Kaum ein anderes Trainingsgerät steht so für effizientes Training wie der Smarttrainer. Doch gerade diese scheinbare Perfektion kann zum Fallstrick werden. Denn es gibt Situationen, Trainingsphasen und körperliche Voraussetzungen, in denen Indoor-Intervalle mehr schaden als nützen.
Einer der größten Vorteile des Indoor-Trainings ist gleichzeitig einer seiner größten Gefahren: der ERG-Modus. Er gibt die Wattzahl vor, unabhängig des körperlichen Befindens. Was draußen über Atmung, Trittgefühl oder Tagesform reguliert wird, übernimmt drinnen der Algorithmus. Durch diese Kontrolle können Trainingsziele deutlicher erfüllt werden, aber sie führt auch dazu, dass Athleten körperliche Warnsignale übergehen. Wer angeschlagen, müde oder leicht erkältet ist, würde draußen automatisch langsamer fahren. Indoor hingegen kennt der Smarttrainer kein Erbarmen, der Athlet will mithalten. Die Folge können überzogene Intensitäten sein, die das Immunsystem zusätzlich belasten, die Regeneration stören oder bestehende Dysbalancen verstärken. Studien aus der Trainingswissenschaft zeigen, dass subjektive Belastungswahrnehmung ein entscheidender Marker für sinnvolle Intensitätssteuerung ist und genau diese Rückkopplung wird im ERG-Modus systematisch gedämpft.
Ebenso fehlt das intuitive Schalten. Welcher Gang wird bei welcher Belastung gewählt, wie kann ich meine Trittfrequenz richtig halten und welchen Gang sollte ich wählen? All diese Fragen werden vom ERG-Modus beantwortet, und gerade Einsteiger häufig nicht für die eigene Sensibilität geschult.