Wie viel Profisport steckt in einer guten Agegrouper-Saison? In der neuen Folge des Trainingspodcasts power & pace nehmen Frank Wechsel und Coach Björn Geesmann die Saisonplanung auseinander – mit einem Blick hinter die Trainingskulissen des Profitriathlons und der Frage, was davon im Alltag zwischen Job, Familie und Trainingsplan wirklich funktioniert. Herausgekommen ist ein Ratgeber mit bemerkenswert konkreten Zahlen: von 7.000 Kalorien am Tag über 25 Schwimmkilometer pro Woche bis zur Radflasche Wasser, die den Magen wettkampffest macht.

Der Profitriathlon hat sich in den vergangenen zehn Jahren radikal professionalisiert. „Es gibt nur noch Spezialisten“, sagt Björn, der neben seiner Arbeit für power & pace auch Profis betreut – wer heute vorn mitfahren wolle, dürfe sich in keiner der drei Disziplinen mehr eine Schwäche erlauben. Doch der Transfer funktioniert in beide Richtungen: Profis können sich vom Zeitmanagement der Altersklassenathleten einiges abschauen – und Agegrouper von den Prinzipien, mit denen Profis ihre Saison strukturieren. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Folge im Überblick.
Schlaf ist das wichtigste Regenerationstool
Wer eine volle Saison auf hohem Niveau durchstehen will, braucht vor allem eines: guten Schlaf. Läuft der nicht, gehen nach Björns Einschätzung schnell 10 bis 20 Prozent des Regenerations- und damit des Entwicklungspotenzials verloren. Als Merkhilfe für eine gute Schlafarchitektur nennt er die Formel QQRT: Quality, Quantity, Regularity, Timing. Erst wenn diese Basics stehen, lohne der Blick auf das i-Tüpfelchen – ein Supplement, eine bessere Matratze oder die persönliche Einschlafroutine. Björns eigene: immer dieselben, längst auswendig gekannten Podcastfolgen, nach fünf Minuten ist er weg.
Mehr ist mehr – aber nur, wenn der Körper es verarbeitet
Bei den Trainingsumfängen gilt laut Björn nach wie vor: Mehr ist mehr – entscheidend sei aber, wie viel davon der Körper verarbeiten kann. Profis absolvieren in Belastungswochen 28 bis 30 Trainingsstunden, 20 bis 25 Schwimmkilometer pro Woche sind Standard. Im Altersklassenbereich von power & pace liegt der QUALIFIER – die umfangreichste Kategorie mit Blick auf die Langdistanz – im Schnitt bei 14 bis 15 Wochenstunden mit Spitzen um die 20, der FINISHER bei rund zwölf. Dass Athleten solche Pensen neben Beruf und Familie stemmen, nötigt auch dem Coach Respekt ab – und zeigt für ihn die zunehmende Professionalisierung im Altersklassenbereich, die den Sport nachhaltiger macht.
Essen ist Trainingsfähigkeit
Eine Beispielrechnung aus dem Profibereich macht deutlich, warum Ernährung über das Trainingspensum entscheidet: Bei rund 1.200 Kilokalorien Energieumsatz pro Trainingsstunde kommen in einer 30-Stunden-Woche etwa 35.000 Kilokalorien zusammen – pro Tag müssen also rund 5.000 Kilokalorien allein für das Training zugeführt werden, plus etwa 2.000 für den Grundumsatz. „Ich muss auch futtern können“, bringt es Björn auf den Punkt. Die Fähigkeit, große Mengen zu essen und zu verdauen, sei ein eigener Leistungsfaktor.
Der Magen trainiert mit
Dazu passt der einfachste Praxistipp der Folge, den Frank beisteuert: jeden Tag eine Radflasche Wasser auf ex trinken. Das trainiert die Belastbarkeit des Magen-Darm-Trakts – die im Rennen gefordert ist wie kaum ein anderes System. Die Rechnung für Hawaii: Wer zwölf Stunden unterwegs ist und pro Stunde einen Liter trinkt, schickt zwölf Liter Flüssigkeit durch den Magen, Gels und Riegel noch nicht eingerechnet. Auch bei den Kohlenhydraten ist laut Björn weniger die aufnehmbare Menge trainierbar als die Verträglichkeit: Manche Athleten sind bei 60 bis 70 Gramm pro Stunde limitiert – das müsse in jede Pacing-Strategie einfließen. Sein Rat für Agegrouper: das eigene Verhältnis von Glukose und Fruktose austesten und einen Matchplan für Kohlenhydrate, Flüssigkeit und Leistung machen. Und die viel diskutierten Laktat-Gels? „Die Idee ist nett, ob es funktioniert, weiß niemand“ – für den Altersklassensport 2026 könne man das Thema entspannt hinten anstellen.
Professionalisierung wirkt: Krämpfe haben sich halbiert
Dass die Professionalisierung im Altersklassensport messbar ankommt, zeigt eine Studie, die Björn zitiert: Beim Ironman Hawaii hat sich der Anteil der Athleten, die wegen Krämpfen ins Medical Tent kommen, über rund 25 Jahre etwa halbiert – von etwa zwölf auf sechs Prozent. Die plausibelste Erklärung: Ernährung und Vorbereitung sind heute deutlich besser als in Zeiten, in denen Bananen, Riegel und pures Wasser die Wettkampfverpflegung waren.
Saisonplanung heißt Orientierung
Für die eigene Saisonplanung empfiehlt die Folge einen nüchternen Blick auf das, was zwischen heute und dem Zielrennen liegt: sieben bis zehn Monate, in die Wetter, Beruf, Familie, Vorbereitungswettkämpfe, Krankheit oder Trainingslager hineinspielen. Die entscheidende Frage vorab: Wie viel Trainingszeit kann ich guten Gewissens pro Woche investieren – und was ist ein sinnvoller Anstieg gegenüber dem Vorjahr? Bei power & pace beginnt die neue Saison offiziell am 28. September, dann werden die inzwischen weit über 250 Trainingspläne für 2027 ausgerollt – vom MOVER ohne Wettkampfambition bis zum QUALIFIER, ergänzt um individuelle Pläne auf Basis der AI Diagnostics und Live-Q&As für alle Fälle, in denen das Leben dazwischenkommt.
Wie sich daraus der persönliche Saisonfahrplan bauen lässt – und warum ein Drittel der Mitglieder von power & pace den Herbst gerade für Halbmarathon- und Marathonprojekte nutzt – gibt es in voller Länge auf die Ohren: power & pace, der Trainingspodcast von tri-mag.de – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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