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David Tilbury-Davies im Coach-Porträt und -Interview
Sanders’ stiller Stratege

David Tilbury-Davies ist der Mann hinter dem Training von Lionel Sanders. Im Interview erklärt der Brite seine Prinzipien und wie er seine Sportler zu besseren Athleten machen will.

Talbot Cox Media

Obwohl David Tilbury-Davis an der Loughborough University, heute einem der größten Dreh- und Angelpunkte des Triathlonsports in Großbritannien, studierte, ist es rückblickend durchaus eine Überraschung, dass aus dem 48-Jährigen ein professioneller Triathloncoach geworden ist. Denn die Universität in der Nähe von Leicester besitzt zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht den Triathlonhintergrund der heutigen Zeit. Und David Tilbury-Davis ist bis zu seinem Maschinenbaustudium 1991 zwar selbst im Rugby, Hockey, Basketball und danach sogar in der nationalen Auswahl im American Football aktiv, hat mit Ausdauersport allerdings nur wenig zu tun. 

Letztendlich ist es eine Verletzung, die ihn zum Alternativtraining zwingt und ihn 1995 zum Triathleten werden lässt. Nachdem der Brite 1996 zusätzlich mit dem Coaching beginnt, intensiviert sich die Nebentätigkeit im Laufe der Jahre so weit, dass er sie 2009 zu seinem Hauptberuf macht. Im Laufe der Jahre trainiert Tilbury-Davis unter anderem namhafte Profis wie Matt Hanson, Cody  Beals, Jocelyn McCauley, Corinne Abraham, Kaisa Sali, Kimberly Morrison, Rasmus Svenningsson und Lionel Sanders.

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Mehr als 20 Jahre ist er bereits als Triathlontrainer aktiv, bevor er 2017 seine bisher größte internationale Aufmerksamkeit erlangt. Grund dafür ist das Hawaii-Ergebnis von Lionel Sanders, den Tilbury-Davis nach einem frustrierenden Kona-Resultat aus dem Vorjahr anfängt zu coachen und mit fünf Mitteldistanz-Siegen im Gepäck erfolgreich bis zum Rennen auf Big Island im Oktober aufbaut. Dort fährt Sanders mit Platz zwei das bis heute beste Ergebnis seiner Karriere ein, schrammt nur 2:38 Minuten am Hawaii-Sieg vorbei. Dann geschieht etwas, das nach einem derartig großen, wenn auch bittersüßen Erfolg, nicht gerade nachvollziehbar erscheint: Die Zusammenarbeit wird nach dem Rennen beendet, Sanders will sein Training wieder selbst in die Hand nehmen. Zwei zu große Egos auf beiden Seiten seien zu dieser Zeit der Grund dafür gewesen, wie Tilbury-Davis rückblickend erzählt. 

Heute ist (fast) alles beim Alten: Nach zwei äußerst ernüchternden Hawaii-Rennen für Lionel Sanders übernimmt Tilbury-Davis das Training des Kanadiers erneut, nachdem dieser im Anschluss an seinen 22. Platz in Kona im vergangenen Jahr Kontakt zu ihm aufnimmt und sich eine Wiederherstellung der Trainer-Athleten-Beziehung wünscht. Seitdem arbeitet Tilbury-Davis daran, die bestmögliche Version von Lionel Sanders her-vorzubringen – mit klaren Zielen, evidenzbasierten Ansätzen, riesigen Datensammlungen und personalisierten Lösungen, die für David Tilbury-Davis die Grundpfeiler seiner Coaching-Philosophie darstellen.

Talbot Cox Media

Der Sanders-Coach im Interview

David Tilbury-Davis, Sie sind mittlerweile seit fast 25 Jahren als Trainer im Triathlon aktiv. Bevor Sie mit dem Coaching angefangen haben, sind Sie im Kindesalter mit verschiedenen Teamsportarten aufgewachsen. Was war der Grund für den Wechsel in den Triathlonsport und was erwarteten Sie, als Sie sich 1996 erstmals als Trainer ausprobiert haben?

