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Olympia-Impressionen Frauen
Großes Glück für kleines Land

Noch nie hat ein Land mit so wenig Einwohnern eine olympische Goldmedaille gewonnen. Flora Duffy macht mit ihrem Sieg beim Triathlon von Tokio 62.000 Landsleute glücklich.

Noch nie hat ein Land mit so wenig Einwohnern eine olympische Goldmedaille gewonnen. Flora Duffy macht mit ihrem Sieg beim Triathlon von Tokio 62.000 Landsleute auf den Bermudas glücklich. Sie ist nicht die Einzige, die heute über sich hinauswächst.

Flora Duffy feiert den größten Erfolg ihrer Karriere – und den größten im Sport für ihr Land überhaupt.

Die Sonne ist da, jedenfalls manchmal. Noch zehn Kilometer und noch vier Kandidatinnen um das begehrte Edelmetall? Weit gefehlt, denn noch ist hier nichts entschieden.

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Flora Duffy nimmt früh das Heft in die Hand, setzt sich gleich zu Beginn der Laufstrecke ab. Da kann auch Laura Lindemann nur staunend zuschauen. Die Potsdamerin muss früh einsehen, dass es schwer wird, im Kampf um die Medaillen mitzuhalten.

Dazu drücken andere von hinten. Bei Georgia Taylor-Brown ist die Luft nur im Reifen raus, sie kann sich nicht damit zufrieden geben, dass eine Panne ihren Medaillentraum zunichte macht. Und Nicola Spirig ist eine Kämpferin, sowieso. Medaillen hat sie bei Olympia schon eingesammelt. Nun sammelt sie noch einmal Konkurrentinnen.

Auf den Geraden des Olympiakurses wird eine Vorauslaufende schnell zur Gejagten. Hier ist es Katie Zaferes, die bald den Atem von Georgia Taylor-Brown zu spüren bekommt. Die Aufholjagd der Britin wird am Ende mit Silber belohnt.

Mit alldem hat Anabel Knoll nichts zu tun. Für sie geht es heute darum, Erfahrungen zu sammeln, die sie mit einem Rennen dieser Dimension und Stärke noch nie hatte. Eine Erfahrung möchte sie jedoch vermeiden: Die einer Umrundung. Die bedeutet im Reglement des Weltverbands nämlich das Ausscheiden. Besenwagen in Konkurrenzform also. Und diese Gefahr wehrt Knoll erfolgreich ab.

Man kann die Laufleistung von Nicola Spirig nicht hoch genug einschätzen. Keine Athletin im Feld hat sich auf dem Rad so aufgeopfert wie die 39-jährige Schweizerin, die nicht nur Triathlonprofi, sondern auch Rechtsanwältin und dreifache Mutter ist. Und nun sammelt sie die Weltelite ein weiteres Mal ein. Gleich wird die Niederländerin Rachel Klamer ihr nächstes Opfer.

Für ganz vorn reicht es für Spirig heute nicht – ein Quäntchen Schwimmleistung hat am frühen Morgen gefehlt, um sie zum dritten Mal aufs Podium zu bringen. An der Spitze ist das Rennen längst entschieden: Flora Duffy macht für Außenstehende eine kleine Sportsensation perfekt. Für Insider ist der Triumph der logische Erfolg von vielen Jahren Weltspitze.

Völlig erschöpft sorgt Georgia Taylor-Brown ebenfalls für eine kleine Sensation: Silber trotz Fahrradpanne – es sollte ihr nun leicht fallen, einen neuen Reifensponsor zu finden. Ihre Tränen im Ziel sind die Freudentränen über gewonnenes Silber. Immerhin: Olympiasiegerin Duffy war im Laufen fast eine Minute schneller, es wäre wohl auch ohne Reifenpanne so ausgegangen.

Auch auf Platz drei große Freude: Lange hat Katie Zaferes um ihren Olympiastartplatz zittern müssen. Die Entscheidung des Verbands “USA Triathlon”, die Routinierin mit nach Tokio zu nehmen, wurde mit Bronze belohnt. Ende gut, alles gut.

Der Umgang der Medaillengewinnerinnen im Ziel ist schön anzusehen: Alle kennen sich seit Jahren, hier gönnt jede jeder etwas. Geteilte Freude ist mehrfache Freude. Auch für die wenigen, die diesen Moment hier miterleben durften.

Nicola Spirig beendet ihre olympische Triathlonkarriere auf Platz 6. Behaupten wir mal. Wobei, wenn wir genauer darüber nachdenken: Die nächsten Spiele in Paris sind ja nun nur noch drei Jahre entfernt …

Nach so vielen lachenden und freudigen Gesichtern im Ziel ist das der Achtplatzierten Laura Lindemann eigentlich das erste, aus dem sofort die volle Erschöpfung spricht. Oder auch etwas Enttäuschung? Lindemann war eine der stärksten Läuferinnen im weltweiten Triathlonzirkus, bevor eine Coronainfektion sie in der Olympiavorbereitung aus der Bahn warf. Eine Top-Ten-Platzierung dürfte aber Motivation sein. Wie gesagt: Paris 2024 ist drei Jahre nach Tokio 2020. Mathematisch seltsam, motivatorisch perfekt.

Und dann gibt es doch noch ein lachendes Gesicht im Deutschland-Trikot: Anabel Knoll hatte heute nichts zu verlieren, hat die Kolleginnen mit dem Besen abgewehrt und ist nun Olympia-Finisherin. Ihre Konzentration lag sowieso auf dem Mixed Team Relay am kommenden Samstag, wo sie mit Laura Lindemann, Jonas Schomburg und Justus Nieschlag am Samstag an den Start gehen wird.

Zum Abschluss Ehre, denen Ehre gebührt: Flora Duffy holt das allererste Olympiagold für die Bermudas, Georgia Taylor-Brown lässt sich vom Pannenteufel nicht ärgern und gewinnt die Silbermedaille und Katie Zaferes belohnt sich und den US-Verband für eine umstrittene Nominierungsentscheidung mit Bronze. Ein Olympiaergebnis, das den Spitzentriathlon der Frauen in den letzten Jahren widerspiegelt. Wir freuen uns auf das Mixed Team Relay am Samstag. Und schon jetzt auf Paris 2024!

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1 Kommentar
  1. Alexander Liedtke

    Moin, den letzten Satz evtl. noch mal auf Paris 2024 korrigieren. Danke für die tollen Berichte.

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