Sonntag, 16. Juni 2024

Natascha Badmann erhält den Lifetime-Award 2021

Andre Hirtz Ralf Weitbrecht, Natascha Badmann und Frank Wechsel

Natascha Badmann ist die achte Preisträgerin des Lifetime-Awards der Zeitschrift triathlon. Die Redaktion ehrte die Schweizerin nicht nur für ihre großen Erfolge als Profitriathletin, die sechsmal die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii für sich entscheiden konnte, sondern auch für über ihr Karriereende herausgehendes Engagement für den Triathlonsport. Die Laudation bei der Preisverleihung auf der Sailfish Night of the Year in Langen hielt der langjährige Triathlonexperte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Ralf Weitbrecht:

Vor 30 Jahren, an einem sonnigen Sommertag, ist etwas Wunderbares passiert. Der flinke Finne Pauli Kiuri hat den Ironman Roth gewonnen. Doch es war nicht der heute als Abgeordneter im Parlament sitzende Kiuri, der beim fränkischen Triathlon-Klassiker im Fokus stand. Es war jemand anderes. Eine kleine, zierliche Frau mit einem großen Kämpferherzen: Thea Sybesma. Die erste Frau weltweit, die einen Ironman unter neun Stunden finishte. Eine herausragende Leistung.

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Es gibt viele starke Frauen in der Welt des Triathlons und des Ironman. Eine von ihnen hat es bislang in den illustren Kreis der Persönlichkeiten geschafft, die gegen Jahresende hier in der Stadthalle Langen mit einem ganz speziellen Preis gewürdigt werden: dem Lifetime Award. Nicole Leder, man glaubt es kaum, ist bislang die einzige, der diese besondere Ehre zuteilwurde.

Wer bekommt den Lifetime Award? Welche Kriterien sind dafür ausschlaggebend? Ist es nur die rein sportliche Leistung? Oder ist es auch die Haltung, die Einstellung, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Aufstiegen und Abstürzen, die jemanden zu einer unvergleichlichen, einmaligen Persönlichkeit werden lassen?

Bei der FAZ, bei der ich mich seit mehr als 30 Jahren auch um die faszinierende Sportart Triathlon kümmere, ist man sehr zurückhaltend, wenn es um Superlative geht. Legenden und Ikonen – mit derartigen Einschätzungen geht man sehr behutsam um. Doch es gibt sie. Im Boxen, im Fußball, in der Leichtathletik – und, ja, auch im Triathlon. Die Person, die heute mit dem Lifetime Award 2021 ausgezeichnet wird, hat diesen Preis so was von verdient. Er ist überfällig. Er geht – an eine Legende. An eine Frau. An eine fantastische Athletin, die nach ihren großartigen Triumphen unverschuldet zu Fall gekommen ist. Doch sie hat nicht aufgegeben. Sie hat das getan, was sie schon immer getan hat: mit unbändiger Lebenslust und Lebensfreude ihren Traum vom Triathlon gelebt.

Es ist nicht leicht, mit einem geschundenen, gebrochenen Körper wieder die Person zu werden, die jahrelang als Benchmark galt. Als die Königin von Kona. Als sechsmalige Championesse, von den Erfolgen her gleichauf mit den amerikanischen Ikonen Mark Allen und Dave Scott. Doch unsere wunderbare Preisträgerin hat es geschafft. Sie hat sich zurückgekämpft und im fortgeschrittenen Alter sogar noch einen Ironman gewonnen.

Sie wissen, wer den Lifetime Award in diesem Jahr erhält. Eine Frau mit einer schwierigen Kindheit, die früh doppelt Verantwortung für sich und ihre Tochter tragen musste. Eine Frau, die erst sehr spät den Weg zum Triathlon fand, seitdem begleitet von dem Partner ihres Lebens.

Ungelenk, moppelig, depressiv: So hat sich diese Frau früher selbst gefühlt und beschrieben. Der Sport hat sie zu einem anderen Menschen gemacht. Erst ist sie nur gelaufen und geradelt – und ist dreimal Weltmeisterin geworden. Dann ist auch noch das Schwimmen hinzugekommen, und aus dem Duathlon wurde der Triathlon. Die Sportart, die sie mit Liebe und Leidenschaft betreibt – im Zielkanal fröhlich hüpfend und die Arme ausbreitend. Wie ein Vogel. Unbelastet und frei.

In wenigen Tagen feiert diese Athletin von Weltrang einen halbrunden Geburtstag. Heute schon darf sie eine runde Sache feiern: den Lifetime Award 2021.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Triathlonfreunde: Heißen Sie herzlich willkommen die Preisträgerin aus unserem schönen Nachbarland Schweiz: die großartige Natascha Badmann.

Frank Wechsel / spomedis Natascha Badmann

Auch wir gratulieren Natascha Badmann herzlich und bedanken uns bei ihr für ihr bisheriges Lebenswerk – als Sportlerin, als inspirierende Persönlichkeit, als Team Captain, der Europa beim ersten Collins Cup zum Sieg geführt hat. Danke, Natascha!

Lifetime-Award von triathlon: Die Preisträger

JahrBegründung
2013: Thomas HellriegelErster Deutscher Hawaii-Sieger und langjähriger Begleiter des Triathlonsports
2014: Detlef KühnelBrachte den Ironman nach Deutschland und gründete in Roth ein Rennen mit Weltruf
2015: Andreas NiedrigZeigte, was Triathlon bewirken kann – und inspirierte Tausende Jugendliche zu einem gesuden Lebensstil
2016: Nicole LederBewies, dass der Begriff "Ironman" Frauen nicht ausschließt, und inspirierte viele Athletinnen, es ihr gleichzutun
2017: Kurt DenkGründete den Ironman Frankfurt und bewies erstmals, dass eine Langdistanz auch in einer Großstadt funktionieren kann
2018: Werner BrombachAls Inhaber der Brauerei Erdinger ermöglichte er vielen Triathleten, das Leben eines Sportprofis zu führen
2019: Hannes BlaschkeSein Name ist mit Hawaii verbunden wie kaum ein anderer in Deutschland – ein Urgestein mit Herz und Verstand
2021: Natascha BadmannDie sechsfache Queen of Kona zeigte, wie Sport Leben zum Positiven verändern kann, und inspirierte damit viele Tausende.
2022: Dr. Hermann AschwerMotivierte mit über 300 Finishes und 20 Büchern viele Menschen im In- und Ausland zum Triathlon
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Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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