Als ich an der Universität war, habe ich American Football für Großbritannien auf einem relativ hohen Level gespielt. Aufgrund einer Verletzung bin ich über mein Interesse am Radsport zum Triathlon gekommen und war sofort begeistert. Nach nur einem Jahr gab es die Möglichkeit, beim Triathlonteam der Universität gleichzeitig als Trainer mitzuwirken, und diese Vorstellung hat mich gereizt, obwohl ich vorher nie über Coaching nachgedacht habe. Die Uni in Loughborough ist zwar bekannt für den Sport und die Sportwissenschaft, ich war mit meinem Maschinenbaustudium allerdings nicht direkt darin involviert, hatte aber einen indirekten Bezug zur Biomechanik und habe auf dem Gebiet nach dem Studium auch geforscht. Dass sich die Trainertätigkeit einmal so entwickeln würde, war zu der Zeit weder ein Ziel noch absehbar. Zumal ich nach dem Studium ganz normal angefangen habe zu arbeiten.

Wie kam es schließlich dazu, dass Sie das Trainerdasein 2009 zu Ihrem Hauptberuf gemacht haben?

2009 habe ich für eine der größten Banken in Großbritannien gearbeitet und die damalige Finanzkrise als Chance dafür genutzt, die Nebentätigkeit als Coach zu meinem Hauptberuf zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war ich als Trainer in einem Triathlonverein aktiv und habe nebenbei fünf Einzelathleten betreut. Kurze Zeit später bin ich nach Spanien gezogen, um einen Freund beim Ausrichten von Trainingslagern zu unterstützen. Von dort hat sich alles entwickelt und ist über die Jahre gewachsen. Rückblickend würde ich das alles als äußerst organisch betrachten, ich habe mich nie  extrem beworben oder vermarktet. Fast alles ist über Empfehlungen von anderen Athleten oder Trainern zustande gekommen. Auch wenn sich in der langen Zeit bei mir als Coach einiges verändert hat, ist die Basis heute noch dieselbe wie damals: Ich möchte immer dazulernen und stets auf dem neuesten Stand in den Bereichen bleiben, die leistungsrelevant für meine Athleten sind.

Durch die eigenen Erfahrungen, aber auch durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Möglichkeiten ist man als Trainer dauernd in einem fortlaufenden Lernprozess und muss entscheiden, was man mit diesen neuen Informationen anfängt. Wie würden Sie die Grundsätze Ihrer heutigen Trainingsphilosophie beschreiben?

Mein Motto lautet „Erfolg ist in Wissen verwurzelt“. Dabei sind zwei meiner wichtigsten Grundsätze, dass ich immer den Menschen trainiere, nicht nur seine Physiologie, und dass ich evidenzbasierte Entscheidungen treffe, nicht nach Gefühl oder Instinkt trainiere. Ich bezeichne meine Trainingsweise absichtlich nicht unbedingt als wissenschaftlich, sondern eher als evidenzbasiert. Für mich ist es wichtig, dass es Raum gibt, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder Studien zu hinterfragen oder zu kritisieren. Ich glaube, das mächtigste Werkzeug eines Trainers ist kritisches Denken. Einfach, weil nicht alles auf jeden übertragbar ist, Individualität das höchste Gebot im Coaching darstellt und hinter einem Sportler mehr steckt als nur seine Leistung. Ich besinne mich deshalb auf die Grundsätze in wichtigen Teilbereichen wie Physiologie, Psychologie, Neurologie und Biomechanik und nehme dieses Wissen als erste Grundlage für die individuelle Planung der Athleten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für mich das Sammeln von aufschlussreichen Daten. Die nutze ich aber nicht dafür, um zu sehen, wie stark sich der Athlet verbessert hat. Dafür haben wir Tests oder Wettkämpfe. Sie sollen mir dabei helfen zu verstehen, warum sich derjenige verbessert oder auch nicht verbessert hat. Zu diesen Daten zählen für mich nicht nur Zahlen, sondern auch schriftliches oder verbales Feedback der Athleten. Aus dieser Kombination kann ich dann die entsprechenden Rückschlüsse für die Anpassung der Trainingsplanung ziehen. Das ist für mich ein ganz zentraler Aspekt: Die Sportler sollten ihren Coach anhand der Entwicklung bewerten und für den Prozess verantwortlich machen, nicht nur für die Ergebnisse.

