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SzeneFrodeno liegt in direkten Duellen klar vor Sanders

Frodeno liegt in direkten Duellen klar vor Sanders

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PTO Im World Ranking der PTO stehen Jan Frodeno und Lionel Sanders auf den Plätzen eins und drei. Die Organisation fasst die Stärken und Schwächen der Athleten zusammen.

Jan Frodeno gegen Lionel Sanders: Der Kanadier hat dem Deutschen virtuell den Fehdehandschuh vor die Füße geworfen und den dreifachen Ironman-Weltmeister über Social Media zu einem Kräftemessen herausgefordert. Frodeno hat angenommen. Nur die beiden Athleten, im Zweikampf. Grund genug, im Vorfeld einen echten Head-to-head-Vergleich zu ziehen. Wie gingen die Duelle der beiden bislang aus?

Frodeno körperlich im Vorteil

Rein körperlich liegt Frodeno vorn. Mit 1,93 Metern ist der 39-Jährige 16 Zentimeter größer als sein kanadischer Konkurrent, bringt mit 75 Kilogramm aber nur zwei Kilogramm mehr auf die Waage. In puncto Energiemanagement dürfte der Deutsche damit auf den ersten Blick effizienter arbeiten als Sanders, der in Relation mehr Muskelgewebe mit Sauerstoff versorgen muss, aber auch sechs Jahre jünger ist.

Sanders liegt im direkten Vergleich hinten

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Die Statistik spricht derweil eine deutliche Sprache – für Jan Frodeno. Die Statistikseite der Professional Triathletes Organisation (PTO) führt bei neun direkten Vergleichen acht Siege des aktuellen Ironman-Weltmeisters an. Lediglich einmal kam Lionel Sanders vor Jan Frodeno ins Ziel: bei der Ironman-WM 2017, als der Titelverteidiger sich mit Rückenschmerzen auf Rang 35 (9:15:55 Stunden) ins Ziel quälte. Hinter Patrick Lange verpasste Sanders damals seinen ersten Hawaii-Sieg um 2:27 Minuten (8:04:07 Stunden).

Sanders profitiert von Reifenpanne Frodeno

Was die PTO-Statistik im direkten Vergleich verschweigt: Der Kanadier hat noch ein weiteres Rennen im direkten Duell erfolgreicher beendet als Frodeno. Beim Ironman 70.3 Oceanside am 1. April 2017 deutete sich nach dem Schwimmen zwar ein Sieg des 39-Jährigen an, doch eine Reifenpanne am Hinterrad auf Kilometer 27 warf den zuvor in Führung liegenden Frodeno in der zweiten Disziplin weit zurück. 22 Minuten Rückstand hatte der Deutsche beim zweiten Wechsel und entschied sich, das Rennen im US-Bundesstaat Kalifornien aufgrund von Rückenproblemen aufzugeben, um keine schwereren Verletzungen zu riskieren. Sanders brachte das Rennen derweil unbeeindruckt in 3:50:04 Stunden nach Hause und hatte nach einem guten Schwimmen (25:20 Minuten) mit 2:05:42 Stunden einen herausragenden Radsplit auf der Uhr stehen – die Grundlage für seinen Erfolg.

Sanders 2015 auf Tuchfühlung mit Frodeno

Die weitere Statistik sieht einen klaren Sieger im Duell der beiden Kontrahenten. Bei acht zusätzlichen direkten Aufeinandertreffen hatte Frodeno jeweils das bessere Ende für sich. Im Zusammenhang mit seiner Herausforderung hatte Lionel Sanders am 10. Juni auf Instagram ein Bild gepostet, das ihn im Laufduell beim Ironman 70.3 Oceanside 2015 knapp vor Frodeno zeigt. Darunter schrieb der 33-Jährige: „Das einzige Mal, dass ich auf Tuchfühlung mit Jan Frodeno war.“ Am Ende landete der Deutsche in 3:47:08 Stunden auf Rang eins, Sanders lief nach 3:49:19 Stunden als dritter ins Ziel.

Erstes Aufeinandertreffen im Jahr 2014

Ein erstes Aufeinandertreffen der beiden Athleten gab es am 3. Mai 2014 beim Ironman 70.3 in St. George, als Frodeno in 3:45:21 Stunden triumphierte. Sanders kam nach 3:55:07 Stunden auf Rang 18 ins Ziel. Vier Monate später war es bereits ein Duell auf Augenhöhe, als der Kanadier bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft am 7. September 2014 vor heimischer Kulisse in Mont Tremblant das Podium nach 3:46:03 Stunden auf Rang vier knapp verpasste – aber an Land (Rad und Laufen) schneller als alle anderen Athleten war. Frodeno sicherte sich die Vizemeisterschaft hinter Javier Gomez in 3:42:11 Stunden.

