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Norseman: Alistair Brownlee wird Zweiter bei der Titelverteidigung von Grue

Kristian Grue verteidigt seinen Norseman-Titel, Nikola Čorbová triumphiert im Debüt und Susanne Buckenlei feiert emotionales Comeback am Gaustatoppen.

Alexander Koerner Titel verteidigt: Der Norweger Kristian Grue gewinnt nach 2025 zum zweiten Mal den Norseman Xtreme Triathlon.

Um vier Uhr morgens legte die Fähre in Eidfjord ab, eine Stunde später öffnete sich mitten im Hardangerfjord die Ladeklappe. 250 Athletinnen und Athleten sprangen ins 14,7 Grad kalte, tiefschwarze Wasser. Von der Fähre bis zur Startlinie war es in diesem Jahr besonders weit. Gute 600 bis 700 Meter mussten Athleten nach der Aussage des Siegers Kristian Grue schwimmen, ehe sie die Startlinie erreicht hatten. So geschah es, dass der zweimalige Olympiasieger Alistair Brownlee und der spätere Sieger Grue beinahe den Start verpasst hätten. Mit dem Erklingen des Schiffshorns wrude der Norseman 2026 eröffnet. Mit diesem Bild begann am Samstagmorgen wieder einmal einer der spektakulärsten Langdistanztriathlons der Welt, der über 226 Kilometer vom Fjord über die Hochebene der Hardangervidda bis hinauf auf den 1.883 Meter hohen Gaustatoppen führt.

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Fast 8.000 Bewerbungen aus 100 Ländern waren für die begrenzten Startplätze eingegangen. Unter den per Losverfahren ausgewählten Agegroupern und den besten Athleten der XTRI World Tour sorgte in diesem Jahr vor allem ein Name für Aufmerksamkeit: Alistair Brownlee. Der zweimalige Olympiasieger (London 2012 und Rio 2016) war über Jahre eine der prägenden Figuren des Kurzdistanztriathlons, hat nach dem Ende seiner Profikarriere die Grenzerfahrung auf der Langdistanz für sich entdeckt.

Ruhige Oberfläche, harter Kampf

Die Bedingungen im Fjord wirkten beinahe ideal. Kaum Wind, spiegelglattes Wasser. Doch unter der Oberfläche lag offenbar eine Gegenströmung, die die Schwimmzeiten spürbar verlangsamte. Als Erster stieg Titelverteidiger Kristian Grue aus dem Wasser, Brownlee folgte als Sechster mit rund anderthalb Minuten Rückstand. Auf dem Rad war dieser Abstand schnell aufgeholt: Bereits nach 35 Kilometern, am Verpflegungspunkt Dyranut, hatte sich der Brite an die Spitze gesetzt.

Was folgte, war ein Match zweier Ausnahmeathleten quer über die Hardangervidda. Grue und Brownlee fuhren stundenlang nahezu gemeinsam, setzten sich rund zehn Minuten von der Verfolgergruppe ab und lieferten sich das erwartete Duell der Favoriten. Erst im weiteren Rennverlauf konnte sich der Norweger absetzen und seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen. Sonnenschein und trockene Bedingungen prägten den Tag, doch Gegenwind auf Teilen der Radstrecke verhinderte einen Angriff auf den Streckenrekord.

Am Ende stand für Grue die erfolgreiche Titelverteidigung. Nach 2025 sein zweiter Sieg in Folge, nachdem er zuvor zweimal Zweiter geworden war (2021, 2022). Brownlee sicherte sich bei seinem Norseman-Debüt einen starken zweiten Platz, musste sich aber noch einmal richtig strecken lassen. Der ehemalige Sieger Hans-Christian Tungesvik hielt lange Rang drei, wurde zwischenzeitlich überholt, konterte jedoch auf den letzten Kilometern und überquerte die Ziellinie am Gaustatoppen nur 35 Sekunden hinter Brownlee.

Frauenrennen bis zum Gipfel offen

Deutlich unberechenbarer verlief das Rennen der Frauen. Mit Julia Skala fehlte die Vorjahressiegerin und Streckenrekordhalterin (11:00:23 Stunden), die Nachfolge war also von Beginn an offen. Aus dem Wasser kam zunächst die Niederländerin Ilona Eversdijk, gefolgt von der Finnin Maisa Tuliniemi und Estée Chiara Larivière. Auf dem Rad blieb das Feld extrem eng beieinander. Zeitweise lagen acht Athletinnen innerhalb von acht Minuten, ehe sich die Norwegerin Tonja Lunde Johansen kurzzeitig an die Spitze setzte.