Sie leben mittlerweile mit Ihrer Familie in Finnland. Obwohl Sie deshalb selbst einen Großteil Ihrer Athleten aus der Ferne betreuen, wie es heutzutage auch bei den meisten Profis der Fall ist, haben Sie schon häufiger betont, wie wichtig Ihnen eine direkte Zusammenarbeit ist. Welchen Mehrwert ziehen Sie daraus, wenn Sie jemanden für mehrere Tage persönlich im Training und Alltag betreuen, und welche Faktoren sind es, die von den heutigen Möglichkeiten der Technik trotzdem nur bedingt durch Daten und Zahlen abgebildet werden können?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil der Nutzen eines direkten Coachings von Athlet zu Athlet unterschiedlich ist. Ich glaube zwar nicht, dass Videos oder Videoanrufe eine persönliche Trainingsbetreuung gleichwertig ersetzen können, aber diese Möglichkeiten helfen heutzutage definitiv bei der Kommunikation, Auswertung und Planung. Persönlich dabei zu sein und den Athleten vor, während und nach dem Training zu erleben, gibt einem trotzdem noch einmal ganz andere Einblicke. Aber weil das nur sehr begrenzt möglich ist, gibt es für meine Athleten beispielsweise keine Limitierung in meiner Erreichbarkeit. Sie können und sollen mich jederzeit kontaktieren. Als Trainer muss man ein guter Zuhörer sein und gleichzeitig viele Fragen stellen. Mein Ziel ist es, mit meinen Athleten von Anfang an eine offene Trainer-Athleten-Beziehung zu führen. Problematisch wird es dann, wenn jemand nicht ehrlich ist und deshalb Fehler in der Auswertung oder Planung entstehen. Das lässt sich durch verschiedene Daten früher oder später meistens sowieso feststellen, kommt bei mir zum Glück aber auch nicht vor, weil die Athleten wissen, dass es für sie selbst nur von Nachteil wäre.

Die maximale Zahl an Athleten, die Sie zeitgleich betreuen, liegt bei 15. Momentan sind dies alles Triathleten, Sie haben in der Vergangenheit aber auch Sportler in den Einzeldisziplinen gecoacht. Was ist für Sie, auch in Abgrenzung zu den Einzelsportarten, die größte Herausforderung im Triathlontraining?

Die Regeneration richtig zu managen und flexibel in der Planung zu reagieren. Das betrifft Agegrouper mit Sicherheit etwas mehr als Profis, weil dort häufig klar zwischen Training, Arbeit, Familie und anderen Pflichten getrennt und die Gesamtbelastung dadurch gern außer Acht gelassen wird. Bei den Profis ist es allerdings auch von extrem hoher Bedeutung, denn das optimale Verhältnis von Be- und Entlastung ist im Triathlon, wie die Suche nach dem heiligen Gral. Ich sehe meine Trainingsplanung für beispielsweise eine Woche deshalb grundsätzlich erst einmal nur als eine Idee, die später durch verschiedene Einflüsse im Normalfall noch mal angepasst werden muss. Deshalb erachte ich es als völlig verkehrt, wenn Athleten wie besessen an ihrem Plan festhalten und ihn unter allen Umständen so durchziehen wollen. Als Trainer sehe ich mich da in der Verantwortung, häufig sogar tägliche Anpassungen und Änderungen vorzunehmen, obwohl ich vorher natürlich eine deutlich längerfristige Planung vornehme. Neben den reinen Trainingsergebnissen und dem subjektiven Feedback lasse ich alle Athleten täglich die Herzfrequenzvariabilität (HRV) messen und die Anzahl der Schlafstunden pro Nacht angeben. Einige tragen für die Messung beispielsweise den „Oura Ring“, andere nutzen eine App auf dem Smartphone. Anhand dieser Daten nehme ich dann die entsprechenden Anpassungen vor.

Das Sammeln und Interpretieren von Daten spielt bei Ihnen nicht nur in Bezug auf die Regeneration eine große Rolle. Welche Tools nutzen Sie noch zur Datenerfassung und Analyse?

Natürlich die Sportuhr für die Aufzeichnung von Zeit, Pace, einzelnen Splits und Herzfrequenz mit einem externen Sensor. Dann die bereits erwähnten Möglichkeiten zur Aufzeichnung der HRV für die Regeneration. Hinzu kommt Leistungsmessung in allen Disziplinen: beim Radfahren mit einem herkömmlichen Powermeter, beim Laufen mit einem Stryd-Sensor und beim Schwimmen mit einem Trainesense-Sensor. Bei einigen Einheiten und Tests nutze ich zusätzlich Laktatmessung, Messung der Sauerstoffsättigung in der Arbeitsmuskulatur und der Sauerstoffaufnahme durch eine mobile oder stationäre Spirometrie. Auf dem Radhaben einige Athleten darüber hinaus Geräte, die den CdA-Wert in Echtzeit messen. Das Feedback und Gefühl eines Athleten ist für mich ebenfalls ein sehr wichtiges Tool, um eine Referenz zu den Daten zu haben. Man muss sich nicht immer überragend fühlen, um starke Leistungen zu erzielen und auch nicht gleich direkt die Reißleine ziehen, wenn man denkt, müde oder schwach zu sein. Deshalb kommt es sehr darauf an, dass man mehrere Parameter hat, aus denen man sich ein gesamtheitliches Bild machen kann, bevor man so eine Entscheidung trifft. Wichtig ist mir nur, dass ich ausschließlich Daten aufzeichne, mit denen ich später etwas anfangen kann.

