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SzeneVerbandstag der DTU: Alsterblick

Verbandstag der DTU: Alsterblick

Die Deutsche Triathlon Union hat ein neues Präsidium. Erst am Verbandstag in Hamburg stellte sich heraus: Es ist das alte. Dafür hat der Verband auf anderer Ebene ein neues Mitglied.

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Das alte und neue Präsidium der Deutschen Triathlon Union: Sven Alex (Vizepräsident), Bernd Rollar (Vizepräsident Finanzen), Prof. Dr. Martin Engelhardt (Präsident), Bernd Kapp (Vizepräsident Amateur- und Breitensport), Heike Rockhar (Jugendwartin), Jan Philipp Krawczyk (Vizepräsident Kampfrichter- und Veranstaltungswesen), Matthias Zöll (Generalsekretär), Reinhold Häußlein (Vizepräsident Leistungssport)

Der Verbandstag der Deutschen Triathlon Union stand ganz im Zeichen der kommenden Saison. Dann werden in Hamburg zum dritten Mal Einzel-Weltmeisterschaften im Triathlon ausgetragen. Die Delegierten aus den 16 Landesverbänden hatten reichlich Gelegenheit, ihren Blick über die Alster schweifen zu lassen. Denn drinnen war die Stimmung zukunftsgerichtet.

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Das liegt auch daran, dass es am Tag der wichtigsten Sitzung des Verbandsjahres kaum noch Personaldiskussionen gab. Eigentlich hatten sich zwei Bewerber dafür stark gemacht, das große Erbe von Vizepräsident Reinhold Häußlein anzutreten, der als einer der Denker und Motivatoren hinter dem Leistungssport Triathlon eigentlich in Funktionärsrente gehen wollte. Da Leistungssport im Triathlon aber auch Mannschaftssport ist und es aus der Mannschaft offenbar Bedenken gegen einen der Kandidaten gab, entschloss sich Häußlein kurzerhand, seine Mission, die er als Bundestrainer bei der Olympiapremiere in Sydney 2000 begonnen hatte, in amtlicher Funktion auch noch bis zu den Spielen 2024 in Paris fortzusetzen. Über Nacht zogen die beiden Bewerber ihre Kandidaturen zurück.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu diesen Spielen sind die Sprint- und Staffelweltmeisterschaften vom 13. bis 16. Juli 2023 in Hamburg. Rund um die Alster, die schon 2007 Schauplatz der weltgrößten Titelkämpfe für Elite und Agegrouper war und inzwischen für weit über Hunderttausend Agegrouper eine Triathlonarena geboten hat – beim großen Triathlonfest auf der Sprint- und Kurzdistanz und in den letzten Jahren auch beim Ironman. Auch das rasante Format des Mixed Team Relay, das 2021 bei den Spielen von Tokio Olympiapremiere feierte, ist hier groß geworden.

„Verbesserung der Lebensqualität“

Der ehemalige, alte und neue Präsident Prof. Dr. Martin Engelhardt, der für weitere vier Jahre die Geschicke der Deutschen Triathlon Union leiten wird, sieht damit einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag, der über den Triathlonsport hinausgeht: „Wir stehen für die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen” – das war eine der Kernaussagen in Engelhardts Rede, in der er auf die vergangene Legislatur zurück- und die kommende vorausblickte und immer wieder daran appellierte, das große Ziele nur im Zusammenhalt, in dessen Rahmen man durchaus diskutieren dürfe, erreicht werden können. Auch elf Jahre nach dem Beginn seiner zweiten Amtszeit macht Engelhardt keinen Hehl daraus, dass die Zerstrittenheit, aus der er den Verband damals übernommen hatte, ihn bis heute beschäftigt.

Wettkämpfe kehren zurück

Die Rekonvaleszenz nach Krisen ist auch ein aktuelles Thema. An Zahlen lässt sich das belegen: Zwar konnten im Jahr 2022 immerhin 454 von 458 geplanten Veranstaltungen durchgeführt werden (2021 waren es noch 185 von 225), was fast dem vorpandemischen Niveau entspricht – doch fehlt bei der Anzahl der aktiven Triathleten noch immer ein gutes Drittel, wie der Vizepräsident für das Kampfrichter- und Veranstaltungswesen, Jan Philipp Krawczyk, berichtet. Doch vielleicht zieht eben diese Weltmeisterschaft im kommenden Jahr wieder neue Aktive in den Sport. Der für den Amateur- und Breitensport zuständige Vizepräsident Bernd Knapp konnte für die Amateure inzwischen einen Rahmen der Mammutveranstaltung nennen. Die beginnt am Donnerstag mit Eröffnungsfeier, Nationenparade und Pasta Party, bevor am Freitag die WM-Rennen der Agegrouper auf der Sprintdistanz mit Windschattenfreigabe stattfinden. Nach den öffentlichen Rennen im Sprint (Samstag) und auf der olympischen Distanz (Sonntag) folgen am Sonntag die ersten Titelkämpfe für Agegrouper im Mixed-Team-Relay. Jeweils zwei Frauen und Männer, die alle innerhalb einer Dekade geboren wurden (beispielsweise aus den Altersklassen M/W20 und 25), treten im Staffelwettbewerb über jeweils 300 Meter Schwimmen, sieben Kilometer Radfahren und 2,1 Kilometer Laufen an.

