Ironman Hamburg in 7:50:42 Stunden: Lars Wicherts Weg zur Agegroup-Weltbestzeit

Schon im Jahr 2021 hatte Lars Wichert den Ironman Hamburg, seinen allerersten Triathlon überhaupt, gewonnen – in der schnellsten Zeit, die je ein Agegroup-Rookie auf der Langdistanz erreicht hatte. 2024 wollte er seinen Sieg wiederholen. Wir haben unseren Kollegen natürlich auf Schritt und Tritt begleitet.

Der Name Lars Wichert kommt vielen Lesern und Usern aus unseren Medien bekannt vor. Seit zwei Jahren ist Lars als Redakteur bei triathlon und tri-mag.de angestellt. Seine Stimme ist vielen Hörern auch aus unserem Podcasts Carbon & Laktat bekannt. Heute war Lars beim Ironman Hamburg in privater Mission unterwegs. Und das sehr erfolgreich …

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Sonntagmorgen, 6:20 Uhr auf dem Hamburger Jungfernstieg. Während die Profifrauen schon schwimmen und die anderen Agegrouper mit Badekappe und Schwimmbrille auf den Start zum Ironman Hamburg 2024 warten, hält Lars Wichert noch ein entspanntes Pläuschchen.

Frank Wechsel / spomedis

Fünf Minuten später ist auch bei ihm die Anspannung zu spüren. 2021 hat er das Rennen als Rookie, bei seinem allerersten Triathlon überhaupt, gewonnen. 8:12:46 Stunden benötigte er damals, Rookie-Weltbestzeit. Heute möchte er seinen Sieg wiederholen. Und gern darf es auch noch etwas schneller werden.

Frank Wechsel / spomedis

Um kurz nach halb Sieben macht sich Lars auf die 226 Kilometer lange Reise. Er will als Erster im Ziel sein. Beim Rolling Start lässt er zunächst rund 30 Mitstreitern den Vortritt.

Frank Wechsel / spomedis

Als Lars wieder festen Boden unter den Füßen hat, ist es noch nicht ganz halb Acht. 57:48 Minuten ist der Ex-Ruderer heute geschwommen: Platz 86.

Nils Flieshardt / spomedis

Beim Wechsel sitzt jeder Handgriff. Nur 3:55 Minuten benötigt Lars Wichert in einer der längsten Wechselzonen der Triathlonwelt – vom Schwimmausstieg am Rathausmarkt bis zum Radbeginn am Ende des Ballindamms.

Der gebürtige Berliner kann es kaum erwarten, seine Lieblingsdisziplin in Angriff zu nehmen.

Nils Fieshardt / spomedis

Auf dem Rad dreht Lars auf, überholt Konkurrenten um Konkurrenten. Nach einer Radrunde ist nur ein einziger vor ihm geblieben. Den zermürbt er schließlich, als er 20 Kilometer vor dem Radziel den Hammer auspackt, wie er später im Kollegen-Interview erzählen wird.

Frank Wechsel / spomedis

Von der Elbchaussee hat der 37-Jährige keinen Blick für den imposanten Hafen Hamburgs. Der Journalist lebt mit seiner Familie auf der gegenüberliegenden Elbseite, die Kräne sieht er täglich auf dem Berufsweg.

Frank Wechsel / spomedis

In 4:03:55 Stunden prescht Lars Wichert durch die beiden flachen Radrunden, durch die heute ein mittlerer Wind weht. Auch in Wechselzone 2 ist er nicht zu bremsen: Ganze 3:19 Minuten braucht er für den gesamten Ballindamm – inkl. Sockenanziehen.

Dann geht es auf die vier Laufrunden – immer wieder mit dem Blick auf das Rathaus. Unserem Blick, denn Lars‘ Fokus ist auf Sieg eingestellt.

Frank Wechsel / spomedis

Seit dem zweiten Wechsel führt Lars nicht nur das Agegrouprennen, sondern den gesamten Ironman Hamburg an. Die Profi-EM ist hier für die Frauen ausgeschrieben, die Männer starten am 18. August in Frankfurt. Auch dort wird Wichert – wieder als Agegrouper – am Start sein.

Mithalten können hier und heute nur die Kampfrichter auf ihren Fahrrädern. Mit zunehmender Rundenzahl beginnen auch die Überrundungen der Agegroup-Mitstreiter. Aber vielleicht lässt sich der zweifache Olympiaruderer ja auch von seinen Ex-Sportkollegen ziehen?

Frank Wechsel / spomedis

Die ausgeklügelte Verpflegung ist das A und O einer erfolgreichen Langdistanz. Lars nimmt sich in der dritten Runde Zeit für einen Boxenstopp. Oder ist es ein Zeichen von Schwäche, dass er hier ein paar Schritte gehen muss? Nein, denn kurz danach dreht er wieder auf.

Auch den Marathon läuft Lars Wichert auf Profiniveau: 2:41:48 Stunden sind heute die drittschnellste Zeit für die 42 Kilometer. Als um kurz nach 14 Uhr weißer Rauch auf dem Hamburger Rathausmarkt aufsteigt, ist es Lars, der seinen Kopf als Erster durch die Nebelschwaden steckt.

In 7:50:42 Stunden wiederholt Lars seinen 2021er-Sieg beim Ironman Hamburg – fünf Minuten schneller als der Amerikaner Dan Plews, der 2023 in Sacramanto als erster Agegrouper die Acht-Stunden-Schallmauer durchbrach. Und so sehr Scott DeRue das Zielbanner auch festzuhalten versucht – das gibt Lars nicht mehr her. Aus gutem Grund, wie wir gleich erfahren werden.

Frank Wechsel / spomedis

Der neue Ironman-Chef DeRue lässt sich zwar das Banner nehmen, aber nicht die Chance, dem frisch gebackenen schnellsten Agegrouper der Ironman-Geschichte seine Finisher-Medaille umzuhängen.

Frank Wechsel / spomedis

Da die Profi-Frauen noch ein paar Minuten brauchen, hat Lars ausreichend Zeit für eine kleine Ehrenrunde. Das inzwischen aufgerollte Zielbanner behält er auch hier fest im Griff.

Denn das musste er seinen drei Söhnen versprechen: Das Zielbanner bringt Papa mit nach Hause. Und dazu eine ganze Menge Erinnerungen an einen historischen Tag beim Ironman Hamburg 2024.

Frank Wechsel / spomedis

Und damit zurück zur kursiven Schrift, wie wir sie schon am Anfang dieses Beitrags verwendet haben. Als Disclaimer sozusagen. Sind wir, bin ich, stolz auf unseren Kollegen Lars? Und wie! Dürfen wir das als Journalisten sein? Ich denke schon. Lars hatte sich bei uns beworben, nachdem wir damals eine Stelle ausgeschrieben haben. Und nachdem er schon einmal den Ironman Hamburg gewonnen hatte. Wir wussten, wer er ist. Aber wir haben ihn nicht wegen seines sportlichen Erfolgs eingestellt, sondern weil Lars eben Lars ist. So wie jede Kollegin und jede Kollegin bei uns etwas ganz Besonderes ist, ganz egal, ob und wie schnell sie oder er eine Langdistanz finisht oder wie oft er oder sie Kuchen in die Redaktion mitbringt. Lars ist Lars. Und weil er das bis heute geblieben ist, können wir den Sport und den Job auch meistens trennen. Ziel-Interviews sind da wohl die seltene Ausnahme …

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Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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