Mit dem Fahrrad eine Laufbestzeit aufstellen oder statt Rennrad heimlich E-Bike fahren? Auf Strava sollen falsch deklarierte Aktivitäten keine Chance mehr haben.

Wer sich Segment-Bestzeiten auf Strava ansieht, kann schnell den Eindruck bekommen, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Ist der Spitzenreiter auf einem Laufabschnitt vielleicht gar nicht gelaufen, sondern mit dem Fahrrad gefahren? Wurde bei der schnellen Radausfahrt tatsächlich ein Rennrad genutzt oder vielleicht ein E-Bike? Manche Zeiten wirken derart unrealistisch, dass schnell der Verdacht aufkommt, es könne geschummelt worden sein. Natürlich muss nicht immer böse Absicht dahinterstecken. Es kann auch passieren, dass Aktivitäten aus Versehen mit falschen Angaben hochgeladen werden.
Diesen Problemen hat Strava im März 2025 den Kampf angesagt. Nun präsentierte ein Software-Ingenieur des Unternehmens in einem Reddit-Forum erste Ergebnisse einer umfangreichen Aufräumaktion. Demnach wurden weltweit zahlreiche Bestenlisten überarbeitet und insgesamt 2,3 Millionen E-Bike-Aktivitäten aus den Ranglisten für Radsegmente entfernt. Die Fahrten waren als normale Radausfahrten hochgeladen worden und verfälschten damit die Ergebnisse auf unzähligen Segmenten.
Alle Bestenlisten auf Rad-Segmenten überarbeitet
Für die Bereinigung setzt Strava auf ein neues Machine-Learning-Modell, das speziell zur Erkennung von E-Bike-Aktivitäten entwickelt wurde. Im Zuge der Maßnahme wurden die jeweils besten 100 Aktivitäten auf allen Rad-Segmenten weltweit neu verarbeitet. Darüber hinaus hat Strava weitere Modelle eingeführt: Eines soll zuverlässig Fahrzeugfahrten identifizieren, die bislang ebenfalls immer wieder in Bestenlisten auftauchten. Ein weiteres Modul erkennt zudem, wenn vermeintliche Laufaktivitäten in Wirklichkeit Radfahrten sind.
Wie genau die falsch deklarierten Aktivitäten erkannt werden, verrät Strava nicht. Die in dem Reddit-Forum vom offiziellen Account des Unternehmens angegebenen Zahlen sind aber deutlich: Neben den 2,3 Millionen E-Bike-Fahrten will Strava 1,6 Millionen Fahrzeugaktivitäten entfernt haben. Rund 293.000 Athletinnen und Athleten rückten dadurch wieder in ihre „rechtmäßigen“ Top-Ten-Platzierungen auf Segmenten vor. „Das war kein kleines Feintuning, sondern ein globaler Neuabgleich“, schreibt der Software-Spezialist.
Reaktion auf Kritik
Mit der Aktion reagiert Strava auf eine seit Jahren anhaltende Kritik aus der Community. Vielen ambitionierten Sportlerinnen und Sportlern sind falsch deklarierte Aktivitäten schon lange ein Dorn im Auge. Für leistungsorientierte Nutzerinnen und Nutzer sind Segmentbestzeiten sowie Titel wie Local Legend oder Queen und King of the Mountain (QOM/KOM) ein zentraler Motivationsfaktor – umso wichtiger sind faire und vergleichbare Ergebnisse.









