NEU! triathlon-News Ausgabe vom 19. Oktober, 06:01 Uhr · 1:01 Min · Kurzfassung

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Rocket Science: Mit diesem Rad will Jan Frodeno Europa- und Weltmeister werden

Es ist das wohl letzte Triathlonrad, das Canyon für Weltmeister Jan Frodeno gebaut hat: Für die Mission Ironman-Comeback hat sich der Koblenzer Hersteller von der NASA inspirieren lassen.

Frank Wechsel / spomedis

9. November 1967. Aus einem Naturreservat auf Merritt Island an der Westküste Floridas ragt sie 100 Meter in die Höhe: Die mächtige Saturn-V-Rakete, mit der die Amerikaner den Wettlauf zum Mond gegen die Russen gewinnen wollen. Neun Sekunden bis Mittag. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 … Eine Sekunde nach High Noon bebt die Erde rund um die Startrampe LC-39A des Kennedy Space Centers. Und dann hebt sie ab: Die stärkste je von Menschen gebaute Maschine der Welt. Die Mission Apollo 4 wird 190 Kilometer in die Höhe steigen, zweimal die Welt umrunden, dann noch einmal in eine Höhe von 18.000 Kilometern aufsteigen und schließlich die Apollo-Kapsel im Atlantik wassern. Die Helden des 20. Jahrhunderts bleiben zunächst noch am Boden, erst am 21. Dezember 1968 lassen sich Astronauten von der Saturn V zum Mond, drumherum und zurück fliegen. Am 16. Juli 1969 schließlich landen Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin als erste Menschen auf dem Erdtrabanten. Die Amerikaner haben das Rennen gewonnen.

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56 Jahre später, ein Pop-up-Store des hippen Sportartiklers Ryzon in der Hamburger Wexstraße. Alle warten gespannt auf einen Helden des 21. Jahrhunderts. Ohne Countdown kommt er plötzlich um die Ecke gebogen: Jan Frodeno, Olympiasieger, dreifacher Ironman-Weltmeister. Heute ist es der Mensch, der die Maschine schiebt, nicht umgekehrt. Wie Jan Frodeno aussieht, wissen hier alle. Die Augen richten sich auf sein neues Rad.

Seit vielen Jahren arbeitet Frodeno mit der Marke Canyon zusammen, hat das Speedmax mit den Koblenzern mit- und weiterentwickelt und ist den marktreifen Produkten dabei meistens einen Schritt voraus. Die meisten Features des Speedmax CF CFR Disc sind schon so weit entwickelt, dass hier keine weiteren bahnbrechenden Neuerungen in der bald endenden Ära Frodeno mehr zu erwarten sind. Es ist das Design, mit dem der 41-Jährige noch einmal Zeichen setzen will. Das Design, das der Apollo-Ära mit der Saturn V nachempfunden wurde. Der stärksten Maschine ihrer Zeit.

Flächen in Schwarz und Weiß, veredelt mit weltmeisterlichem Gold: das neue Speedmax von Jan Frodeno.

Elemente des funktionalen Raumfahrt-Designs der 1960er-Jahre finden sich überall am Speedmax: Große Flächen in Schwarz und Weiß wechseln sich ab. Hier und da erkennt man Mission Statements, Meilensteine aus Frodenos Karriere. So heißt es beispielsweise mit Datumsstempel 12.10.2019, Kona, Hawaii: „As for the reason why, the answer is simple: because I can.“ Oder zum 19.8.2008, einem Tag, der in die deutsche Triathlongeschichte einging: Beijing, China – „I didn’t have a plan B, so plan A had to work.“

Frank Wechsel / spomedis

Die Saturn V war die stärkste Rakete ihrer Zeit, brachte den meisten Schub. Erst in jüngster Zeit wurde sie von Elon Musks Starship übertrumpft. Ein Zeitenwechsel im Weltraum. Auch auf den Triathlonstrecken? Jan Frodeno wird seinen Schub mit goldener Kette auf den Asphalt übertragen. Dabei setzt er auf die Speedplay-Pedale von Wahoo und die Technologie von SRAM. Einen Umwerfer gibt es nicht, für die Beschleunigung sorgt ein schwarzes Custom-Kettenblatt am Red-1-AXS-Powermeter.

Im Weltraum ist die Aerodynamik egal, doch auf dem Weg dorthin spielt sie eine entscheidende Rolle. Das haben sich auch die Entwickler bei der Konstruktion der hinteren Flaschenhalteraufnahme gedacht. Der „Gorilla Cage“ von XLAB thront auf einer Flosse, die offenbar für eine noch geschmeidigere Weiterleitung der Luft hinter der Sattelstütze sorgen soll. Der Flaschenhalter befindet sich durch seine erhöhte Position nun direkt hinter dem Piloten, wo er dem „Aero-System“ keinen Schaden zufügen kann. Er wurde sozusagen aus der auch schon „dreckigen“ Luft hinter der Stütze in einen noch „dreckigeren“ Bereich versetzt.

Frank Wechsel / spomedis

Das Cockpit ist die Schaltzentrale jedes Raumschiffs und auch des Speedmax von Jan Frodeno. Von unten gesehen erinnert die geschlossene Konstruktion an das Space Shuttle. Die Auflagen sind so geformt, dass die Arme (mit den um den Monogriff geschlossenen Händen), der Aufnahmeblock für den Trinkschlauch in der Mitte und das Cockpit selbst eine Einheit bilden, die nahezu keine Zwischenräume hat, in denen die Luft verwirbeln könnte.

Jan Frodeno steht kurz vor Abschluss seiner Mission. Am Sonntag startet er in Hamburg bei der Europameisterschaft von Ironman, am 10. September könnte mit der erstmals in Nizza ausgetragenen Weltmeisterschaft Schluss sein. Das Mission Badge am Sattelrohr fasst schon jetzt die Höhepunkte seiner Karriere zusammen. Drei hawaiianische Leis stehen für die Weltmeistertitel in Kailua-Kona. Der chinesische Drache für den Olympiasieg. Ein Aero-Helm umkreist unermüdlich den Globus. Godspeed für den GOAT. Und eine erfolgreiche Rückkehr!

Frank Wechsel / spomedis
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Frank Wechsel
Frank Wechselhttps://tri-mag.de
Frank Wechsel ist Publisher der Medienmarken SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist 15-facher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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