnen und Sportlern aufgeteilt. Die eine Gruppe hatte Interviews, Social-Media und andere Dinge am ersten Tag und am zweiten dann das Retül-Fit, den metabolischen Test sowie den Windkanal. Die andere Gruppe eben wiederum alles in der anderen Reihenfolge. Ich gehörte zu denen, die am zweiten Tag in den Windkanal durften.

Die erste Station des gesamten Prozesses des Einstellens war die Retül-Fit-Station. Hierbei wurden erst einmal Daten zur Körpergröße und Beweglichkeit erfasst, die Schuhe wurden kontrolliert, ob die Cleatstellung zum Stand passt, die Sitzbeinhöcker zum Sattel – und wenn das alles in Ordnung war, dann ging es zum Fahrrad. Man selbst wurde mit Messpunkten verkabelt, auf das Fahrrad gesetzt und dann ging es los. Der Einstellprozess: hier den Sattel höher, damit der Beinwinkel passt, dort die Extensions runter oder doch anders anstellen und immer wieder der Austausch zwischen Fitter und einem selbst. Es war ein gemeinsamer Dialog, um die optimale Position zu finden. Schlussendlich war sie da, die Position, mit der der Bike-Fitter und auch ich zufrieden waren. Für jemanden, der detailverliebt ist, gerne an allen Schrauben selbst dreht und es äußerst reizvoll findet, mit jemandem gemeinsam zu arbeiten, der auch Spaß daran hat, jemandem alles zu erklären, der war hier richtig aufgehoben. Fast wie für mich gemacht. Es war erst die erste von drei Stationen, zwei spannende sollten noch folgen.

Nils Nilsen Der Prozess der richtigen Sitzposition ist ein Dialog zwischen dem Athleten und dem Bike-Fitter.

Über den metabolischen Test zur Sitzposition

Der metabolische Test bestand aus sechsmal dreimal vier Minuten im Bereich der Leistung, die man im Wettkampf auf der Langdistanz fahren möchte oder 75 % des FTP-Wertes. Hört sich alles komplizierter an, als es ist. Es wurden drei Positionen getestet (Baseline, +1 Zentimeter und -1 Zentimeter) und darauf geachtet, in welcher Position der geringste Energieverbrauch für die jeweilige Leistung nötig war. Damit der Energieverbrauch bestimmt werden konnte, wurde der Test mit einer Maske zur Atemgasanalyse, wie bei einem VO2max-Test, verwendet. Dabei wurde immer mit vier Minuten in der Basebar angefangen, nach vier Minuten wurde in die Aeroposition gewechselt und dann nach weiteren vier Minuten die Stufe in der Basebar abgeschlossen. Danach erfolgte dann eine Veränderung der Lenkerhöhe um einen Zentimeter nach oben oder nach unten. Ein Balkendiagramm verdeutlichte das Ergebnis, anhand dessen abgelesen werden konnte, welche Position vom Energieverbrauch die günstigste war.

Nils Nilsen Basebar und Aerobar immer im Wechsel, um zu erfahren, welche Position in Bezug auf den Energieverbrauch die effizienteste ist.

„Win-Tunnel“ und die finale Position

Endlich, mein Rad eingespannt auf der Rolle im Windkanal von Specialized. Für die nächsten Stunden gehörte der Windkanal mir und ich durfte testen, was ich wollte. Zu Beginn ging es erst einmal darum, die richtige Position der Überhöhung zu finden. Mit den Ergebnissen des metabolischen Tests wussten wir, welche Position vom Energieaufwand die beste war. Dennoch, die richtige Position, gerade bei einer Langdistanz, ist ja eine Kombination aus beidem, dem Energieverbrauch und der aerodynamischen Position des Fahrers. Ich kann eine noch so gute Position auf dem Rad haben, dem Wind wenig Angriffsfläche bieten, aber wenn es die Haltung ist, die am meisten Energie verbraucht, dann sollte es mit in die Überlegung einfließen. Bei mir hatte sich im metabolischen Test gezeigt, dass eine Einstellung um einen Zentimeter tiefer einen deutlich höheren Energieverbrauch aufweist. Deshalb war die Empfehlung der Spezialisten eher auf der Baseline zu bleiben oder sogar einen Zentimeter höher zu wechseln.

Nachdem alle drei Positionen im Windkanal getestet waren, entschieden wir uns für einen Kompromiss, die mittlere Position. Die tiefere fühlte sich für mich vom Hüftwinkel zu eng an, die höhere war komfortabel, zeigte aber auch schlechtere Werte für die Aerodynamik, deshalb alles zurück auf die Anfangsposition, die wir schon im Retül-Fit gefunden hatten. Von hier aus testeten wir dann weiter und Tim Don stand immer wieder mit Rat und Tat zur Seite. Armpads weiter nach vorne, Armpads enger zusammen, Flasche hinter den Sattel, Aeroflasche im Rahmen, Helm mit oder ohne Brille, Anzüge, die ich mitgebracht hatte, gegen den Anzug, den wir bekommen sollen. So ging das eine ganze Weile, bis meine Zeit und alles, was ich testen wollte, am Ende war. Unglaublich, wie die Zeit (sprichwörtlich) verfliegt. Ich hätte noch den ganzen Tag testen können. Ein Erlebnis, das so schnell nicht – oder vielleicht nie – wieder kommt. Was übrig geblieben ist, ist die Sitzposition, an die ich mich gewöhnen muss. Muskelkater, der ein paar Tage zu spüren war, und die Erkenntnis, dass alle Mitarbeiter sowie Sarah True und Tim Don richtig Lust darauf hatten, jeden einzelnen von uns für seine kleine Welt perfekt aufs Rad zu bekommen. Mal schauen, was die Position dann im Wettkampf wert ist.

Nils Nilsen Zum Abschluss ging es noch auf die Straßen Kaliforniens, wo die finale Position das erste Mal in freier Wildbahn getestet wurde.

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2 Kommentare
  1. Benny

    Darf das ganze Material eigentlich übernommen werden oder bekommt man es sogar geschenkt?

  2. Bernd

    die Position muss man fahren können – sieht gut aus und Gratulation. Ich habe die gleichen Erfahrungen beim Schwimmtraining in den USA gemacht – nur bei uns geht das halt nicht so gut

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