Die Corona-Pandemie hat Sie als Trainer sicher vor neue Herausforderungen gestellt. Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Grundsätzlich sollten die Athleten erst einmal gesund bleiben und keinerlei Risiken eingehen. Für mich ging es besonders am Anfang darum, die Motivation und emotionale Verbindung zum Sport aufrechtzuerhalten. Wenn durch den Ausfall der Wettkämpfe das langfristige Ziel und die Perspektive fehlen, hat das bei jedem Einzelnen andere Auswirkungen. Man muss versuchen, die Sportler mit ihren Zielen und Wünschen zu verstehen, ihnen neue Perspektiven eröffnen und schauen, wie man die Situation für sich nutzen kann. Sei es durch das Arbeiten an Schwächen, einer mentalen Pause, anderen Trainingsschwerpunkten, virtuellen Rennen oder etwas verrückte Abenteuererlebnisse. Auch hier ist Individualität das Stichwort: Einige meiner Athleten aus Australien konnten ohne Probleme die ganze Zeit im Freiwasser schwimmen, während viele andere ohne Training im Wasser auskommen mussten und mein Athlet Rasmus Svenningsson aus Schweden wiederum keinerlei Einschränkungen hatte. 

Talbot Cox Media

Seit November 2019 arbeiten Sie nach zweijähriger Pause wieder mit Lionel Sanders zusammen. Woran lag es, dass die Zusammenarbeit 2017 kurz nach dem erfolgreichen Hawaii-Rennen mit Platz zwei nach nur einer Saison wieder beendet wurde? 

Ich habe Lionels Karriere vorher für mehrere Jahre verfolgt und mich nach dem Ironman Hawaii 2016 (Platz 29, 2015 Platz 14) bei ihm gemeldet, weil ich gesehen habe, wie viel Potenzial er verschenkt hat und wozu er eigentlich in der Lage sein könnte. Nachdem wir am Telefon lang miteinander gesprochen haben und ich ihm meine Sichtweise und Ansätze darstellt habe, ist die Zusammenarbeit gestartet. 2017 war dann das bisher wahrscheinlich beste Jahr seiner Karriere und ich war schon enttäuscht, dass die Zusammenarbeit nach Hawaii endete, weil ich das Gefühl hatte, dass wir auf dem absolut richtigen Weg waren und als Team noch mehr hätten erreichen können. Aber nach dem Hawaii-Ergebnis sind unsere beiden Egos etwas zu groß geworden und unsere Beziehung litt unter dieser beidseitigen Sturheit. Ich habe Lionel damals gesagt, dass ich immer bereit dazu wäre, wieder mit ihm zu arbeiten, wenn er es möchte. Das hat letztendlich zwei Jahre gedauert und ich bin froh, dass wir diese Chance jetzt haben.

Sie sagen, dass Sie damals viel Potenzial für Verbesserung gesehen haben. Was waren zu Beginn Ihrer ersten Zusammenarbeit die Hauptaspekte im Training, die Sie verändert haben? Ich erinnere mich an den Ratschlag von Sebastian Kienle, der zu Lionel in diesem Zeitraum sagte, er solle aufhören, jeden Tag einen Ironman im Training zu absolvieren. War da etwas dran?

Es gab definitiv Zeiten, in denen Lionel zu viel trainiert hat und Phasen, in denen die Kombination aus Umfang und Intensität zur gleichen Zeit zu hoch war. Aber bei Lionel ist die größte Herausforderung und meine Hauptaufgabe, dass alle Puzzleteile zusammenbleiben, und er nicht irgendwo vom Weg abkommt.

Ist das eine Anspielung darauf, dass er nach Hawaii 2017 unbedingt Gewicht verlieren wollte, um so schnell zu laufen wie Patrick Lange, oder es mehrfach mit veganer Ernährung probiert hat, weil er sich davon einen Leistungssprung versprach?