Beim Wechsel auf die abschließende Marathondistanz führte Tuliniemi vor der tschechischen Debütantin Nikola Čorbová, die 2025 den Himalayan XTRI gewonnen hatte, und der als Norseman-Podiumsstammgast bekannten Kaja Bergwitz-Larsen. Doch die entscheidenden Bewegungen sollten erst auf der Laufstrecke passieren. Helene Melsom Tungesvik, die mit über zwölf Minuten Rückstand in den Marathon gestartet war, lief eine der stärksten Zeiten des Tages und kämpfte sich bis auf Platz zwei nach vorn.

An der Spitze ließ sich Čorbová davon jedoch nicht mehr beirren. Mit einer über alle drei Disziplinen konstant starken Leistung feierte die Slowakin bei ihrem ersten Norseman-Start den Gesamtsieg. Hinter Tungesvik komplettierte die Spanierin Sonia Tomegros Regalado das Podium. Nur knapp vor Johansen, die noch Stunden zuvor in Führung gelegen hatte und das Podium am Ende um weniger als drei Minuten verpasste.

Buckenlei kehrt zurück – ohne Zeitdruck, aber mit großen Gefühlen

Für die deutsche Norseman-Geschichte war dieser 1. August ein besonderer Tag. Susanne Buckenlei, die das Rennen zwischen 2009 und 2011 dreimal in Folge gewonnen hatte, stand mit inzwischen 50 Jahren zum vierten Mal am Start. Als kleines Geschenk an sich selbst zu ihrem Geburtstag Ende Juni. Diesmal ging es der Wahl-Norwegerin nicht um Bestzeiten, sondern darum, das Rennen und den Ort ihrer größten Erfolge noch einmal bewusst zu erleben.

Im Interview nach dem Zieleinlauf blickte Buckenlei sichtlich bewegt zurück: Sie habe Respekt vor möglichen Beschwerden gehabt und sei zwischenzeitlich unsicher gewesen, ob sie das Rennen überhaupt zu Ende bringen könne. Ans Aufgeben habe sie trotzdem nie gedacht. Läuferisch habe sie auf dem flachen Teil der Strecke mit Problemen zu kämpfen gehabt und immer wieder Gehpausen einlegen müssen, dafür sei ihr zum ersten Mal in ihrer Norseman-Geschichte auf dem Rad der sonst so gefürchtete Gegenwind erspart geblieben. Trotz der körperlichen Schwierigkeiten schaffte sie es, wie in ihren Siegerjahren, den gesamten Aufstieg zum Gaustatoppen laufend zu bewältigen. Am Ende reichte es knapp nicht mehr für das schwarze, dafür aber für das weiße Finisher-Shirt. Besonders wichtig sei ihr gewesen, dass ihre Tochter sie an der Strecke live erleben konnte. Jeder Blickkontakt habe ihr noch einmal neuen Antrieb gegeben, sagte Buckenlei sichtlich stolz über den emotionalen Abschluss dieses Kapitels ihrer Karriere.

Starkes deutsches Kontingent

Mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stellte Deutschland eines der größeren Kontingente im Feld, dazu kamen acht Schweizer und ein österreichischer Starter. Bestes deutsches Ergebnis unter den begehrten schwarzen Shirts, die nur den ersten 160 Finishern mit Aufstieg auf den Gaustatoppen vorbehalten sind, erzielte Mareike Eißmann mit Rang zwölf in 13:36:36 Stunden bei den Frauen, was zugleich das einzige schwarze T-Shirt der für eine deutsche Frau war..

Schwarzes T-Shirt, Männer: 19. Roman Gutt, 20. Lennart Schweser, 22. Christian Reichelt, 38. Jens Althaus, 59. Jonas Ganzemüller, 78. Claus Unkel, 94. Felix Leder, 96. Jürgen Tobisch, 106. Manuel Loebach, 111. Josias Waldeck, 112. Tim Janke, 127. André Schneider.

Weißes T-Shirt, Frauen: 1. Susanne Buckenlei, 10. Tabea Wende.

Weißes T-Shirt, Männer: 30. Steffen Thürmer, 40. Matthias Bauer, 43. Ron Schneider, 49. Thorsten Firlus, 59. Felix Wanner.

Alle Ergebnisse findest du hier.

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Laura Klug
Athletin des Tages

Laura Klug

Triathlon Potsdam eV
33 Jahre
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Lars Wichert
Lars Wichert
Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.

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