„Lindemann liefert“

Und vielleicht können sie als Zuschauer auf dem Rathausmarkt wieder einem deutschen Elite-Weltmeister zujubeln, wie es Daniel Unger 2007, beim letzten großen WM-Fest in Hamburg (die WM 2020 fand ohne Zuschauer und Agegrouper im Stadtpark statt), gelungen war. „Laura Lindemann liefert, viele weitere Frauen schließen zur Weltspitze auf”, fasste Reinhold Häußlein die Situation beim weiblichen Geschlecht zusammen. Auch bei den Männern führe die Tendenz nach Jahren ohne ganz große Erfolge wieder steil nach oben, zum Beispiel über Lasse Lührs und Lasse Priester, aber manchmal auch auf ungewöhnlichen Wegen: Johannes Vogel, der bisher keinen Kaderstatus besaß, konnte in 2021 einige Male überraschen – weil seine Familie ihm die internationalen Wettkampfreisen finanzierte.

Neue Kontaktpunkte für den Triathlon

So privilegiert sind nicht alle Sportbegeisterten im Lande. Viele kreative Kontaktpunkte mit der Sportart werden aktuell diskutiert, von spielerischen Grundschulprojekten über familienfreundliche Triathlons mit Kinderbetreuung bis hin zur Vision eines rollenden Triathlonmuseums, um die Sportart ohne große Barrieren vorzustellen. Eine Sportart, deren Komplexität an einer Zahl deutlich wurde – so berichtete Lutz Steinmann von der Technischen Kommission, dass man über den Winter satte 146 internationale Regeländerungen in die Sportordnung der Deutschen Triathlon Union einarbeiten müsse. Eine Sportordnung, die übrigens seit wenigen Tagen nicht mehr nur als umfangreiches PDF, sondern als Online-Version mit Verschlagwortung und Suchfunktion auf der Website des Verbands zur Verfügung steht.

Entlastet und neu gewählt

Die Delegierten nahmen die Berichte des Präsidiums und der Beauftragten wohlwollend zur Kenntnis, sodass sie den bisherigen Machern einstimmig die Entlastung aussprechen und alle Funktionäre in ihren Ämtern bestätigen konnten. Auch die wirtschaftlichen Abschlüsse und Zukunftsplanungen konnte das höchste Gremium des Verbands ohne lange Diskussionen bestätigen.

Prävention, Prüfung, power & pace

Über vier Anträge hatte der Verbandstag schließlich auch noch zu entscheiden: Zwei beschäftigten sich mit der Prävention sexualisierter Gewalt im Triathlonsport, die nun auch formal in Beschluss und Satzung verankert ist. Da nicht nur das Regelwerk inzwischen hochkomplex ist, sondern auch die Finanzen hinter dem Verband, wurde dem Sammelantrag von sechs Landesverbänden, den Jahresabschluss zukünftig nicht mehr rein ehrenamtlich, sondern durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kontrollieren zu lassen, ebenfalls einstimmig zugestimmt. Eine kurze Diskussion gab es um den Antrag des Präsidiums, das Trainingsprojekt „power & pace“ (zur Transparenz: power & pace ist ebenso wie triathlon eine Marke der spomedis GmbH, bei der auch diese Website erscheint) als zweites außerordentliches Mitglied nach dem “Team Erdinger Alkoholfrei” in die DTU aufzunehmen. 161 Stimmen entfielen für den Antrag, 13 dagegen, 14 enthielten sich, sodass auch hier die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht wurde.

Und so endete der DTU-Verbandstag 2022 in großem Einvernehmen mit dem gemeinsamen Blick auf die Alster, in der und um die im Juli 2023 die Triathlon-Weltmeisterschaften über die Sprintdistanz und im Mixed Team Relay ausgetragen werden. In Hamburg wird Triathlongeschichte geschrieben. An diesem 19. November 2022 war es ein eher ruhiges Kapitel.

Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.
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