Genau. Nach Hawaii 2017 gab es einige ganz simple Stellschrauben, an denen ich hätte drehen wollen, damit Lionel ein Jahr später eine noch bessere Version von sich selbst wird. Die größte Gefahr, die ich damals gesehen habe, war, dass man versucht, das Rad komplett neu zu erfinden. Und das ist letztendlich genau das, was im Anschluss passiert ist. Die Suche nach der letzten Optimierung birgt oft die Gefahr, die wichtigsten Grundprinzipien zu vernachlässigen oder negativ zu beeinflussen. Das ist ein schmaler Grat. Meine Aufgabe war es schon 2017, und ist es jetzt auch, das große Ganze im Blick zu behalten und Lionel davor zu bewahren, solche Fehler zu machen. Anstatt einem Trend oder Erfolgsrezept von anderen sofort hoffnungsvoll nachzugehen, hat Lionel mittlerweile das Vertrauen, mich überprüfen und entscheiden zu lassen, ob es sich bei ihm lohnt, verschiedene Dinge auszuprobieren oder es zu lassen.

Zwei Ziele, die sich Lionel seit mehreren Jahren gesetzt hat, sind das Erreichen der ersten Gruppe im Schwimmen und die Verbesserung seiner Laufleistung auf der Langdistanz. Während er auf der Mitteldistanz bereits 1:09:20 Stunden gelaufen ist und bei der Ironman-70.3-WM 2016 beispielsweise die schnellste Laufzeit hatte, hat er beim Marathon auf der Langdistanz seit Jahren deutlich größere Probleme, dieses Potenzial zu entfalten. Welche Ansätze verfolgen Sie, um diese beiden Ziele zukünftig zu erreichen?

Er selbst sagt das so, ich sehe das etwas anders. Lionel wird auf Hawaii niemals mit der ersten Gruppe aus dem Wasser kommen und sich dieses Ziel so zu setzen, wäre der erste Schritt zum Scheitern. Ich sehe im Wasser aber noch einiges an Potenzial, das wir im Laufe der Zeit durch verschiedene Trainingsmethoden und technische Möglichkeiten realisieren können. Wofür genau das am Ende reicht, entscheidet allerdings die Dynamik am Renntag. Beim Laufen sage ich ganz klar: Wir werden nicht alles daran setzen, seine Lauftechnik zu verändern. Lionel wird niemals wie Patrick Lange oder Craig  Alexander laufen, sondern immer wie  Lionel. Das hat auch mit den körperlichen Voraussetzungen zu tun. Er läuft bereits schnell mit dieser Technik, seitdem er ein Teenager ist. Wir versuchen gerade trotzdem herauszufinden, wie viel von der Bewegung seiner Anatomie geschuldet ist und welche Muster sich natürlich und biomechanisch sinnvoll verändern lassen. Einfach etwas nach anderem Vorbild umzustellen, wäre der sichere erste Schritt für eine Verletzung. Aber für mich sind andere Aspekte noch wichtiger, da die Geschwindigkeit und Grundvoraussetzungen ihn nicht limitieren. Dazu gehören die Laufökonomie, die Veränderung der Laufökonomie und der Laufbewegung bei Ermüdung und unter Vorbelastung sowie die Wettkampfernährung, die ihn auf der Langstrecke beim Laufen wohl oft limitiert hat. Dafür waren wir im Februar 2020 extra für eine Woche auf Hawaii, um unter Wettkampfbedingungen die Schweißflussrate, Mineralstoff-Verluste und die Aufnahmefähigkeit von Kohlenhydraten zu messen. Aus den vielen Daten konnten wir wichtige Erkenntnisse für das Training, Pacing und die Ernährung gewinnen.

Was trauen Sie Lionel zukünftig noch zu und wie sieht die langfristige Zielsetzung aus?

Langfristig möchte ich Lionel zu einem effizienteren Athleten machen und die beste Version aus ihm herausholen. Da war 2017 bei seinem Potenzial noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich wäre sehr enttäuscht von mir als Trainer, wenn ich im Endeffekt offensichtliche Dinge übersehe, die Lionel daran hindern, sich zu verbessern, insbesondere auf Hawaii. Mein Ziel ist es, dass Lionel sich im Vergleich zum Hawaii-Rennen 2017 in allen Disziplinen steigert und im Ziel sagen kann, dass er alles aus seinen vorhandenen Fähigkeiten herausgeholt hat.

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