Im Jahr 2015 begegneten sich die beiden ebenfalls zwei Mal auf der Strecke. Neben dem Rennen in Kalifornien kämpften sie um die WM-Krone auf Hawaii, die Frodeno in dem Jahr das erste Mal gewann (8:14:40 Stunden). Sanders kam nach 8:36:26 Stunden auf Platz 14 ins Ziel.

Ironman Hawaii 2016 Podium
Frank Wechsel / spomedis Während Jan Frodeno (Bildmitte, neben Sebastian Kienle (li.) und Patrick Lange) 2016 seinen zweiten WM-Titel auf Hawaii feiert, landet Lionel Sanders auf Rang 29.

Abschneiden auf Hawaii 2016 motiviert Sanders

2016 kreuzten sich die Wege lediglich bei einem Rennen: Erneut auf Hawaii kam es zum Duell, bei dem Frodeno den Kanadier weit distanzierte. Bei seinem zweiten WM-Sieg in Kona verpasste der Deutsche mit 8:06:30 knapp die magische Acht-Stunden-Marke, während Sanders in 8:44:49 Stunden auf Rang 29 landete. Der Abstand zur Weltspitze um Frodeno veranlasste den heute 33-Jährigen damals unter anderem dazu, zu unkonventionellen Trainingsmethoden zu greifen. Über Social-Media-Kanäle präsentierte sich Sanders bei quälenden Einheiten auf der Rolle, gefolgt von Laufbandtraining – unterbrochen durch einen Saunagang. Die Vorbereitung auf die hawaiianische Hitze sollte möglichst realistisch sein. Es folgte 2017 besagtes Aufeinandertreffen mit dem Titelverteidiger auf Big Island mit dem Vizetitel für Sanders und dem verhinderten DNF von Frodeno.

Duell auf Hawaii fällt 2018 aus

Enger ging es beim zweiten Duell der beiden in Oceanside zu. 2018 kreuzten Sanders und Frodeno lediglich bei dem Mitteldistanzrennen in Kalifornien die Klingen – und lieferten jeweils ein konstant gutes Rennen. Während der Deutsche mit dem schnellesten Schwimmsplit bereits den Grundstein für den späteren Sieg legte (22:20 Minuten), blieb der Kanadier als Sechster mit 24:35 Minuten auf Tuchfühlung zur Spitze. Auf dem Rad (2:08:21 Stunden) und beim Laufen (1:10:05 Stunden) war Frodeno ebenfalls nicht einzuholen. Sanders legte in beiden Disziplinen (2:08:42 Stunden und 1:11:28 Stunden) die zweitschnellste Zeit hin, was ihm Rang zwei (3:48:58 Stunden) hinter Frodeno (3:45:05 Stunden) einbrachte. Im selben Jahr fiel das Duell auf Hawaii aus, da Frodeno verletzungsbedingt nicht antreten konnte. Sanders erwischte keinen guten Tag und kam nach 8:30:34 Stunden als 28. ins Ziel, während Patrick Lange bei seinem zweiten Hawaii-Erfolg mit 7:52:39 Stunden unter der Acht-Stunden-Marke blieb.

Großer Abstand auf Big Island 2019

Noch schneller präsentierte sich Frodeno ein Jahr später an gleicher Stelle, wo er das nächste Mal in einem Rennen auf Sanders traf. Bei seinem dritten Hawaii-Titel unterbot der Deutsche Langes Bestmarke aus dem Vorjahr sogar noch und sicherte sich in 7:51:13 Stunden die Krone. Schon nach dem Schwimmen kam Sanders mit einer Fünf-Minuten-Hypothek in die Wechselzone, die auch mit der fünftschnellsten Radzeit (4:15:22 Stunden) nicht aufzuholen war. Beim Laufen musste der Kanadier der Aufholjagd Tribut zollen und kam nach 3:13:42 Stunden in der dritten Disziplin als 22. ins Ziel (8:25:54 Stunden).

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Challenge Miami Letztes Aufeinandertreffen: Bei der Challenge Miami im März 2021 wird Sanders zweieinhalb Minuten hinter Frodeno Zweiter.

Ergebnis von Miami versprich mehr Spannung für anstehendes Duell

Das letzte Duell der Kontrahenten verspricht mit Blick auf das nun anvisierte Aufeinandertreffen weitaus mehr Spannung. Bei der Challenge Miami am 12. März 2021, die Frodeno nach langer Wettkampfpause in beeindruckender Manier gewann, trennten beide nur knapp 2:30 Minuten im Ziel. Vieles wird darauf ankommen, wie Sanders im Head-to-head-Duell durch die erste Disziplin kommt. Auf der Rad- und Laufstrecke ist ihm alles zuzutrauen. Der 33-Jährige hat in den vergangenen Wochen hart an sich gearbeitet und seine Trainingsblöcke für den Ironman Coeur d’Alene im US-Bundeststaat Idaho absolviert. Er geht also vermutlich topfit in das Duell mit Frodeno, der in diesem Jahr bislang die Rennen, in denen er gestartet ist, dominiert hat. 

Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
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